Harnwegsinfektionen: Hilfe aus der Apotheke

Jede zweite Frau erkrankt mindestens einmal in ihrem Leben an einer Harnwegsinfektion, ca. ein Drittel der jungen Frauen erleidet innerhalb eines Jahres ein Rezidiv. Da der Leidensdruck bei Blasenentzündungen besonders hoch ist, suchen Betroffene nach einer schnellen Linderung ihrer Beschwerden. Die nicht antibiotische Therapie ist insbesondere im Hinblick auf die Resistenzsituation von besonderer Bedeutung.

Definition

Eine akute unkomplizierte Harnwegsinfektion (= Blasenentzündung, Zystitis) ist eine Entzündung der Blasenschleimhaut (in schweren Fällen auch der ganzen Blasenwand) und wird in ca. 80 Prozent der Fälle durch das gramnegative Stäbchenbakterien Escherichia coli (E. coli) verursacht, in seltenen Fällen auch durch andere gramnegative Erreger (z. B. Pseudomonaden) und grampositive Kokken (z. B. Staphylokokken). Darüber hinaus können auch chemische oder mechanische Reize (Katheter, Geschlechtsverkehr, Zytostatika, Strahlentherapie) zu einer Blasenentzündung führen.

Typische Symptome einer Zystitis sind:

  • Dysurie/Algurie = schmerzhafte Miktion
  • Pollakisurie = häufige Miktion
  • Imperativer Harndrang = Harndrang bei unphysiologisch niedriger Blasenfüllung

Wann gilt eine Harnwegsinfektion als unkompliziert?

Ein Harnwegsinfekt gilt als unkompliziert, wenn keine funktionellen oder anatomischen Anomalien im Harntrakt, keine Nierenfunktionsstörungen und keine Begleiterkrankungen, die eine Infektion begünstigen, vorliegen.

Bei Frauen mit einer akuten Reizung der Blase, den typischen Symptomen einer Harnwegsinfektion und einer Dauer von weniger als fünf Tagen kommt eine Therapie in der Selbstmedikation in Frage.

Grenzen der Selbstmedikation

Wann ist ein Arztbesuch erforderlich?

  • Bei erstmalig auftretenden Beschwerden
  • Bei starken, krampfartigen Schmerzen
  • Bei veränderter Farbe oder verändertem Geruch des Urins
  • Bei Fieber > 38 °C
  • Bei Flankenschmerzen
  • Bei einer Dauer > 5 Tage
  • Bei chronischer Reizblase
  • Bei häufig rezidivierenden Beschwerden
  • Bei Kindern, Schwangeren, Diabetikern und Männern

Ziel der Therapie: Symptomkontrolle

Die Spontanheilungsrate der akuten unkomplizierten Zystitis liegt bei ca. 30–50 %. Ziel der Therapie ist deshalb in erster Linie, die (oft quälenden) klinischen Symptome unter Kontrolle zu bringen. In der aktuellen Leitlinie zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen wird weiterhin eine antibiotische Therapie empfohlen – neu ist aber, dass bei leichten und mittelschweren Infekten zunächst (und mit Einverständnis der Patientin) eine allein symptomatische Therapie in Betracht gezogen werden kann. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Resistenzsituation relevant.

Therapieprinzipien bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfektionen (HWI):

GruppeBeispieleWirkprinzip bei HWI
Arzneipflanzen/Pflanzen­kombinationen
  • Echtes Goldrutenkraut* (Tabletten, Lösung, Tee)
  • Kombination aus Birkenblättern und Goldrutenkraut* (Tee)
  • Kombination aus Birkenblättern, Queckenwurzelstock, Goldrutenkraut*, Hauhechelwurzel, Schachtelhalmkraut (Tee)
  • Kombination aus Hauhechelwurzel, Orthosiphonblättern** und Goldrutenkraut (Filmtabletten)
  • Kombination aus Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern# (Dragees)
  • Orthosiphonblätter** (Tabletten, Tee)
  • Schachtelhalmkraut (Tee)
Aus- und Durchspülen der Blase (Aquaretika)
Bärentraubenblätter (Tabletten, Lösung, Tee)

CAVE: Nicht länger als 1 Woche einnehmen und nicht mehr als 5-mal im Jahr!
Desinfizierender Effekt in der Blase (Desinfizientia)
Kombination aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel (Filmtabletten) Antiphlogistische und antibakterielle Wirkung in der Blase
Chemisch-synthetische WirkstoffeIbuprofenAnalgetische und antiphlogistische Wirkung
ButylscopolaminTonussenkung der überaktiven Blasenmuskulatur

*zusätzlich spasmolytischer Effekt
**zusätzlich antiadhäsiver Effekt
# zusätzlich antimikrobieller Effekt

Prophylaxe bei rezidivierenden Infekten

Als rezidivierend werden Harnwegsinfektionen bezeichnet, wenn sie mehr als dreimal pro Jahr oder mindestens zweimal innerhalb der letzten sechs Monate aufgetreten sind. Bevor eine antibiotische Langzeitprävention in Betracht gezogen werden kann, müssen erst die allgemeinen vorbeugenden Maßnahmen und nicht antibiotischen Therapien ausgeschöpft sein.

Nicht antibiotische Prophylaxemaßnahmen

  • Immunprophylaxe:
    z. B. Uro-Vaxom® (Kapseln mit Zellwandfraktionen uropathogener E.-coli-Stämme, Rx), StroVac® (Impfstoff, Rx)
  • Hemmung der bakteriellen Adhäsion:
    z. B. Mannose, Cranberrysaft/-kapseln (hochdosiert)
  • Pflanzliche Harnwegsdesinfizientien:
    Kapuzinerkressenkraut + Meerrettichwurzel, Bärentraubenblätter (nicht zur Langzeittherapie!)
  • Vaginalmilieu:
    Laktobazillen (oral/vaginal) > vor allem bei Frauen in der Postmenopause

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