Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Gabapentin 300 St. N3 – was ist die korrekte und wirtschaftliche Abgabe?

Eine Patientin legt Ihnen ein Rezept zulasten der Techniker Krankenkasse (IK 104077501) über „Gabapentin-1A Pharma 100 mg Hartkapseln 300 Stück N3“ vor.

In der Taxe finden Sie folgende Informationen: Eine Packung mit 300 Stück gibt es nicht, im Handel befindliche N3-Packungen enthalten 200 Kapseln und zusätzlich gibt es N2-Packungen mit 100 Stück. Die verordnete Firma ist nicht rabattiert, es gibt aber sowohl in N2 als auch in N3 rabattierte Packungen.

Die Lösung zur Frage:
Was geben Sie ab?

Sie geben eine rabattierte N2-Packung zu 100 Stück und eine rabattierte N3-Packung zu 200 Stück ab und kommen so auf die verordnete Menge von 300 Stück.

Diese Antwort ist falsch.

Zwar geben Sie die wirtschaftlichen Rabattartikel ab, allerdings überschreitet die verordnete Menge den für diesen Wirkstoff vorgegebenen Nmax-Bereich. Da es sich um eine reine Stückzahlverordnung handelt, muss hier § 6 (3) des Rahmenvertrags berücksichtigt werden.

Die Menge von 300 Stück passt zwar nicht zu der N3-Größe, ist aber ausschlaggebend. Da 300 Stück jedoch den N3-Bereich überschreiten, kürzen Sie die verordnete Menge auf eine N3-Packung mit 200 Stück und geben einen Rabattartikel ab. Zusätzlich informieren Sie den Arzt über die Mengenkürzung.

Diese Antwort ist korrekt.

Wenn verordnete Stückzahl und N-Bezeichnung nicht zueinander passen, ist nach § 4 Absatz 1c des Rahmenvertrags die verordnete Menge maßgeblich. Da diese Menge den Nmax-Bereich nach PackungsV überschreitet, es sich aber nicht um ein Vielfaches davon handelt, ist nach § 6 (3) des Rahmenvertrags nur die Abgabe einer Packung des Nmax-Bereichs, also einer N3-Packung zulässig. Diese muss dann von einem Rabattpartner ausgewählt werden. Da der Patient aber nicht die komplette verordnete Menge erhält, ist eine Information des Arztes über die Mengenkürzung empfehlenswert.

Sie halten Rücksprache mit dem Arzt und nehmen folgende Mengenänderung selbst vor: „Nach Rücksprache 1 x N2 100 St. und 1 x N3 200 St.“, zeichnen diese mit Datum und Kürzel ab und versorgen den Patienten mit den jeweiligen Rabattarzneimitteln.

Diese Antwort ist falsch.

Die auf einem Rezept angegebene Menge darf nur vom Arzt, nicht aber von der Apotheke nach Rücksprache mit dem Arzt korrigiert werden. Dies sehen die Heilungsmöglichkeiten, die in § 3 des Rahmenvertrags sowie im Ersatzkassenvertrag vereinbart sind, nicht vor. Soll der Patient mit der verordneten Menge von 300 Stück versorgt werden, muss der Arzt eindeutig eine N2-Packung mit 100 Stück sowie eine N3-Packung mit 200 Stück verordnen.

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Bei dieser Verordnung über „Gabapentin-1A Pharma 100 mg Hartkapseln 300 Stück N3“ passt die verordnete Menge nicht zur angegebenen Normgröße. Daher ist nach Rahmenvertrag die angegebene Stückzahl von 300 Stück maßgeblich. Es handelt es sich dann um eine Stückzahlverordnung, die verordnete Gesamtmenge liegt oberhalb des Nmax-Bereichs für Gabapentin, ohne ein Vielfaches davon zu sein:

Da keine Verordnung über eindeutig bestimmte Packungsgrößen vorliegt, sondern eine „unbestimmte“ Stückzahlverordnung, muss die Rezeptbelieferung unter Berücksichtigung von § 6 (3) des Rahmenvertrags erfolgen:

6 (3) Rahmenvertrag

Überschreitet die nach Stückzahl verordnete Menge die größte für das Fertigarzneimittel festgelegte Messzahl, ist nur die nach der geltenden Packungsgrößenverordnung aufgrund der größten Messzahl bestimmte größte Packung oder ein Vielfaches dieser Packung, jedoch nicht mehr als die verordnete Menge abzugeben. Ein Vielfaches der größten Packung darf nur abgegeben werden, soweit der Vertragsarzt durch einen besonderen Vermerk auf die Abgabe der verordneten Menge hingewiesen hat.

Demnach ist es nicht erlaubt, auf die vorliegende Verordnung eine Stückelung aus einer N2-Packung zu 100 Stück sowie einer N3-Packung zu 200 Stück vorzunehmen. Stattdessen darf nur eine Packung des Nmax-Bereichs, also eine N3 zu 200 Stück abgegeben werden. Dabei muss natürlich die Abgabe eines rabattierten Arzneimittels erfolgen. Da hierbei die Menge reduziert wird, empfiehlt sich eine Information des Arztes.

Würde eine eindeutige Verordnung bestimmter Packungsgrößen vorliegen („Gabapentin-1A Pharma 100 mg Hartkapseln 200 Stück N3 PZN 04791352; Gabapentin-1A Pharma 100 mg Hartkapseln 100 Stück N2 PZN 04170644“), so wäre die Abgabe der insgesamt verordneten 300 Stück (in Form von Rabattarzneimitteln) erlaubt. Da bei dieser Verordnung § 6 (3) keine Regelung vorsieht, käme § 3 (1) Nr. 7e des Rahmenvertrags zum Tragen:

3 (1) Nr. 7e Rahmenvertrag

Der Vergütungsanspruch des Apothekers entsteht trotz nicht ordnungsgemäßer vertragsärztlicher Verordnung oder Belieferung dann, wenn […]

es sich um einen unbedeutenden, die Arzneimittelsicherheit und die Wirtschaftlichkeit der Versorgung nicht wesentlich tangierenden, insbesondere formalen Fehler handelt. Dies ist insbesondere der Fall, wenn […]

7. bezogen auf den Rahmenvertrag [...]
e. die Apotheke bei einer Verordnung, für die § 6 dieses Vertrages keine Regelung enthält, unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit und des Vorranges der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel Packungen bis zu der vom Arzt insgesamt verordneten Menge abgibt (§ 31 Absatz 4 SGB V); […]

Allerdings kann die Apotheke diese Änderung an der Mengenangabe nicht selbst vornehmen, da dies nicht zu den Rezeptteilen gehört, die die Apotheke nach Rücksprache mit dem Arzt heilen darf. Wünscht der Arzt also eine Abgabe von 300 Stück, so müsste er ein neues, eindeutiges Rezept über eine N2- sowie eine N3-Packung ausstellen.