Therapieoptionen bei akuter Diarrhö

Die häufigste Ursache einer akuten Diarrhö sind Infektionen, aber auch Nahrungs­mittel­allergien, die Einnahme von Arznei­mitteln wie Antibiotika und Stress­situationen können Durchfall auslösen. In der Apotheke stehen verschiedene Behandlungs­möglichkeiten zur Verfügung, die Apotheker und PTA für das Beratungs­gespräch im Hinterkopf haben müssen.

Dies sind die Optionen in der Selbstmedikation im Überblick:

  1. Flüssigkeits- und Elektrolytersatz: Das dem Durchfall geschuldete Flüssigkeitsdefizit ist durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mind. 2 l/d) auszugleichen. Begleitend kann eine möglichst fettarme Ernährung Magen und Darm beruhigen.

    Durch Rehydratationslösungen werden dem Körper die wichtigen Salze zugeführt, die er durch die hohe Flüssigkeitsausscheidung bei einer akuten Diarrhö verloren hat. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern kann der Flüssigkeitsverlust lebensbedrohlich werden. Fruchtsäfte, Leitungswasser und Limonaden sind ungeeignet, um Elektrolyte zu ersetzen.

    ➔ Bevorzugte Behandlungsmethode für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende

  2. Sekretionshemmer wie Racecadotril hemmen den Einstrom von Wasser und Elektrolyten in den Darm und nehmen keinen direkten Einfluss auf die Motilität. Racecadotril sollte nicht länger als drei Tage eingenommen werden.

    ➔ Im Akutfall geeignet

  3. Motilitätshemmer mit dem Wirkstoff Loperamid werden bei starker, akuter Diarrhö ohne Blut im Stuhl eingesetzt. Die gesteigerte Darmmotilität wird normalisiert. Ohne ärztliche Untersuchung sollte die Einnahme nicht länger als 2 Tage andauern.

    ➔ Im Akutfall geeignet

  4. Probiotika / Hefelyophilisate: Mit der Zufuhr von Mikroorganismen wird versucht, die natürliche Darmflora aufrechtzuerhalten und damit die Darmfunktion zu normalisieren. Saccharomyces boulardii werden auch toxinbindende Eigenschaften zugesprochen.

    ➔ Empfehlenswert bei Reisediarrhö (auch zur Vorbeugung) und Diarrhöen, die durch eine Antibiotikaeinnahme hervorgerufen wurden

  5. Gerbstoffe (z. B. Tanninalbumat oder Extrakte aus Heidelbeeren, Brombeerblättern, Eichenrinde) besitzen eine schleimhautabdichtende und adstringierende Wirkung bei akuten Durchfällen.

  6. Adsorbentien binden Toxine an ihrer großen Oberfläche. Beispiele sind Kohle (Carbo medicinalis), Flohsamen, Pektin. Bei der Einnahme von Kohle ist auf die ausreichende Dosierung zu achten (drei- bis viermal täglich 1 g). Quellstoffe binden zusätzlich Wasser, verbessern dadurch die Stuhlkonsistenz und verlängern die Passagezeit. Bei Letzteren ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, um einen Darmverschluss zu vermeiden.

    Vorsicht: Wechselwirkungen mit anderen Arzneistoffen beachten!

  7. Cardenolid-Glykoside in Uzarawurzel führen zu einer Relaxation der glatten Muskeln des Magen-Darm-Trakts, der ableitenden Harnwege und des Uterus. Bei Durchfall führt die Reduktion der Peristaltik zu einer verminderten Stuhlfrequenz.

  8. Darmdesinfizienzien wie Ethacridin wirken desinfizierend, adstringierend und spasmolytisch und eignen sich z. B. bei der Behandlung von Reisediarrhöen.

    Vorsicht: Risiko für Kontaktallergien!

Fazit

Die passende Behandlung leitet sich aus dem individuellen Beratungsgespräch ab, wobei auch die Kontraindikationen und Wechselwirkungen sowie die Grenzen der Selbstmedikation zu berücksichtigen sind. Nicht zu allen Therapiemöglichkeiten liegen kontrollierte klinische Studien mit Wirksamkeitsnachweisen bei akuten Durchfällen vor, bei den oben genannten Nummern 5–8 fehlen diese bislang. 

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