Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Entlassmanagement: Darf die N2-Packung abgegeben werden?

Ihnen wird fristgerecht oben dargestelltes Entlassrezept vorgelegt.

Es ist eine N2-Packung des Viani-Dosier­aerosols verordnet. Der N1-Bereich ist zwar laut Packungs­größen­verordnung definiert, aber eine entsprechende N1-Packung oder kleinere Packung ist nicht im Handel.

Die Lösung zur Frage:
Darf die verordnete N2-Packung zulasten der DAK-Gesundheit abgegeben werden?

Nein, im Entlassmanagement dürfen nur N1-Packungen oder kleinere Packungen abgegeben werden, wenn ein N1-Bereich definiert ist.

Diese Antwort ist leider falsch.

Im Rahmen des Entlassmanagements existieren noch weitere Regelungen hinsichtlich der Abgabe von Packungsgrößen.

Nein, da die Abgabe nur dann möglich wäre, wenn der Arzt die therapeutische Notwendigkeit der N2-Packung auf dem Rezept mit einem besonderen Vermerk bestätigt hätte. 

Diese Antwort ist falsch.

Das Aufbringen eines besonderen Vermerkes ist in diesem Fall nicht vorgesehen und notwendig.

Ja, die N2-Packung darf abgegeben werden, da diese die kleinste im Handel befindliche Packung ist. Dies muss auf dem Rezept vermerkt werden und die Sonder-PZN 06460731 aufgedruckt werden. 

Diese Antwort ist richtig.

Da es sich bei der N2-Packung um die kleinste im Handel befindliche Packungsgröße handelt, darf diese im Rahmen des Entlassmanagements zulasten einer Ersatzkasse abgegeben werden.

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Bei dem vorliegenden Kostenträger, der DAK-Gesundheit, handelt es sich um eine Ersatzkasse. Deshalb sind die Regelungen der Ergänzungsvereinbarung zum Arzneiversorgungsvertrag, die seit dem 1. Mai 2018 zu beachten sind, wirksam.

Im Rahmen des Entlassmanagements dürfen zwar grundsätzlich nur Packungen des kleinsten Normbereichs oder kleinere Packungen abgegeben werden, aber in der vdek-Ergänzungsvereinbarung ist folgende Zusatzregelung zu finden:

4 Abs. 14 vdek-Arzneiversorgungsvertrag

„Sind nur Packungen im Handel, deren Größe das kleinste definierte Packungsgrößenkennzeichen überschreitet, so stellt die Abgabe der kleinsten im Handel befindlichen Packung einen unbedeutenden Fehler nach § 3 Rahmenvertrag über die Arzneiversorgung nach § 129 Abs. 2 SGB V dar, der nicht zur Zurückweisung des Verordnungsblattes führt. Der Abgebende hat in diesen Fällen einen Vermerk und das vereinbarte Sonderkennzeichen 06460731 auf der Verordnung aufzutragen.“

Das heißt, die Abgabe der kleinsten im Handel befindlichen Packung (hier N2) führt nicht zu einer Retaxation und ist möglich. Es muss jedoch die genannte Sonder-PZN aufgetragen werden und auf dem Rezept vermerkt werden, dass die kleinste im Handel befindliche Packung abgegeben wurde. Die Ergänzung ist mit Datum und Unterschrift des Abgebenden abzuzeichnen.

Tipp

Sollte die Sonder-PZN noch nicht in der Software hinterlegt sein, empfiehlt es sich, diese handschriftlich aufzutragen.

Wichtig: Primärkassen-Arzneilieferverträge prüfen!

Primärkassen treffen gesonderte Arzneilieferverträge, die zudem bundeslandspezifisch sind. Deshalb ist es wichtig, zu prüfen, ob ebenfalls entsprechende Regelungen zum Entlassmanagement in den jeweiligen Arzneiliefervertrag aufgenommen wurden. Ist dies nicht der Fall, ist der bundesweit gültige Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung nach § 129 (2) SGB V zu beachten: Die oben dargestellte Verordnung der N2-Packung könnte dann entsprechend § 4 Abs. 2 der ergänzenden Bestimmungen zum Rahmenvertrag nicht beliefert werden.

4 Abs. 2 der ergänzenden Bestimmungen zum Rahmenvertrag […] im Rahmen des Entlassmanagements nach § 39 Abs. 1a SGB V

„Ist eine Arzneimittelpackung mit dem kleinsten Packungsgrößenkennzeichen, das gemäß Packungsgrößenverordnung bestimmt wurde, definiert, aber die entsprechende oder eine kleinere Packungsgröße nicht im Handel, kann keine Packung abgegeben werden.“