Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Die „Pille danach“ zulasten der GKV?

Ihnen wird oben dargestelltes Kassenrezept für eine 19-jährige Frau vorgelegt.

Verordnet ist Postinor, also eine „Pille danach“.

Die Lösung zur Frage:
Darf das apothekenpflichtige Arzneimittel zulasten der GKV abgerechnet werden? Welche Aussage ist hier zutreffend?

Das Arzneimittel Postinor darf grundsätzlich nicht zulasten der GKV abgerechnet werden.

Diese Antwort ist falsch.

Das Notfallkontrazeptivum Postinor ist nicht verschreibungspflichtig und darf grundsätzlich auch ohne Rezept abgegeben werden. Verordnet jedoch ein Arzt eine „Pille danach“ auf einem Kassenrezept, wird diese bis zum Alter von 20 Jahren erstattet.

Das Arzneimittel Postinor darf nur bis zum Alter von 18 Jahren zulasten der GKV abgerechnet werden.

Diese Antwort ist falsch.

Verordnet ein Arzt eine „Pille danach“, wie z. B. Postinor, auf einem Kassenrezept, dann wird diese bis zum Alter von 20 Jahren erstattet. Ab dem 18. Geburtstag muss die Anwenderin jedoch die Zuzahlung leisten.

Das Arzneimittel Postinor darf wie verordnet zulasten der GKV abgerechnet werden.

Diese Antwort ist richtig.

Die „Pille danach“ darf – wie andere Kontrazeptiva auch – nach § 24a SGB V bis zum 20. Geburtstag auf Kassenrezept verordnet und demnach auch abgerechnet werden.

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Die „Pille danach“ kann seit 2015 rezeptfrei in der Apotheke erworben werden. In bestimmten Fällen ist aber auch die Abgabe zulasten der GKV möglich.

Nach § 24a SGBV haben gesetzlich Versicherte bis zum vollendeten 20. Lebensjahr (also bis zum 20. Geburtstag) Anspruch auf eine Versorgung mit verschreibungspflichtigen, empfängnisverhütenden Mitteln. Dies gilt entsprechend auch für nicht verschreibungspflichtige Notfallkontrazeptiva, sofern sie ärztlich verordnet werden.

24a Empfängnisverhütung SGB V Absatz 2

„(2) Versicherte bis zum vollendeten 20. Lebensjahr haben Anspruch auf Versorgung mit verschreibungspflichtigen empfängnisverhütenden Mitteln; § 31 Abs. 2 bis 4 gilt entsprechend. Satz 1 gilt entsprechend für nicht verschreibungspflichtige Notfallkontrazeptiva, soweit sie ärztlich verordnet werden; § 129 Absatz 5a gilt entsprechend.“

Voraussetzung für eine Abrechnung mit der GKV ist also eine ordnungsgemäß ausgestellte ärztliche Verordnung. Erstattet wird ein Notfallkontrazeptivum in diesem Fall bis zum 20. Geburtstag. Ab dem 18. Geburtstag muss die Anwenderin die gesetzliche Zuzahlung leisten, sofern sie keinen Befreiungsausweis besitzt. Ist die Anwenderin bereits über 20 Jahre alt, muss das Notfallkontrazeptivum privat gezahlt werden. Im vorliegenden Fall kann die Abgabe des Notfallkontrazeptivums Postinor auf Kassenrezept erfolgen.