Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Isotretinoin für 7, 30 oder 60 Tage?

Für teratogene Wirkstoffe gelten besondere Abgaberegeln. Gleiches gilt für Entlassrezepte. In Zeiten der Pandemie ist zusätzlich die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung (SARS-CoV-2-AMVersVO) zu beachten. Da steht man manchmal vor der Herausforderung, alle Regeln unter einen Hut zu bringen und die richtige Abgabeentscheidung zu treffen. Die Software unterstützt in einem solchen Fall nur bedingt, sodass das pharmazeutische Personal hier gefragt ist.

Verordnet ist auf einem Entlassrezept „AKNENORMIN 20 mg Weichkapseln 60 St N2 PZN 03655776 >>1–0–0<<“ zulasten der BARMER (IK 108433180).
Ein Blick in die Taxe zeigt, dass dies auch ein Rabattartikel ist. Aber darf die N2-Packung auch abgegeben werden? Schließlich handelt es sich um ein Entlassrezept und für Isotretinoin gelten besondere gesetzliche Bestimmungen.

Die Lösung zur Frage:
Für welche Abgabe entscheiden Sie sich?

Ich gebe das verordnete und rabattierte Produkt ab, da zurzeit auf Entlassrezepten auch größere Mengen als N1 verordnet werden dürfen und die anderen Abgabebeschränkungen in diesem Fall nicht gelten.

Diese Antwort ist korrekt.

Im Normalfall, wenn die SARS-CoV-2-AMVersVO nicht gilt, sind Mengen auf Entlassrezepten bis zum kleinsten Normkennzeichen begrenzt. Da die SARS-CoV-2-AMVersVO aber noch bis zur Feststellung des Endes der epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag und Verkündigung im Bundesgesetzblatt oder spätestens mit Ablauf des 31. März 2021 gilt, dürfen im Rahmen des Entlassmanagements auch Packungen bis zur N3-Kennzeichnung abgegeben werden:

§ 1 Abs. 2 SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung

„(2) Abweichend von § 39 Absatz 1a Satz 8 erster Halbsatz des Fünften Buches Sozialgesetzbuch dürfen Krankenhäuser bei der Verordnung eines Arzneimittels eine Packung bis zum größten Packungsgrößenkennzeichen gemäß der Packungsgrößenverordnung verordnen.“

Da in diesem Fall das Rezept für einen Mann ausgestellt wurde, gilt § 3b der AMVV nicht:

„(1) Die Höchstmenge der Verschreibungen von oral anzuwendenden Arzneimitteln, die die Wirkstoffe Acitretin, Alitretinoin oder Isotretinoin enthalten, darf für Frauen im gebärfähigen Alter je Verschreibung den Bedarf für 30 Tage nicht übersteigen.“

Die Abgabe der 60-Stück-N2-Packung ist daher richtig.

Ich gebe nur eine N1-Packung ab, da auf einem Entlassrezept nur die Menge bis zum kleinsten Normkennzeichen abgegeben werden darf.

Diese Antwort ist falsch.

Bis die Feststellung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite durch den Deutschen Bundestag aufgehoben wird und dies im Bundesgesetzblatt bekannt gemacht worden ist (oder spätestens mit Ablauf des 31. März 2021), gilt die die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung. In dieser Verordnung ist es Krankenhäusern erlaubt, Packungen bis zum größten Normkennzeichen zu verordnen:

§ 1 Abs. 2 SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung

„(2) Abweichend von § 39 Absatz 1a Satz 8 erster Halbsatz des Fünften Buches Sozialgesetzbuch dürfen Krankenhäuser bei der Verordnung eines Arzneimittels eine Packung bis zum größten Packungsgrößenkennzeichen gemäß der Packungsgrößenverordnung verordnen.“

Da das Arzneimittel für einen Mann verordnet wurde, gelten die gesetzlichen Einschränkungen nach § 3b AMVV nicht:

„(1) Die Höchstmenge der Verschreibungen von oral anzuwendenden Arzneimitteln, die die Wirkstoffe Acitretin, Alitretinoin oder Isotretinoin enthalten, darf für Frauen im gebärfähigen Alter je Verschreibung den Bedarf für 30 Tage nicht übersteigen.“

Die Abgabe der 60-Stück-N2-Packung ist daher richtig.

Ich gebe nur eine 30-Stück-Packung (N1) ab, da die Höchstmenge der Verschreibungen von oral anzuwendenden Arzneimitteln, die die Wirkstoffe Acitretin, Alitretinoin oder Isotretinoin enthalten, auf einen Bedarf bis zu 30 Tagen beschränkt ist.

Diese Antwort ist falsch.

Richtig ist, dass nach § 3b AMVV die Menge auf den Bedarf für 30 Tage beschränkt ist. Dies gilt jedoch nur für Frauen im gebärfähigen Alter. Da das Arzneimittel in diesem Fall für einen Mann verordnet wurde, können auch Mengen darüber hinaus verordnet und abgegeben werden. Außerdem gilt zurzeit die SARS-CoV-2-AMVersVO. Demnach dürfen abweichend von § 39 Abs. 1a Satz 8 erster Halbsatz des Fünften Buches Sozialgesetzbuch Krankenhäuser bei der Verordnung eines Arzneimittels eine Packung bis zum größten Packungsgrößenkennzeichen gemäß der Packungsgrößenverordnung verordnen. Die Abgabe der 60-Stück-Packung (N2) ist daher korrekt.

Erklärung

Die Vorgabe des § 3b AMVV gilt nur für Frauen im gebärfähigen Alter, sodass eine Begrenzung auf den Bedarf von 30 Tagen für Verordnungen für einen Mann nicht zutrifft.

§ 3b AMVV

„(1) Die Höchstmenge der Verschreibungen von oral anzuwendenden Arzneimitteln, die die Wirkstoffe Acitretin, Alitretinoin oder Isotretinoin enthalten, darf für Frauen im gebärfähigen Alter je Verschreibung den Bedarf für 30 Tage nicht übersteigen.“

Im Regelfall sind Mengen auf einem Entlassrezept auf Mengen bis zum kleinsten Normkennzeichen begrenzt. Da zurzeit jedoch die Regeln der SARS-CoV-2-AMVersVO gelten, dürfen auf Entlassrezepten auch Mengen bis zum größten Normkennzeichen verordnet werden:

§ 1 Abs. 2 SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung

„(2) Abweichend von § 39 Absatz 1a Satz 8 erster Halbsatz des Fünften Buches Sozialgesetzbuch dürfen Krankenhäuser bei der Verordnung eines Arzneimittels eine Packung bis zum größten Packungsgrößenkennzeichen gemäß der Packungsgrößenverordnung verordnen.“

Daher ist in diesem Fall die Abgabe der verordneten und rabattierten N2-Packung zu 60 Stück Aknenormin korrekt.