Inhaltsstoffe von Heilpflanzensäften

Um eine möglichst hohe Heilwirkung zu erzielen, ist das Zusammenspiel der verschiedenen Inhaltsstoffe sowie ein hoher Anteil der in der frischen Pflanze enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe von großer Bedeutung. Da bestimmte Pflanzenteile wichtige Inhaltsstoffe vermehrt beinhalten, werden für die Herstellung je nach Pflanze Blätter, Blüten, Stängel, Wurzeln oder Früchte mit den spezifischen Wirk- und Begleitstoffen verarbeitet.

Polysaccharide

Polysaccharide sind Kohlenhydrate, die aus vielen Monosacchariden bestehen, zu denen beispielsweise Glykogen, Stärke (Amylose und Amylopektin), Pektine, Cellulose sowie Beta-Glucan und Glykoprotein zählen. In Pflanzen übernehmen Polysaccharide wesentliche Aufgaben als Schleim-, Reserve- und Nährstoffe. Im menschlichen Körper binden z. B. Beta-Glucane Gallensäuren, die dann aus Cholesterin neu gebildet werden müssen, und verbessern damit den Cholesterinspiegel. Darüber hinaus haben Polysaccharide antiinflammatorische Eigenschaften und wirken insbesondere sogenannten Silent Inflammations (stille Entzündungen) über die Aktivierung körpereigener Makrophagen entgegen. Zu den Pflanzen mit hohem Polysaccharidgehalt zählen beispielsweise Kartoffeln, Löwenzahn, Topinambur und Zwiebeln.

Mineralstoffe

Unter Mineralstoffen versteht man vornehmlich anorganische Nährstoffe, die mit der täglichen Nahrung aufgenommen werden müssen und zu denen insbesondere Kalzium, Kalium und Magnesium gehören. Ausnahmen bilden Schwefel, Phosphor und Selen, die größtenteils organisch gebunden in Lebensmitteln vorkommen. Mineralstoffe weisen ein breites Funktionsspektrum auf und werden somit zunehmend bei der Prävention und adjuvanten Ernährungstherapie chronischer Erkrankungen eingesetzt. Je nach Konzentration der Mineralstoffe im Organismus sowie der Höhe des Tagesbedarfs wird zwischen Mengen- und Spurenelementen unterschieden.2

Ein hoher Mineralstoffanteil ist in folgenden Pflanzen zu finden:3

  • Kalzium: Granatapfel, Kartoffel, Rote Beete
  • Kalium: Birke, Kaktusfeige, Kartoffel
  • Magnesium: Kaktusfeige, Kartoffel, Passionsblume, Schwarzrettich
  • Phosphor: Hafer, Zinnkraut

Spurenelemente

Bei Spurenelementen handelt es sich um im Körper vorkommende Mineralstoffe, die eine Konzentration von < 50 mg/kg Körpergewicht aufweisen bzw. deren Tagesbedarf die Grenze von 100 mg unterschreitet. Auf Grundlage der physiologischen Bedeutung wird zwischen absolut essenziellen (z. B. Eisen, Zink, Kupfer und Selen), möglicherweise essenziellen (z. B. Aluminium, Silicium, Zinn und Nickel) und nichtessenziellen Spurenelementen (z. B. Antimon, Quecksilber) unterschieden.2

Vitamine

Unter Vitaminen werden organische Verbindungen zusammengefasst, die vom Körper nicht bzw. nicht in ausreichenden Mengen synthetisiert werden können, für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen und Gesundheit jedoch essenziell sind. Sie erfüllen in der Regel katalytische und regulatorische Funktionen als:

  • Coenzyme (B-Vitamine, Vitamin K),
  • Liganden für Transkriptionsfaktoren (Retinsäure, Calcitriol),
  • Akzeptoren, Donatoren von Wasserstoff bzw. Elektronen (Vitamin C, E).

Dabei wird insbesondere zwischen fettlöslichen (Vitamin A, D, E, K) und wasserlöslichen Vitaminen (Vitamin B1, B2, B6, B12, C, Niacin, Pantothensäure, Biotin und Folsäure) unterschieden.2

Ätherische Öle

Unter ätherischen Ölen versteht man leicht flüchtige und häufig leicht entzündbare Stoffgemische, die aus ineinander löslichen organischen Stoffen bestehen. In Pflanzen werden sie vorwiegend in den Blättern und Blüten produziert und dienen insbesondere dem Anlocken von Insekten bzw. Abwehren von Schädlingen. Im menschlichen Organismus wirken sie vor allem sekretolytisch und antiinflammatorisch auf die Schleimhäute sowie spasmolytisch und karminativ auf den Magen-Darm-Trakt. Ein hoher Gehalt an ätherischen Ölen ist vor allem in Bärlauch (Lauchöl), Salbei (Cineol) und der Schafgarbe (Azulen) zu finden.3

Gerbstoffe

Bei Gerbstoffen handelt es sich um pflanzliche Bau-, Schutz- und Reservestoffe, die sich an Eiweiße von Haut und Schleimhäuten anlagern. Im Darm wirken sie antiinflammatorisch und hemmen Eiweiß- und Fäulnisprozesse. An der Haut und den Schleimhäuten haben sie hingegen eine adstringierende Wirkung, sodass das Eindringen von Bakterien und Pilzen ins Gewebe erschwert wird. Darüber hinaus werden Schmerzen und Wundsekretion vermindert, Entzündungen gehemmt und kapillare Blutungen gestillt. Gerbstoffe sind u. a. als Tannine in Granatäpfeln, als Rosmarinsäure in der Melisse sowie als Lamiaceengerbstoffe im Salbei vorhanden.3

Bitterstoffe

Bitterstoffe zeichnen sich – wie der Name es vermuten lässt – durch ihren bitteren Geschmack aus und bilden keine chemisch einheitliche Gruppe. Sie regen die beiden großen Oberbauchdrüsen Leber (vermehrte Absonderung von Gallensaft) und Bauchspeicheldrüse (durch Sekretion) an, wodurch sie einen appetitanregenden und verdauungsfördernden Effekt haben. Zu den Bitterstoffen gehören beispielsweise das Marrubiin des Andorns, das Cynarin aus der Artischocke und die Sesquiterpenlactone des Wermuts.3