Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Movicol-Medizinprodukt auf BtM-Rezept – wie gehen Sie vor?

Ein Patient legt in der Apotheke ein BtM-Rezept vor, auf dem nur das Medizinprodukt Movicol Beutel verordnet ist. Er bekommt zusätzlich auch Oxycodon, aber dafür hat er dieses Mal kein Rezept erhalten, da er noch ausreichend versorgt ist.

Die Lösung zur Frage:
Wie gehen Sie vor?

Sie geben das Movicol nicht ab, da es sich bei der verordneten Packungsgröße um eine nicht erstattungsfähige Jumbopackung handelt.

Diese Antwort ist falsch.

Bei einem Arzneimittel mit dem Wirkstoff Macrogol würde es sich bei der 100er-Packung um eine Jumbopackung handeln, die nicht zulasten einer GKV abgegeben werden dürfte. Bei Medizinprodukten gelten die Vorgaben der PackungsV nicht, theoretisch dürfte eine 100er-Packung des verordneten Movicol-Medizinproduktes also auf ein Kassenrezept abgegeben werden. In diesem Fall ist aber die Form der Verordnung ausschlaggebend: Ein Nicht-BtM darf nicht alleine auf einem BtM-Rezept verordnet werden.

Sie geben das Movicol ab, da Sie sich vergewissert haben, dass der Patient gleichzeitig eine Opioidtherapie erhält und dies die Vorgabe für die Verordnungsfähigkeit des verordneten Medizinproduktes ist.

Diese Antwort ist falsch.

Laut Anlage V der Arzneimittel-Richtlinie des G-BA kann das verordnete Medizinprodukt in den folgenden Indikationen zulasten einer GKV verordnet werden:

MOVICOL®

Für Patienten ab dem vollendeten 12. Lebensjahr zur Behandlung der Obstipation nur in Zusammenhang mit Tumorleiden, Megacolon (mit Ausnahme des toxischen Megacolons), Divertikulose, Divertikulitis, Mukoviszidose, neurogener Darmlähmung, bei phosphatbindender Medikation bei chronischer Niereninsuffizienz, Opiat- sowie Opioidtherapie und in der Terminalphase.

Für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen im Alter von 12 Jahren bis zum vollendeten 18. Lebensjahr zur Behandlung der Obstipation.

26. Mai 2024

Tabelle: Auszug aus Anlage V der AM-RL des G-BA

Allerdings darf ein Nicht-BtM nicht alleine auf einem BtM-Rezept verordnet werden, daher ist diese Antwort falsch.

Sie geben das Movicol nicht auf dieses Rezept ab, da es kein BtM ist und nicht alleine auf einem BtM-Rezept verordnet werden darf. Der Patient benötigt eine neue Verordnung auf einem normalen Kassenrezept.

Diese Antwort ist korrekt.

Zwar ist das verordnete Movicol gemäß Anlage V der AM-RL des G-BA erstattungs- und verordnungsfähig, doch es darf nicht alleine auf einem BtM-Rezept verordnet werden. Dies ist § 8 Abs. 1 der BtMVV zu entnehmen:

§ 8 Betäubungsmittelrezept
„(1) Betäubungsmittel für Patienten, den Praxisbedarf und Tiere dürfen nur auf einem dreiteiligen amtlichen Formblatt (Betäubungsmittelrezept) verschrieben werden. Das Betäubungsmittelrezept darf für das Verschreiben anderer Arzneimittel nur verwendet werden, wenn dies neben der eines Betäubungsmittels erfolgt. Die Teile I und II der Verschreibung sind zur Vorlage in einer Apotheke, im Falle des Verschreibens von Diamorphin nach § 5a Absatz 1 zur Vorlage bei einem pharmazeutischen Unternehmer, bestimmt, Teil III verbleibt bei dem Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt, an den das Betäubungsmittelrezept ausgegeben wurde.“

Auf einem BtM-Rezept dürfen Nicht-BtM nur dann verordnet werden, wenn dies zusammen mit einem BtM erfolgt. Daher brächte der Patient ins diesem Fall ein neues Kassenrezept über Movicol.

Erklärung

Der Patient legt in diesem Fall ein BtM-Rezept vor, auf dem mit Movicol ausschließlich ein Nicht-BtM verordnet wurde.

Laut § 8 Abs. 1 der BtMVV gilt:

8 Betäubungsmittelrezept

„(1) Betäubungsmittel für Patienten, den Praxisbedarf und Tiere dürfen nur auf einem dreiteiligen amtlichen Formblatt (Betäubungsmittelrezept) verschrieben werden. Das Betäubungsmittelrezept darf für das Verschreiben anderer Arzneimittel nur verwendet werden, wenn dies neben der eines Betäubungsmittels erfolgt. Die Teile I und II der Verschreibung sind zur Vorlage in einer Apotheke, im Falle des Verschreibens von Diamorphin nach § 5a Absatz 1 zur Vorlage bei einem pharmazeutischen Unternehmer, bestimmt, Teil III verbleibt bei dem Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt, an den das Betäubungsmittelrezept ausgegeben wurde.“

Dementsprechend dürfen Nicht-BtM nur dann auf einem BtM-Rezept verordnet werden, wenn dies zusammen mit einem BtM erfolgt. Allein die Tatsache, dass der Patient bereits ein BtM einnimmt, dieses aber in diesem Vorgang nicht verordnet wurde, erlaubt nicht die alleinige Verordnung von Movicol. Der Patient müsste also zurück zum Arzt, damit dieser das Movicol auf einem normalen Muster-16-Kassenrezept verordnet.

Grundsätzlich ist das verordnete Movicol-Medizinprodukt nach Anlage V der AM-RL des G-BA für Patienten ab dem vollendeten 12. Lebensjahr zur Behandlung der Obstipation nur in Zusammenhang mit Tumorleiden, Megacolon (mit Ausnahme des toxischen Megacolons), Divertikulose, Divertikulitis, Mukoviszidose, neurogener Darmlähmung, bei phosphatbindender Medikation bei chronischer Niereninsuffizienz, Opiat- sowie Opioidtherapie und in der Terminalphase verordnungs- und erstattungsfähig. Für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen im Alter von 12 Jahren bis zum vollendeten 18. Lebensjahr kann es zur Behandlung der Obstipation verordnet werden (befristet bis: 26.05.2024).