Hypoglykämie erkennen

Die Hypoglykämie ist eine der häufigsten unerwünschten Erscheinungen der Diabetestherapie und betrifft vor allem Diabetiker, die Insulin spritzen oder ein insulinotropes Antidiabetikum einnehmen (Sulfonylharnstoffe, Glinide). Von einer Hypoglykämie spricht man, wenn die Blutglukosekonzentration unter 50 mg/dl bzw. 2,7 mmol/l fällt. [1]

Besonders gefährdet sind ältere Patienten, die schon lange erkrankt sind und gegebenenfalls Komorbiditäten aufweisen oder mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen (Polymedikation). Verspätete Mahlzeiten, ungeplante Muskelarbeit und Alkoholkonsum können das Hypoglykämierisiko zusätzlich erhöhen. Arzneistoffe, die eine Hypoglykämie auslösen können, sind Salicylate, Chinidin und Pentamidin. Eine mögliche Hypoglykämiewirkung besteht unter anderem bei Sulfonamiden, nicht selektiven Betablockern, Propranolol, MAO-Hemmern, Haloperidol, Lithium, Paracetamol, Colchicin, Ranitidin. [7]

Symptome und Folgen der Hypoglykämie in Abhängigkeit der Blutglukosekonzentration:

  • < 55–65 mg/dl: Schwitzen, Unruhe, Zittern, Palpitationen, Tachykardie (Sympathikusaktivierung), Heißhunger, Übelkeit (Parasympathikusaktivierung)
  • < 40–55 mg/dl: kognitive Dysfunktion (Konzentrationsschwäche, Denkstörungen, Verwirrtheit)
  • < 30–40 mg/dl: Lethargie, Sehstörungen
  • < 30 mg/dl: hypoglykämisches Koma 
  • < 20 mg/dl: Krampfanfälle, Tod [1]

Verhalten bei Hypoglykämie

Zur Therapie einer Hypoglykämie eignen sich schnell resorbierbare Kohlenhydrate. Hierfür gibt es spezielle Glukosegele, die der Patient in der Apotheke erhalten kann. Alternativ kann Fruchtsaft (Apfelsaft) oder Traubenzucker eingesetzt werden.

Bei einer leichten Hypoglykämie (40–60 mg/dl) kann der Patient meist selbst reagieren und sollte 20 g Kohlenhydrate zu sich nehmen, beispielsweise in Form von Traubenzucker oder einem Glas Fruchtsaft (200 ml). Nach 15 Minuten sollte der Blutzucker erneut bestimmt werden. Liegt der Wert immer noch unter 50–60 mg/dl sollte noch einmal Glukose gegeben werden.

Ist der Patient bei einer schweren Hypoglykämie (< 40 mg/dl) noch bei Bewusstsein, kann sich aber nicht mehr selbst helfen, sollten 30 g Kohlenhydrate als Glukose gegeben werden, z. B. 300–400 ml Fruchtsaft. Liegt der Wert nach 15 Minuten immer noch unter 50–60 mg/dl sollte noch einmal Glukose gegeben werden.

Ist der Patient bei einer schweren Hypoglykämie (< 40 mg/dl) bewusstlos, ist sofort ein Notarzt zu verständigen. Der Patient sollte in die stabile Seitenlage gebracht werden und eine Glucagon-Spritze erhalten, falls vorhanden. Ist der Patient wieder ansprechbar, können 30 g Glukose gegeben werden. Falls nicht, muss auf den Notarzt gewartet werden.

Der Patient sollte grundsätzlich nach einer erfolgreich behandelten Hypoglykämie eine Mahlzeit oder einen kleinen Snack zu sich nehmen. [8]

Abb. 3: Übersicht der ärztlichen Maßnahmen bei Hypoglykämie nach aktueller S3-Leitlinie [9]