ACE-Hemmer bei Hitze

ACE-Hemmer werden u. a. zur Behand­lung von Hyper­tonie und zur kardio­vas­kulären Prä­vention ein­ge­setzt und wirken gefäß­er­weiternd sowie blutdruck- und blutvolumen­senkend. Kommt es jedoch beispiels­weise auf­grund von Hitze zu einem unzu­reichend ausge­glichenen Flüssig­keits­verlust, kann dies in Kombi­nation mit ACE-Hemmern zu einer Hypotonie führen, die sich durch geeignete Maß­nahmen ver­hindern oder behandeln lässt.

ACE-Hemmer werden zur Behandlung von Hyper­tonie, zur kardio­vas­kulären Prävention (z. B. bei Diabetes mit zusätz­lichen Risiko­faktoren), bei Nieren­erkrankungen, Herz­schwäche sowie nach einem Herz­infarkt ange­wendet.1 Am Beispiel des Wirk­stoffs Ramipril erklärt, hemmt die aktive Form Ramiprilat das Enzym ACE und damit die Umwandlung von Angiotensin I in das gefäß­ver­engende Angiotensin II sowie den Abbau des gefäß­erweiternden Bradykinins.1,2 Die verminderte Bildung von Angiotensin II führt wiederum zu einer ver­minderten Aldosteron­aus­schüttung, wo­durch weniger Natrium und Wasser in den Nieren zurück­ge­halten und das Blut­volumen und der Blut­druck reduziert werden.2 Die Folge ist bereits 1–2 Stunden nach oraler Gabe eine Weitung der peripheren Arterien und eine Senkung des Blut­drucks, ohne die Herz­frequenz zu erhöhen.1 Die Aus­scheidung der ACE-Hemmer erfolgt vor­wiegend renal.

Neben seiner Rolle bei der Aldosteron­frei­setzung kann Angiotensin II auch das Durst­gefühl beein­flussen.3 In Kombination mit Diuretika, die die Aus­scheidung von Wasser und Elektrolyten fördern, sowie bei erhöhtem Flüssig­keits­verlust – etwa durch Fieber, Hitze, Erbrechen oder Durch­fall – kann es zu einem redu­zierten Flüssig­keits­volumen kommen.3,4 Da unter ACE-Hemmern die gefäß­ver­engende Wirkung von Angiotensin II abge­schwächt ist, kann eine Hypotonie entstehen, die sich u. a. durch Schwindel, Ohr­geräusche, Müdig­keit, Seh­störungen, Kopf­schmerzen und Ohn­macht äußert.4,5 Hält eine ACE-Hemmer-bedingte Hypo­tonie länger an, kann auch die Nieren­funktion beein­trächtigt werden: Die glomeruläre Filtrations­rate (GFR) kann sinken, wodurch die Aus­scheidung bestimmter Arznei­stoffe, darunter auch ACE-Hemmer selbst, vermindert werden kann.4

Um ein hypotonie­förderndes vermindertes Flüssig­keits­volumen zu vermeiden, ist trotz möglicher­weise reduziertem Durst­empfinden eine aus­reichende Flüssig­keits­zu­fuhr wichtig, die durch ein Trink­protokoll unter­stützt werden kann.6 Wichtig ist zudem eine regelmäßige Blut­druck­kontrolle.4 Bei bestehender Hypo­tonie kann eine intra­venöse Gabe physio­logischer Koch­salz­lösung erforder­lich sein, die einen raschen Volumen­aus­gleich ermöglicht, die GFR verbessert und dadurch die renale Clearance erhöhen kann. Dadurch kann eine mögliche Akku­mulation von ACE-Hemmern reduziert werden, die sowohl Folge der Hypo­tonie sein als auch die bestehende Hypotonie verstärken könnte.

 


Quellen:
1 ratiopharm. Fachinformation: Ramipril-ratiopharm Tabletten. Stand: September 2023
2 Gelbe Liste (2024). ACE-Hemmer. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffgruppen/ace-hemmer
3 Kalisch Ellett et al. Increased risk of hospital admission for dehydration or heat-related illness after initiation of medicines: a sequence symmetry analysis. Journal of Clinical Pharmacy and Therapeutics, 41(5): 503–507, https://doi.org/10.1111/jcpt.12418
4 Sica. Angiotensin‐Converting Enzyme Inhibitors' Side Effects—Physiologic and Non‐Physiologic Considerations. J Clin Hypertens, 7(Suppl 8): 17–23, https://doi.org/10.1111/j.1524-6175.2005.04556.x
5 MedLexi (2024). Niedriger Blutdruck (Hypotonie). medlexi.de/Niedriger_Blutdruck_(Hypotonie)
6 Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie, Universitätsklinikum Heidelberg (2024). Heidelberger Hitze-Tabelle. https://www.dosing.de/Hitze/Medikamentenmanagement_bei_Hitzewellen.pdf

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