3. Bakterielle Vaginose

Die bakterielle Vaginose (BV) ist eine Dysbiose in der Vagina zu Ungunsten der Laktobazillen (Lactobacillus sp.). Dadurch können sich andere Erreger ansiedeln und gegebenenfalls Symptome hervorrufen. Vor allem anaerobe Bakterien wie Gardnerella vaginalis und Atopobium vaginae werden bei bakterieller Vaginose gefunden. Die bakterielle Vaginose ist mit einem polymikrobiellen Biofilm assoziiert, was die Therapie erschwert und Rezidive begünstigt.16 Ein Biofilm ist ein Verbund, in dem sich bestimmte Bakterienarten zusammenschließen, um sich weniger angreifbar durch das Immunsystem oder Antibiotika zu machen. Die Bakterien organisieren sich in einer Schleimschicht (Matrix) aus Zuckern und Proteinen, in die sie selbst eingebettet sind.17 Den unangenehmen Geruch des Vaginalfluors verursachen Stoffwechselprodukte der Bakterien (z. B. Putrescin, Cadaverin, Methylamin).16

Bei vielen Frauen (etwa 50 %) verläuft die bakterielle Vaginose vollkommen symptomlos18 und bleibt deshalb häufig unentdeckt. Typische Symptome, die auf eine bakterielle Vaginose hindeuten, sind:18

  • dünnflüssiger, homogener Scheidenausfluss,
  • unangenehmer fischartiger Geruch,
  • pH-Wert der Vaginalflüssigkeit > 4,5 (prämenopausal).

Vor allem der unangenehme fischartige Geruch ist ein Merkmal, das die bakterielle Vaginose von Differentialdiagnosen wie Scheidenpilz (Vaginalmykose) oder einer atrophischen Vaginitis unterscheidet.

Es gibt Hinweise darauf, dass Sexualverkehr das bakterielle Ungleichgewicht auslöst. Als Risikofaktoren werden Östrogenmangel, Rauchen, Vitamin-D-Mangel und psychosozialer Stress diskutiert. Die BV ist eine der häufigsten vaginalen Erkrankungen. Etwa fünf von 100 Frauen sind schätzungsweise betroffen.19