Lösung der Abgabe-Frage

Das Thema lautete:
Aufgedruckte PZN: Was darf abgegeben werden?

In der Apotheke wird Ihnen oben dargestelltes Rezept vorgelegt.

Ihnen fällt auf, dass die Menge der aufgedruckten PZN (100 St.) nicht mit der Menge des namentlich verordneten Arzneimittels (50 St.) übereinstimmt.

Die Lösung zur Frage:
Wie gehen Sie vor?

Abgabe des namentlich verordneten Allopurinol-Präparates unter Berücksichtigung der Rabattverträge.

Diese Antwort ist leider falsch.

Das namentlich verordnete Präparat hat keinen Vorrang vor der aufgedruckten PZN.

Rücksprache mit dem Arzt, da die PZN und das verordnete Präparat nicht übereinstimmen.

Diese Antwort ist richtig.

Es handelt sich um eine unklare Verordnung. Bevor eine Abgabe stattfinden kann, ist eine Rücksprache mit dem Arzt erforderlich.

Abgabe der Menge der aufgedruckten PZN, da diese immer Vorrang vor der namentlichen Verordnung hat. 

Diese Antwort ist leider falsch.

Die aufgedruckte PZN hat keinen Vorrang vor dem namentlich verordneten Arzneimittel. 

Erklärung

Auflösung der Abgabefrage des Monats

Seit dem 1. April 2018 drucken Ärzte automatisch bei jeder Verordnung die Pharmazentralnummer (PZN) mit auf das Rezept. Dies soll laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung unklare Verordnungen und Rückfragen aus der Apotheke vermindern. Die Vorgabe geht auf das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) aus dem Jahr 2006 zurück. Was aber ist zu tun, wenn die PZN und das verordnete Arzneimittel nicht übereinstimmen, wie in dem vorliegenden Fall?

Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um eine unklare Verordnung und es ist daher gemäß § 17 Abs. 5 ApBetrO Rücksprache mit dem Arzt zu halten:

17 Abs. 5 Apothekenbetriebsordnung

„Die abgegebenen Arzneimittel müssen den Verschreibungen und den damit verbundenen Vorschriften des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Arzneimittelversorgung entsprechen. Enthält eine Verschreibung einen für den Abgebenden erkennbaren Irrtum, ist sie nicht lesbar oder ergeben sich sonstige Bedenken, so darf das Arzneimittel nicht abgegeben werden, bevor die Unklarheit beseitigt ist. Der Apotheker hat jede Änderung auf der Verschreibung zu vermerken und zu unterschreiben oder im Falle der Verschreibung in elektronischer Form der elektronischen Verschreibung hinzuzufügen und das Gesamtdokument mit einer qualifizierten elektronischen Signatur zu versehen. Die Vorschriften der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung bleiben unberührt.“

Richtige Abgabe:

Passt die PZN nicht zum verordneten Arzneimittel, ist die Unklarheit in Rücksprache mit dem Arzt zu beseitigen und das Rezept zu korrigieren, bevor das Arzneimittel abgegeben wird. Die nachträglichen Vermerke auf dem Rezept müssen von der korrigierenden Person in der Apotheke abgezeichnet werden (Datum + Unterschrift).

PZN auf dem Rezept: Keine Prüfpflicht für die Apotheke

Apotheken sind übrigens nicht verpflichtet, zu prüfen oder sicherzustellen, dass die PZN auf dem Rezept angegeben ist. Dies ist weder in den gültigen Arzneimittellieferverträgen noch in der AMVV vorgesehen. Ein erhöhtes Retaxationsrisiko aufgrund einer fehlenden PZN besteht somit nicht. Dennoch werden aktuell vermehrt Probleme bei der Rezeptbelieferung im Zusammenhang mit der angegebenen PZN an das DeutscheApothekenPortal (DAP) herangetragen. 

Hintergrund

Seit 1. April 2018 wird nicht nur die PZN auf das Rezept gedruckt, die Ärzte müssen ihre Software auch monatlich aktualisieren – zuvor wurde quartalsweise aktualisiert. Spätestens ab dem 30. Juni 2020 soll die Aktualisierung alle 14 Tage erfolgen. Die Änderungen in der Arztsoftware gehen auf das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz aus dem Jahr 2006 zurück.