Harnwegs­infektionen – warum sie heute anders einge­teilt werden

Die Euro­päische Gesell­schaft für Uro­logie (EAU) hat die Klassifi­kation von Harn­wegs­infektionen (HWI) 2025 ange­passt. Statt wie bisher zwischen unkom­plizierten und kom­plizierten HWI zu unter­scheiden, werden diese nun als lokalisiert oder systemisch einge­ordnet. Komplizierende Risiko­faktoren spielen dennoch weiter­hin eine Rolle. Auch die Infectious Diseases Society of America (IDSA) hat ihre Ein­teilung 2025 über­arbeitet.

Über viele Jahre wurden HWI in unkompliziert und kompliziert unterteilt. Nach Angaben der führenden europäischen Fachgesellschaft für Urologie, der EAU, geht diese Einteilung auf Lindemeyer et al. aus dem Jahr 1963 zurück. Ursprünglich wurde eine HWI als kompliziert angesehen, wenn anatomische Risikofaktoren oder Begleiterkrankungen die Behandlung erschweren konnten. Später wurde die Definition durch die IDSA weiter konkretisiert. Dabei wurden Infektionen bei gesunden Frauen von solchen abgegrenzt, die mit funktionellen Anomalien des Harntrakts verbunden sind.

Noch in der Leitlinie von 2024 unterschied die EAU zwischen:

  • unkomplizierten HWI – akute, spora­dische oder wieder­kehrende untere HWI (unkomplizierte Zystitis) und/oder obere HWI (unkompli­zierte Pyelonephritis), die als HWI bei nicht schwangeren Frauen ohne bekannte relevante anatomische oder funktionelle Auffällig­keiten des Harn­trakts und ohne Komorbi­di­täten definiert waren – und
  • komplizierten HWI – alle HWI, die nicht unter die Definition der unkompli­zierten HWI fielen. Dazu zählten beispiels­weise Harnwegsinfektionen bei Männern, schwangeren Frauen, Patientinnen und Patienten mit relevanten anatomischen oder funktionellen Auf­fällig­keiten des Harn­trakts, Dauerkathetern, Nieren­erkrankungen und/oder weiteren immun­supprimierenden Begleit­erkrankungen wie Diabetes.

Die Kategorie der komplizierten HWI umfasste damit sehr unter­schiedliche Krankheits­bilder – von milden Infektionen bei Männern bis hin zur lebens­be­drohlichen Urosepsis. Dadurch war der klinische Nutzen der Ein­teilung begrenzt. Gleich­zeitig bestand das Risiko von Fehl­inter­pretationen und in der Folge einer möglicher­weise nicht ange­messenen Versorgung der Patientinnen und Patienten.

Frauen und Männer gleich­berechtigt

Vor diesem Hinter­grund schlug die EAU bereits 2025 eine neue Klassi­fi­kation von Harn­wegs­infektionen vor. Seit 2025 unter­scheidet die EAU in ihrer Leit­linie daher nicht mehr zwischen unkom­pli­ziert und kompliziert, sondern zwischen lokalisiert und systemisch:

  • Lokalisierte HWI – reine Blasen­entzündung (Zystitis) bei Frauen und Männern ohne Hinweise auf eine systemische Infektion. Diese kann in der Regel ambulant behandelt werden. Typische Beschwerden sind Schmerzen und Brennen beim Wasser­lassen, häufiger und imperativer Harn­drang sowie suprapubische Schmerzen.
  • Systemische HWI – Harnwegs­infektionen wie Pyelonephritis oder Prostatitis bei Frauen und Männern, bei denen typische Zeichen einer systemischen Infektion vorliegen. Symptome einer lokali­sierten HWI können zusätz­lich bestehen, müssen aber nicht zwingend vorhanden sein.
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