Welttag der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen am 19. Mai 2026
Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verstehen
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) begleiten viele Betroffene ein Leben lang. Der Welttag der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen am 19. Mai bietet Anlass, Morbus Crohn und Colitis ulcerosa stärker in den Fokus zu rücken – auch in der Apotheke. Denn Apothekenteams sind häufig die erste Anlaufstelle für Fragen zu Symptomen, Therapie und Ernährung.
Die beiden wichtigsten Formen der CED sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Beide beruhen auf einer fehlgeleiteten Immunreaktion im Darm, unterscheiden sich aber in Ausbreitung und Verlauf deutlich.
Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt betreffen – von der Mundhöhle bis zum After. Die Entzündung tritt segmentartig auf, gesunde Darmabschnitte wechseln sich mit entzündeten ab. Charakteristisch ist zudem, dass alle Darmwandschichten betroffen sein können. Typische Symptome sind chronischer Durchfall, Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Erschöpfung. Häufig treten auch Komplikationen wie Fisteln oder Stenosen auf.
Colitis ulcerosa hingegen ist auf den Dickdarm begrenzt und beginnt fast immer im Enddarm. Die Entzündung ist kontinuierlich und betrifft vor allem die Schleimhaut. Leitsymptome sind blutige Durchfälle, schleimige Stühle und ein ausgeprägter Stuhldrang. Extraintestinale Beschwerden, etwa an Haut oder Gelenken, können bei beiden Erkrankungen auftreten.
Therapie: langfristig und individuell
CED verlaufen meist in Schüben. Ziel der Therapie ist es, akute Entzündungen zu kontrollieren und schubfreie Phasen möglichst lange zu erhalten. Zum Einsatz kommen unter anderem Aminosalicylate, Glucocorticoide, Immunsuppressiva und Biologika sowie neuere zielgerichtete Therapien. In der Apotheke spielt dabei die Therapietreue eine zentrale Rolle – ebenso wie die Schulung zum richtigen Umgang mit Devices, etwa bei subkutan applizierten Biologika.
Ernährung: keine Diät, aber Orientierung
Viele Betroffene fragen gezielt nach Ernährungstipps. Wichtig: Es gibt keine einheitliche CED-Diät, da die Verträglichkeit individuell sehr unterschiedlich ist. Dennoch lassen sich einige Grundsätze vermitteln:
- Im akuten Schub: leicht verdauliche, ballaststoffarme Kost, um den Darm zu entlasten
- In Remission: ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung ohne unnötige Restriktionen
- Fettarme Zubereitung kann bei Durchfällen hilfreich sein.
- Laktose oder Fruktose können Beschwerden verstärken – Unverträglichkeiten sollten individuell geprüft werden.
- Eine ausreichende Nährstoffzufuhr ist entscheidend, da Vitamin- und Eisenmängel häufig sind.
Apothekenteams können hier wichtige Hinweise geben und bei Bedarf zur ernährungsmedizinischen Beratung oder ärztlichen Abklärung raten.
Rolle der Apotheke: mehr als Arzneimittelabgabe
Für Menschen mit CED ist die Erkrankung oft unsichtbar, aber hoch belastend. Eine sensible Ansprache, Verständnis für den chronischen Verlauf und fundierte Informationen machen die Apotheke zu einem wichtigen Baustein in der Versorgung. Der Welttag der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen erinnert daran: Gute Betreuung beginnt nicht erst in der Arztpraxis, sondern oft am HV-Tisch.
