Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Miglustat – welche Arzneimittel dürfen abgegeben werden?

In der Apotheke wird ein Rezept zulasten der IKK classic (IK 108001963) vorgelegt.
Verordnet wurde „Miglustat Accord 100 mg Hartkapseln 84 St. N2 ACCOR PZN 14281646“.

Ein Blick in die Apotheken-EDV zeigt, dass bei der IKK classic sowohl das Produkt von Accord als auch Produkte drei weiterer Hersteller rabattiert sind. Die rabattierten Produkte haben alle einen unterschiedlichen Vergleichs-VK. Die Apotheke hat das verordnete Arzneimittel an Lager.

Die Lösung zur Frage:
Welche Aussage zum Umgang mit dieser Situation ist richtig?

Die verordnete Packung kann abgegeben werden, weil sie unter den vier preisgünstigsten Arzneimitteln ist.

Diese Antwort ist falsch.

Zwar gehört Miglustat Accord zu den vier preisgünstigsten Arzneimitteln, jedoch ist dies nicht ausschlaggebend dafür, ob das Arzneimittel abgegeben werden darf.

Die verordnete Packung kann abgegeben werden, da unter den rabattierten Produkten frei gewählt werden darf.

Diese Antwort ist richtig.

Das verordnete Arzneimittel darf abgegeben werden, da unter den rabattierten Arzneimitteln frei gewählt werden darf.

Die verordnete Packung darf nicht abgegeben werden, da der Vergleichs-VK höher liegt als der der anderen rabattierten Packungen.

Diese Antwort ist falsch.

Der Vergleichs-VK hat auf die Auswahl des geeigneten rabattierten Arzneimittels keinen Einfluss.

Erklärung

Zielsetzung von Rabattverträgen ist, die Qualität der Versorgung zu verbessern und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Im Rahmen der Rezeptbelieferung ist die Apotheke angehalten, vorrangig ein Rabattarzneimittel abzugeben (es sei denn, der Arzt hat das Aut-idem-Kreuz gesetzt).

Nach § 11 Abs. 3 Rahmenvertrag darf bei mehreren verfügbaren Rabattartikeln frei gewählt werden:

11 Abs. 3 Rahmenvertrag

„Treffen die Voraussetzungen nach Satz 1 bei einer Krankenkasse für mehrere rabattbegünstigte Arzneimittel zu, kann die Apotheke unter diesen frei wählen.“

Da Apotheken die Höhe der gewährten Rabatte nicht kennen, kann auch keine wirtschaftliche Auswahl unter den Rabattarzneimitteln getroffen werden. Die Abgabe eines rabattierten Arzneimittels ist damit immer wirtschaftlich. Preisanker, die durch das verordnete Arzneimittel gesetzt wurden, müssen bei der Auswahl eines geeigneten rabattierten Arzneimittels nicht beachtet werden. Erst wenn eine Abgabe eines Rabattarzneimittels nicht in Frage kommt (z. B. aufgrund von Nichtverfügbarkeit), ist bei der weiteren Abgaberangfolge der Preisanker zu beachten. Nach § 12 Abs. 1 Rahmenvertrag darf dann das abzugebende Fertigarzneimittel nicht teurer als das verordnete sein. Auch der Vergleichs-VK ist bei der Auswahl eines Rabattartikels nicht relevant. Dieser wird z. B. zur Beurteilung eines preisgünstigen Importes oder zur Beurteilung der vier Preisgünstigsten herangezogen.

Daher dürfen Sie das verordnete und rabattierte Miglustat von Accord abgeben.

Bei Arzneimitteln dieser Preisklasse sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass alle Rezeptformalien erfüllt werden.