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Neue THC-Schwellenwerte: Ab wann wird Cannabis-Konsum typischerweise krankhaft?

Eine zentrale neue Erkenntnis aus der aktuellen Forschung sind konkrete Schwellenwerte für den wöchentlichen THC-Konsum, ab denen Konsumentinnen und Konsumenten in der Regel eine Cannabis-Konsumstörung entwickeln. Solche „Standardmengen“ sind beim Alkohol seit langem etabliert – für Cannabis fehlte bisher eine ähnlich greifbare Orientierung. Genau hier setzt eine britische Auswertung der CannTeen-Studie an, deren Ergebnisse im Fachjournal Addiction veröffentlicht wurden.
In der Studie wurde der Konsum über 12 Monate wiederholt erfasst und in standardisierten THC-Einheiten dargestellt: 1 Unit entspricht 5 mg Δ9-THC. Am Ende wurde geprüft, ob eine Cannabis-Konsumstörung vorlag – also ein Muster aus Kontrollverlust (mehr Konsum als beabsichtigt) oder spürbaren Folgen im Alltag, etwa durch Vernachlässigung von Verpflichtungen.
Das Ergebnis: Der Konsum wird mit hoher Wahrscheinlichkeit problematisch, wenn Erwachsene mehr als 8,26 Units pro Woche konsumieren, also rund 41,3 mg THC/Woche. Bei Jugendlichen liegt dieser Schwellenwert noch niedriger, bei 6,04 Units bzw. 30,2 mg THC/Woche. Für eine moderate bis schwere Cannabis-Konsumstörung wurden ebenfalls Grenzwerte abgeleitet: bei Erwachsenen 13,44 Units (etwa 67,2 mg THC/Woche), bei Jugendlichen 6,45 Units (etwa 32,3 mg THC/Woche). Gerade bei Jugendlichen fällt auf, wie nah die Schwellen für „problematisch“ und „moderat bis schwer“ beieinanderliegen.
Für die Apotheke ist diese Einordnung besonders relevant, auch wenn sich die Studie auf Konsum im nichtmedizinischen Kontext bezieht. Denn in der Versorgung mit medizinischem Cannabis werden Patientinnen und Patienten – je nach Indikation, Dosis, Applikationsform und THC-Gehalt – häufig regelmäßig deutlich höhere THC-Mengen erreichen als diese Schwellenwerte. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Cannabis-Konsumstörung vorliegt. Dennoch liefern die Zahlen einen wichtigen Referenzrahmen, um Beratungsgespräche kompetent zu führen: etwa wenn Patientinnen und Patienten ihre Therapie mit Freizeitkonsum kombinieren, wenn sich eine Dosis „verselbstständigt“ oder wenn Fragen zu Gewöhnung, Kontrollverlust oder alltagsrelevanten Einschränkungen (Arbeit, Verkehr, Konzentration) aufkommen.
Die neuen Schwellenwerte sind damit weniger als „Grenze“ für die medizinische Anwendung zu verstehen, sondern eher als Orientierung für Risikokommunikation und für das Erkennen von Warnsignalen. Gerade weil die THC-Exposition unter Therapie teils höher liegt, ist ein fachlich nüchterner Umgang mit dem Thema besonders wichtig.