Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
MTX-Rezept: Ist die Abgabe des verordneten Arzneimittels bei Pharmazeutischen Bedenken erlaubt?

Eine Kundin löst das oben dargestellte Rezept zulasten der Techniker Krankenkasse bei Ihnen ein. Als Rabattarzneimittel wird Trexject angezeigt. Die Kundin ist jedoch auf das verordnete Präparat Nordimet eingestellt und mit dem Wechsel auf ein anderes Präparat sowie der anderen Handhabung überfordert. Deshalb entscheiden Sie sich, Pharmazeutische Bedenken anzuwenden.

Die Lösung zur Frage:
Dürfen Sie das verordnete Arzneimittel bei Pharmazeutischen Bedenken abgeben?

Nein, als Alternative zum Rabattarzneimittel darf nur eines der drei preisgünstigsten Arzneimittel abgegeben werden.

Diese Antwort ist falsch.

Mittlerweile stehen laut § 12 Rahmenvertrag die vier – und nicht die drei – preisgünstigsten Arzneimittel zur Auswahl. Zudem muss die Apotheke bei Pharmazeutischen Bedenken gegen das Rabattarzneimittel zwar zunächst prüfen, ob eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel in Frage kommt, darf ansonsten aber auch das preisgünstigste Arzneimittel abgeben, gegen das keine Bedenken bestehen. Der Preisanker darf dabei nicht überschritten werden.

Ja, da es – nach Durchlaufen der Abgaberangfolge gemäß Rahmenvertrag – das preisgünstigste Arzneimittel ist, gegen das keine Bedenken bestehen.

Diese Antwort ist korrekt.

Bestehen Bedenken gegen ein Rabattarzneimittel, muss die Apotheke zunächst prüfen, ob eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel zur Abgabe in Frage kommt. Ist das nicht der Fall, darf die Apotheke grundsätzlich das preisgünstigste Arzneimittel abgeben, gegen das keine Bedenken bestehen. Der Preisanker darf dabei nicht überschritten werden.

Ja, aber nur, weil es zu den vier preisgünstigsten Arzneimitteln gehört. Ansonsten darf das namentlich verordnete Arzneimittel nicht mehr abgegeben werden.

Diese Antwort ist falsch.

Bestehen Bedenken gegen ein Rabattarzneimittel, muss die Apotheke zwar zunächst prüfen, ob eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel zur Abgabe in Frage kommt. Ist das nicht der Fall, darf die Apotheke aber grundsätzlich das preisgünstigste Arzneimittel abgeben, gegen das keine Bedenken bestehen. Der Preisanker darf dabei nicht überschritten werden.

Erklärung

Bestehen Bedenken gegen ein Rabattarzneimittel, muss die Apotheke zunächst prüfen, ob eines der vier preisgünstigsten Arzneimittel zur Abgabe in Frage kommt. Ist das nicht der Fall, darf die Apotheke grundsätzlich das preisgünstigste Arzneimittel abgeben, gegen das keine Bedenken bestehen. Der Preisanker darf dabei nicht überschritten werden.

Das Vorgehen bei Pharmazeutischen Bedenken ergibt sich aus § 14 Abs. 3 Rahmenvertrag:

14 Abs. 3 Rahmenvertrag

„In Fällen des § 17 Absatz 5 Apothekenbetriebsordnung (sonstige Bedenken, z. B. pharmazeutische Bedenken) hat die Apotheke diese auf dem Arzneiverordnungsblatt zu konkretisieren und das vereinbarte Sonderkennzeichen aufzutragen. Sofern mehrere pharmazeutische Mitarbeiter das Arzneiverordnungsblatt bearbeitet haben, sind die pharmazeutischen Bedenken separat abzuzeichnen. Bei der Auswahl des abzugebenden Fertigarzneimittels sind die Abgaberegeln nach den §§ 11, 12 und 13 zu beachten. Hierbei sind nur solche Arzneimittel zu berücksichtigen, gegen die die pharmazeutischen Bedenken nicht bestehen.

Je nachdem, ob Bedenken gegen das Rabattarzneimittel oder Bedenken gegen das Rabattarzneimittel und die vier preisgünstigsten Arzneimittel bestehen, wird ein anderer Faktor zur Sonder-PZN aufgedruckt:

  • Bedenken gegen das Rabattarzneimittel: Sonder-PZN 02567024 + Faktor 8
  • Bedenken gegen das Rabattarzneimittel und die vier Preisgünstigsten: Sonder-PZN 02567024 + Faktor 9

Zusätzlich ist kurz auf dem Rezept zu vermerken, warum der Austausch auf ein anderes Arzneimittel kritisch gesehen wird. Die Begründung wird dann abgezeichnet.

Hintergrund zu MTX

Methotrexat (MTX) ist ein Arzneimittel mit einem hohen Nebenwirkungspotential. Das Zytostatikum wird zum einen bei Krebserkrankungen eingesetzt, zum anderen aber auch zur Behandlung schwerer Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis. Je nach Indikation unterscheidet sich die Dosierung: Während MTX zur parenteralen Anwendung bei Autoimmunerkrankungen nur 1-mal wöchentlich angewendet wird, sind bei Krebserkrankungen in der Regel höhere Dosierungen erforderlich. Bei versehentlicher Überdosierung kann es zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tod kommen. Deshalb ist die Beratung der Patienten in der Apotheke von großer Bedeutung.