Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Günstigster Vergleichs-VK mit Festbetrag

Selbst eindeutige Verordnungen werfen oft Fragen auf: Wie war nochmal die korrekte Belieferung, wenn kein Rabattvertrag zu beachten ist? Darf ein Produkt abgegeben werden, das im Vergleichs-VK teurer als das namentlich verordnete ist? Oder muss man das sogar, wenn es sich um einen Import handelt? Kann man dem Patienten Mehrkosten zumuten, wenn es auch Alternativen unterhalb des Festbetrags gibt? Im Folgenden möchten wir von Ihnen wissen, für welche Abgabe Sie sich aus welchem Grund entscheiden würden.

Verordnet ist „Hypnorex 400 mg ret 100 St. N3 PZN 03961697“ zulasten der BARMER (IK 108433180).

Ein Blick in die Taxe zeigt, dass kein Rabattartikel vorrangig abzugeben ist.

Das verordnete Original ist im Vergleichs-VK das günstigste Präparat. Allerdings muss der Patient hier Mehrkosten in Höhe von 20,32 Euro zahlen. Für die Importe von EMRAmed, EurimPharm und kohlpharma zahlt der Patient keine Mehrkosten.

Die Lösung zur Frage:
Aus welchem Grund entscheiden Sie sich zu welcher Abgabe?

Ich gebe das verordnete Original ab, da es im Vergleichs-VK das günstigste ist und dadurch die Preisgrenze setzt.

Diese Antwort ist falsch.

Es ist zwar richtig, dass das verordnete Original die Preisgrenze setzt, und es stimmt auch auch, dass nach § 13 Abs. 2 Satz 2 Rahmenvertrag kein teureres Präparat abgegeben werden darf:

„Es darf nur ein Fertigarzneimittel ausgewählt werden, das abzüglich der gesetzlichen Rabatte nicht teurer als das namentlich verordnete Fertigarzneimittel ist.“

In Satz 3 wird jedoch ein Ausnahmefall beschrieben, der hier zur Anwendung kommt, wenn bei einem Arzneimittel Mehrkosten für den Patienten entstehen, es aber aufzahlungsfreie Alternativen gibt:

„Hiervon ausgenommen ist der Fall, dass für dieses Mehrkosten durch den Versicherten geleistet werden müssen, aber aufzahlungsfreie Fertigarzneimittel zur Verfügung stehen; diese sind in diesem Fall bevorzugt abzugeben. Überschreitet der Abgabepreis sämtlicher zur Auswahl stehenden Fertigarzneimittel den Festbetrag, ist ein Fertigarzneimittel mit einer möglichst geringen Aufzahlung für den Versicherten auszuwählen.“

Ich gebe einen der Importe ohne Mehrkosten ab.

Diese Antwort ist korrekt.

Nach § 13 Abs. 2 Rahmenvertrag gilt:

„Es darf nur ein Fertigarzneimittel ausgewählt werden, das abzüglich der gesetzlichen Rabatte nicht teurer als das namentlich verordnete Fertigarzneimittel ist. Hiervon ausgenommen ist der Fall, dass für dieses Mehrkosten durch den Versicherten geleistet werden müssen, aber aufzahlungsfreie Fertigarzneimittel zur Verfügung stehen; diese sind in diesem Fall bevorzugt abzugeben. Überschreitet der Abgabepreis sämtlicher zur Auswahl stehenden Fertigarzneimittel den Festbetrag, ist ein Fertigarzneimittel mit einer möglichst geringen Aufzahlung für den Versicherten auszuwählen.“

Ich gebe einen beliebigen Import ab, damit das Einsparziel erreicht werden kann.

Diese Antwort ist falsch.

In diesem Fall kann mit einer Importabgabe nichts für das Einsparziel getan werden, da keiner der Importe den Preisabstand nach § 2 Abs. 8 Rahmenvertrag erfüllt. Es gilt eine andere Abgaberegelung nach Rahmenvertrag, die die Abgabe eines mehrkostenfreien Arzneimittels vorschreibt.

Erklärung

Ist kein Rabattartikel vorrangig abzugeben, dann kann nach § 13 Abs. 2 Rahmenvertrag bis zur Preisgrenze, die durch die Verordnung gesetzt wird, jeder Import oder das Original abgegeben werden.

13 Abs. 2 Rahmenvertrag

„Es darf nur ein Fertigarzneimittel ausgewählt werden, das abzüglich der gesetzlichen Rabatte nicht teurer als das namentlich verordnete Fertigarzneimittel ist. […]“

Auch wenn das verordnete Arzneimittel im Vergleichs-VK das Preisgünstigste ist, ist die Abgabe aufgrund der erforderlichen Mehrkostenzahlung für den Patienten nicht die richtige Abgabe.

Liest man diesen Absatz 2 weiter, gelangt man zur korrekten Lösung unseres Novemberrätsels:

13 Abs. 2 Rahmenvertrag

„[…] Hiervon ausgenommen ist der Fall, dass für dieses Mehrkosten durch den Versicherten geleistet werden müssen, aber aufzahlungsfreie Fertigarzneimittel zur Verfügung stehen; diese sind in diesem Fall bevorzugt abzugeben. Überschreitet der Abgabepreis sämtlicher zur Auswahl stehenden Fertigarzneimittel den Festbetrag, ist ein Fertigarzneimittel mit einer möglichst geringen Aufzahlung für den Versicherten auszuwählen.“

Daher kann nur ein Import ohne Mehrkostenzahlung für den Patienten abgegeben werden.

Für das persönliche Einsparziel kann in diesem Fall nichts getan werden, da keiner der Importe den erforderlichen Preisabstand nach § 2 Abs. 8 Rahmenvertrag erfüllt.