Interaktion: Statine und Makrolide

Rezepte über Antibiotika sind in der Apotheke keine Seltenheit. Doch Antibiotika bergen, auch wenn sie nur kurzfristig eingenommen werden, mitunter ein hohes Wechselwirkungspotential. So ist beispielsweise die Interaktion zwischen Statinen und Makrolid-Antibiotika in vielen Fällen relevant.

Zu den Makrolid- bzw. Ketolid-Antibiotika gehören Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin, Roxithromycin, Spiramycin und Azithromycin.

Ursache der Interaktion: CYP3A4-Hemmung

Die genannten Antibiotika hemmen in unterschiedlichem Ausmaß das Enzym Cytochrom P450 3A4 (CYP 3A4), das für die Metabolisierung einiger Statine verantwortlich ist. Die stärksten Inhibitoren des Isoenzyms sind Clarithromycin und Erythromycin, gefolgt von Telithromycin und Roxithromycin. Azithromycin und Spiramycin hemmen CYP3A4 nicht relevant.

Die Interaktion betrifft zudem nicht alle Statine: Fluvastatin und Rosuvastatin werden hauptsächlich über CYP2C9 metabolisiert. Auch bei Pravastatin hat CYP3A4 nur einen kleinen Anteil an der Metabolisierung.

Bei den Statinen, die hauptsächlich über CYP3A4 verstoffwechselt werden (Simvastatin, Atorvastatin und Lovastatin) ist die Kombination mit einem Makrolid bzw. Ketolid, das ein starker CYP3A4-Hemmstoff ist (Clarithromycin, Erythromycin, Telithromycin), jedoch kontraindiziert.

Folgen der Wechselwirkung schwerwiegend

Die Folgen der Interaktion können schwerwiegend sein: Durch die Blockade der Metabolisierung des Statins können seltene und schwerwiegende Nebenwirkungen der Substanz auftreten – z. B. Myopathie und Rhabdomyolyse mit Nierenversagen.

Mögliche Symptome sind:

  • Muskelschmerzen
  • Muskel (Bein)schwäche
  • dunkler Urin

Patienten, die CSE-Hemmer erhalten, sollten über das Risiko der Myopathie informiert werden. Treten Myopathie-Symptome auf, sollen sie umgehend ihren Arzt aufsuchen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion, Niereninsuffizienz oder erblichen Muskelerkrankungen.

Vorgehen in der Apotheke

Fällt in der Apotheke auf, dass ein Patient, der dauerhaft mit Simvastatin, Lovastatin oder Atorvastatin behandelt wird, eines der Makrolid-/Ketolid-Antibiotika Clarithromycin, Erythromycin oder Telithromycin verordnet bekomen hat, ist die Rücksprache mit dem Arzt Pflicht, da die auftretende Wechselwirkung schwerwiegend ist.

Eine Lösung des Problems ist entweder, das betreffende Statin über den Einnahmezeitraum des Antibiotikums abzusetzen, sofern das Risikoprofil der zugrundeliegenden Erkrankung dies zulässt, oder alternativ ein anderes Antibiotikum zu verordnen. Bei Pravastatin ist die Kombination mit einem Makrolid-Antibiotikum unter ärztlicher Beobachtung möglich.

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