Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darm­erkrankungen

Praxisnahe Beratungs­tipps für Apotheken­teams auf Basis der S3‑Leit­linie

Die Ernährung ist für viele Menschen mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein zentrales Thema. Entsprechend häufig suchen Betroffene das Gespräch in der Apotheke. Die aktuelle S3‑Leitlinie „Klinische Ernährung bei chronisch‑entzündlichen Darm­erkrankungen“ der AWMF gibt hier­für eine klare Richtung vor – mit wichtigen Konse­quenzen für die Beratungs­praxis.

Grundsatz der Leitlinie: keine pauschalen Verbote

Ein zentrales Leitlinienstatement lautet:

S3-Leitlinie CED, AWMF

„Für Patientinnen und Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wird keine spezielle Diät empfohlen.“

Damit macht die Leitlinie deutlich: Allgemeine Diätvorgaben oder langfristige Eliminationsdiäten ohne medizinische Indikation sind nicht sinnvoll und können das Risiko für Mangelernährung erhöhen. Dieses Wissen ist in der Apothekenberatung besonders wichtig, da viele Betroffene bereits stark eingeschränkte Ernährungsweisen entwickelt haben. In der Beratung sollte aktiv nach einseitiger Ernährung, Gewichtsverlust oder selbst auferlegten Verboten gefragt werden.

Ernährung im Schub und in Remission unterscheiden

Die Leitlinie betont die Bedeutung der Krankheitsphase für die Ernährungsempfehlung.

Akuter Schub: Ziel ist eine gute Verträglichkeit und ausreichende Energiezufuhr. Empfohlen werden leicht verdauliche Speisen, ggf. mit reduziertem Ballaststoffgehalt. Stark blähende, sehr fettreiche oder scharfe Speisen können Symptome verstärken.

Remission: Es wird ausdrücklich eine vollwertige, ausgewogene Mischkost empfohlen. Ballaststoffe sind in beschwerdefreien Phasen in der Regel erwünscht und tragen zur Darmgesundheit bei – sofern sie individuell gut vertragen werden.

Die Apotheke kann hier helfen, falsche Vorstellungen zu korrigieren, etwa die Annahme, Ballaststoffe seien grundsätzlich „schlecht“ bei CED.

Nährstoffmängel im Blick behalten

Laut Leitlinie treten bei CED häufig Mikronährstoffmängel auf, insbesondere bei:

  • Eisen,
  • Vitamin B12,
  • Folsäure,
  • Vitamin D,
  • Zink.

Die S3‑Leitlinie empfiehlt, diese gezielt zu diagnostizieren und nur bei nachgewiesenem Mangel zu substituieren. Eine pauschale Einnahme hochdosierter Supplemente wird nicht empfohlen. In der Apotheke sollte demnach bei entsprechender Medikation, Müdigkeit oder Gewichtsverlust zur ärztlichen Abklärung von möglichen Mängeln geraten werden – statt direkt zur Selbstmedikation.

Spezielle Kostformen: kritisch einordnen

Diäten wie die Low-FODMAP-Diät, bei der konsequent Mehrfach- und Einfachzucker und Zuckeralkohole ausgelassen werden, sowie laktose- oder glutenfreie Ernährung werden von Betroffenen häufig nachgefragt. Die Leitlinie stellt klar, dass Laktose‑ oder Fruktoseverzicht nur bei nachgewiesener Intoleranz sinnvoll ist und es für andere restriktive Diäten keine ausreichende Evidenz zur Remissionserhaltung gibt. Apothekenteams können eine wichtige Lotsenfunktion übernehmen und auf individualisierte Ernährungsberatung verweisen.

Enterale Ernährung: therapeutisches Instrument

Vor allem bei Morbus Crohn – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen – empfiehlt die Leitlinie die enterale Ernährung als anerkannte Therapieoption. Dabei kommen spezielle Trinknahrungen zum Einsatz. Sie liefern nicht nur alle wichtigen Nährstoffe, sondern können auch dazu beitragen, entzündliche Prozesse im Darm zu verringern.

Für die Apotheke bedeutet das vor allem: bilanzierte Diäten richtig abgeben und erklären, die Betroffenen zur regelmäßigen Einnahme motivieren und bei Fragen zu Verträglichkeit oder Akzeptanz unterstützend beraten.

Fazit für die Apothekenpraxis

Die S3‑Leitlinie liefert eine klare Botschaft: Ernährung bei CED muss individuell, evidenzbasiert und flexibel gestaltet werden. Apothekenteams können durch fundierte Informationen, das Erkennen von Warnzeichen für Mangelernährung und eine sensible Gesprächsführung wesentlich zur Versorgung beitragen – gerade dort, wo Unsicherheit und Fehlinformation weit verbreitet sind.


Quelle: S3-Leitlinie „Klinische Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen“, https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/073-027, aufgerufen 06.05.2026

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