Saisonale allergische Rhinitis

Die Pollensaison startet allmählich und damit beginnen die Beschwerden der allergischen Rhinitis wie Niesen, Fließschnupfen und Juckreiz. Die saisonale allergische Rhinitis ist keine Bagatellerkrankung, auch wenn die häufig verwendete Bezeichnung Heuschnupfen es vermuten lässt. Gefährlich ist nicht die Rhinitis selbst, sondern die möglichen Begleit- oder Folgeerkrankungen wie Asthma, Nahrungsmittelallergien, Neurodermitis und Sinusitis. Deshalb ist eine frühzeitige und konsequente Therapie wichtig.

Die allergische Rhinitis ist keine Seltenheit: In Industrieländern wie Deutschland ist ca. jeder Vierte betroffen – Tendenz steigend. Die Nasenschleimhaut der Betroffenen reagiert auf bestimmte Allergene (z. B. Pollen) mit Entzündung. Das bedingt die typischen Symptome Niesen, Juckreiz, Sekretion (Naselaufen) und Obstruktion (verstopfte Nase). Ist die Rhinitis pollenbedingt, stehen häufig Niesen, Sekretion und Bindehautentzündung im Vordergrund. Die milbenbedingte Form ist hingegen vor allem durch nasale Obstruktion gekennzeichnet.

Allergie oder Covid-19?

Aktuell ist die Abgrenzung der saisonalen allergischen Rhinitis von Covid-19 wichtig. Folgende Anzeichen bzw. ihr Fehlen weisen eher auf eine Pollenallergie hin: fast immer Schnupfen (laufende und/oder verstopfte Nase) und Niesreiz sowie Augenjucken oder -irritation, keine Gliederschmerzen und kein Fieber. Im Zweifel empfiehlt es sich, einen Covid-19-Test zu empfehlen, um eine Infektion als Ursache für die Symptome auszuschließen.

Begleit- und Folgeerkrankungen

Nicht nur die akuten Symptome belasten Betroffene, auch die möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen haben Einfluss auf die Lebensqualität. Patienten können nicht mehr schlafen und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Häufige Komorbiditäten sind Konjunktivitis, Sinusitis, Asthma und Neurodermitis. Bei Kindern ist es besonders wichtig, eine allergische Rhinitis zu erkennen und zu behandeln, wenn eine Allergenkarenz nicht möglich ist. Dadurch kann der „allergische Marsch“, das heißt die Entwicklung eines allergischen Asthmas durch die unbehandelte Rhinitis, verhindert werden.

Saisonal ist nicht immer zutreffend

Die Unterteilung in saisonale, ganzjährige (perenniale) und berufsbedingte Formen ist noch in Gebrauch, präziser ist aber die Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nach intermittierender und persistierender allergischer Rhinitis. Hintergrund ist, dass viele saisonale Allergene wie Pollen oder Pilzsporen in einigen Regionen fast ganzjährig vorkommen.

WHO-Klassifikation der allergischen Rhinitis

  • Intermittierende Form:
    Symptome an weniger als 4 Tagen pro Woche oder weniger als 4 Wochen
  • Persistierende Form:
    Symptome an mehr als 4 Tagen pro Woche und mehr als 4 Wochen
  • Schweregrad gering:
    Symptome sind vorhanden, aber beeinträchtigen die Lebensqualität nicht.
  • Schweregrad mäßig bis schwer:
    Symptome sind vorhanden und belastend und beeinträchtigen die Lebensqualität (laut ARIA-Leitlinie 2019: gestörter Schlaf und/oder Schwierigkeiten in der Schule oder am Arbeitsplatz und/oder Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten, Sport und Freizeit und/oder störende Symptome).

Therapieprinzipien

Die Therapie der saisonalen allergischen Rhinitis basiert auf den vier Säulen Allergenkarenz, Immuntherapie, Patientenschulung und Pharmakotherapie. Das oberste Prinzip ist die Allergenkarenz, bei einer Pollenallergie gestaltet sich das jedoch schwierig. Die einzige potentiell kausale Therapie ist die spezifische Immuntherapie, bei der Allergenextrakte in allmählich steigenden Dosen subkutan oder sublingual verabreicht werden. Das Ziel ist hierbei die klinische Toleranz. Zugelassen sind aktuell Therapieallergene für Gräser-, Getreide- und Kräuterpollen, Hausstaubmilben sowie Wespen- und Bienengift.

Die medikamentöse Therapie ist sinnvoll, wenn Symptome die alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigen und den Schlaf stören. Verschreibungsfreie Therapieoptionen sind

  • Antihistaminika als Nasensprays, Augentropfen oder Tabletten,
  • Kortikosteroide als Nasensprays (verschreibungsfrei nur für Erwachsene mit ärztlich diagnostizierter allergischer Rhinitis),
  • Mastzellstabilisatoren als Nasensprays oder Augentropfen (Prophylaxe, regelmäßige Anwendung erforderlich),
  • Sympathomimetika als Nasentropfen/-sprays (nur kurzfristig, nicht länger als 10 Tage) und
  • salzhaltige Nasenspülungen/-sprays.

Zu beachten sind die unterschiedlichen Zeitpunkte des Wirkungseintritts: Antihistaminika und Sympathomimetika wirken innerhalb weniger Minuten bis Stunden. Bei Kortikosteroiden und Mastzellstabilisatoren tritt die Wirkung erst nach Stunden bis Tagen ein.

Antihistaminikum oder Glukokortikoid?

Sowohl H1-Antihistaminika als auch intranasale Kortikosteroide haben sich als wirksame Therapieoptionen bei allergischer Rhinitis bewährt. Antihistaminika (oral oder intranasal) sind laut ARIA-Leitlinie 2019 weniger wirksam zur Kontrolle der Rhinitis-Symptome als intranasale Kortikoide. Dennoch sind sie vor allem bei leichten bis mittelschweren Beschwerden wirksam und bieten die Möglichkeit einer oralen Einnahme, was viele bevorzugen. Bei mäßigen bis schweren Symptomen (intermittierend oder persistierend) haben sich intranasale Kortikoide als Erstlinientherapie bewährt. Ihr Einsatz bedarf zunächst einer ärztlichen Diagnose.

Grenzen der Selbstmedikation

Bei Kindern, erstmalig auftretenden oder starken Beschwerden, Anzeichen einer Mittelohrentzündung oder Sinusitis, Husten, Kurzatmigkeit, pfeifender Atmung oder bei einem atopischen Ekzem ist eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Bildquelle: Jürgen Fälchle – stock.adobe.com

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