Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Preisankerüberschreitung bei Nichtverfügbarkeit

Verordnet ist „Levetiracetam Holsten 250 mg Filmtabletten 200 N3“ zulasten einer GKV. Leider ist in Ihrer Apotheke weder der Rabattartikel noch ein Artikel unterhalb des Preisankers lieferbar. Nur ein Keppra-Import ist noch an Lager.

Die Lösung zur Frage:
Wie können Sie vorgehen, um den Patienten zeitnah mit seinem Medikament zu versorgen?

Ich gebe den vorhandenen Keppra-Import ab, bringe die Sonder-PZN mit Faktor 4 für Nichtverfügbarkeit auf und archiviere die Nichtverfügbarkeitsanfragen.

Diese Antwort ist korrekt.

Im letzten Monat konnten sich der DAV und der GKV-Spitzenverband darauf einigen, dass bei Überschreiten des Preisankers in Fällen der Nichtverfügbarkeit (§ 14 Absatz 1 Rahmenvertrag) und in Fällen der Akutversorgung (§ 14 Absatz 2 Rahmenvertrag) keine vorherige Rücksprache mit dem Arzt erforderlich ist.

Ich bestelle den Rabattartikel, notiere die Telefonnummer des Patienten und sage ihm, dass ich mich melde, sobald der Artikel wieder lieferbar ist.

Diese Antwort ist falsch.

Dieses Vorgehen wäre möglich, wenn der Patient noch etwas auf seine Tabletten warten kann. Um den Patienten zeitnah mit den benötigten Tabletten zu versorgen, kann der Patient aufgrund der Nichtverfügbarkeit der Rabattartikel und der preisgünstigen Alternativen mit dem vorhandenen Keppra-Import beliefert werden, auch wenn der Preis oberhalb des vom Arzt gesetzten Preisankers liegt.

Ich muss zunächst den Arzt anrufen, ihn über die Lieferprobleme informieren und fragen, ob er mit der Abgabe eines teureren Produktes einverstanden ist.

Diese Antwort ist falsch.

Ein Anruf beim Arzt ist in diesem Fall nicht mehr erforderlich:
Der GKV Spitzenverband und der DAV haben sich im letzten Monat darauf einigen können, dass eine Preisankerüberschreitung aufgrund von Lieferproblemen keine telefonische Rücksprache mit dem Arzt erfordert.

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Im letzten Monat konnten sich der DAV und der GKV-Spitzenverband darauf einigen, dass bei Überschreiten des Preisankers in Fällen der Nichtverfügbarkeit (§ 14 Absatz 1 Rahmenvertrag) und in Fällen der Akutversorgung (§ 14 Absatz 2 Rahmenvertrag) keine vorherige Rücksprache mit dem Arzt erforderlich ist.

Dies gilt sowohl für den Generikamarkt als auch für den Importmarkt. Die Apotheke muss die Preisankerüberschreitung jedoch dokumentieren:  Bei Nichtverfügbarkeit ist auf der Verordnung das Sonderkennzeichen und der jeweiligen Faktor aufzubringen. Außerdem muss die Nichtverfügbarkeit durch zwei Verfügbarkeitsanfragen beim pharmazeutischen Großhandel, die im direkten zeitlichen Zusammenhang mit der Vorlage der Verordnung stehen, nachgewiesen werden.

In der Akutversorgung muss zusätzlich zur Sonder-PZN und passendem Faktor ein Vermerk aufgebracht und dieser mit Datum und Kürzel abgezeichnet werden.

Die Apotheke darf daher das verfügbare Produkt, auch wenn es oberhalb des Preisankers liegt, ohne ärztliche Rücksprache abgeben.