Grippaler Infekt

Grippale Infekte, im Volksmund oft „Erkältung“ genannt, werden häufig mit einer echten Grippe („Influenza“) verwechselt. Zwar ähneln sich die Symptome der Erkrankungen – Kopf- und Gliederschmerzen, Schnupfen, Fieber, Halsschmerzen und Husten – jedoch werden sie durch unterschiedliche Erreger ausgelöst.

Im Gegensatz zur echten Grippe, die durch Influenza-Viren A und B ausgelöst wird, können hinter grippalen Infekten über 200 verschiedene Viren stecken. Eine Grippe tritt zudem sehr heftig und unvermittelt ein. Ein grippaler Infekt verläuft in der Regel deutlich milder und kann häufig mittels Selbstmedikation behandelt werden.

Grenzen der Selbstmedikation bei grippalen Infekten

  • Dauer > 10 Tage (Husten kann bis zu drei Wochen persistieren, hier gilt: Dauer > 3 Wochen als Grenze)
  • Fieber > 38 °C über 48 Stunden
  • Ohrenschmerzen
  • starke Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schmerzen beim Atemholen oder Husten
  • Atemnot
  • eitriger Auswurf
  • ausbleibende Besserung innerhalb einer Woche
  • Verschlimmerung der Beschwerden

Kleinkinder erkälten sich durchschnittlich sechs- bis zehnmal pro Jahr, während Erwachsene durchschnittlich zwei- bis dreimal pro Jahr davon betroffen sind. Die wenigsten dieser Infekte sind bakteriellen Ursprungs, sodass eine Behandlung mit Antibiotika in der Regel nicht indiziert ist. Obwohl die Zahlen der Antibiotika-Verordnungen mittlerweile rückläufig sind, ist das Verordnungsniveau nach wie vor zu hoch, erklärte Prof. Dr. Andreas Michalsen bei einem Fachkongress anlässlich des 12. Europäischen Antibiotikatags in Berlin.1

Bei banalen Atemwegsinfekten gibt es wirksame Alternativen, die die Symptome lindern. Phytotherapeutika spielen hier eine große Rolle. Bei Husten werden beispielsweise Efeu, Thymian oder Myrtol eingesetzt. Die in Meerrettichwurzel und Kapuzinerkresse enthaltenen Isothiocyanate sind eine Option bei entzündlichen Erkrankungen der Bronchien und Nasennebenhöhlen, da sie entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral wirken. Klassische abwehrverbessernde Pflanzen wie Echinacea purpurea können der Vorbeugung dienen.

Symptomlindernd wirken außerdem abschwellende Nasensprays und Analgetika.

Beispiele zur Symptombehandlung bei grippalen Infekten

  • Fieber/Schmerzen:
    • Ab 38°C Körpertemperatur bzw. Schmerzen fiebersenkende und analgetische Präparate, z. B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen als Tabletten, Saft, Brausetabletten, Direktpulver, Kautabletten
  • Schnupfen/Sinusitis:
    • α-Sympathomimetika, ätherische Öle und Kombinationen als Nasensprays, Tabletten, Weichkapseln
  • Halsentzündung:
    • Lutschtabletten, Sprays und Gurgellösungen mit Lokalanästhetika oder Antiphlogistika
    • Schmerzstillende, entzündungshemmende Arzneimittel wie Ibuprofen als Tabletten
  • Husten:
    • Ambroxol, Pflanzenextrakte aus z. B. Efeu und Thymian, Cineol, Acetylcystein, Bromhexin als Saft, Brausetabletten, Lutschpastillen, Weichkapseln, Tropfen
  • Reizhusten:
    • Pentoxyverin, Dextromethorphan, Eibischwurzel als Saft, Lutschpastillen, Tropfen

Zu den nicht medikamentösen Maßnahmen gehören eine ausreichende Trinkmenge, isotone salinische Nasensspülungen, Dampfinhalation (20 Min. bei 38–42 °C), Rauchkarenz, Wadenwickel bei erhöhter Temperatur oder Fieber (nur wenn die Füße warm sind), körperliche Schonung, Gurgeln mit Tee oder Salzwasser (1/4 TL in einem Glas Wasser) oder Erkältungssalben mit ätherischen Ölen. Bei Präparaten mit ätherischen Ölen ist bei Säuglingen und Kleinkindern Vorsicht geboten. Sie sollten nur ab dem laut Fachinformation zugelassenen Alter verwendet werden.

Tipps zur Vorbeugung von Erkältungen

Durch die Beachtung einiger Tipps zur Vorbeugung kann zudem die Wahrscheinlichkeit der Entstehung einer Erkältung verringert werden:

Händewaschen: Richtiges Händewaschen kann das Risiko einer Infektion mit Viren oder Bakterien deutlich senken. Durch das Anfassen von Türklinken oder Händeschütteln werden Viren und Bakterien schnell übertragen. Um dies zu verhindern, sollten die Hände mehrmals täglich für mind. 20 Sekunden mit Seife gewaschen werden. Neben der Dauer ist es wichtig, darauf zu achten, dass auch die Fingerzwischenräume und Handrücken ausreichend mit Seife gereinigt werden. Zudem kann für Firmen z. B. die Anschaffung von Händedesinfektionsmittel sinnvoll sein.

Optimales Raumklima: Wichtig für die oberen Luftwege ist eine relative Luftfeuchtigkeit von ca. 80 %. Durch trockene Heizungsluft in den Wintermonaten kann es zu einer partiellen Austrocknung der Schleimhäute kommen, wodurch diese für pathogene Keime leichter angreifbar wird. Zusätzlich hilft es drei- bis viermal täglich für max. 10 Minuten stoßzulüften, um die Anzahl an Bakterien und Viren in geschlossenen Räumen zu verringern.

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