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Cannabis in der Schmerztherapie

Immer mehr ältere Menschen setzen auf Selbst­medikation

Der Einsatz von Medizinal­cannabis nimmt vor allem bei älteren Menschen zu. Viele Seni­orinnen und Seni­oren greifen zuneh­mend auf Cannabis zurück, um chronische Schmer­zen und andere Be­schwer­den zu lindern – oft ohne ärzt­liche Ver­ord­nung. Die klassischen Schmerz­mittel helfen häufig nicht aus­reichend oder bringen uner­wünschte Neben­wirkungen mit sich, sodass Cannabis als Alternative attraktiver wird.

Hürden bei der ärztlichen Verordnung

Cannabis darf erst verordnet werden, wenn alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Zudem müssen der Krankenkasse umfangreiche Nachweise über die Schwere der Erkrankung und vorangegangene Therapieversuche vorgelegt werden. Diese strengen Vorgaben resultieren aus der bislang begrenzten Datenlage zu Wirksamkeit und Risiken von Cannabis.

Obwohl Medizinalcannabis in Deutschland seit 2017 legal ist, fehlen belastbare randomisierte Studien, die seine Wirksamkeit mit anderen Therapien vergleichen. Beobachtungsdaten, wie sie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gesammelt hat, zeigen eine steigende Anzahl älterer Patientinnen und Patienten, die Cannabis vor allem gegen chronische Schmerzen einsetzen. Rund ein Drittel bricht die Therapie jedoch innerhalb eines Jahres wieder ab – meist wegen fehlender Wirkung.

Cannabis kein Allheilmittel, aber mit Potenzial

Im Vergleich zu Opioiden hat Cannabis den Vorteil eines geringeren Suchtpotenzials und es sind keine tödlichen Überdosierungen bekannt. Dennoch birgt besonders der psychoaktive Wirkstoff THC Risiken, vor allem bei älteren Menschen, sodass eine sorgfältige medizinische Begleitung nötig ist.

Auswirkungen der Teillegalisierung

Seit April 2024 können Ärztinnen und Ärzte Privatrezepte für Medizinalcannabis ausstellen, was zu einem deutlichen Anstieg der Importe führte. Fachleute warnen vor einem möglichen Missbrauch der Privatrezepte, insbesondere durch Fernbehandlungen, die den Zugang erleichtern.

Dennoch scheint sich der Cannabiskonsum nicht signifikant erhöht zu haben. Vielmehr nutzen viele nun legale Wege für den Bezug, der zuvor oft nur auf dem Schwarzmarkt möglich war. Rund 20 % der Konsumentinnen und Konsumenten geben an, Cannabis mindestens teilweise aus medizinischen Gründen zu verwenden.

Fazit für Apotheken

Die Nachfrage nach Medizinalcannabis steigt vor allem bei älteren Menschen, die oft auf eigene Faust versuchen, ihre Beschwerden zu lindern. Dabei ist wichtig zu betonen: Cannabis ist kein freiverkäufliches Selbstmedikationspräparat, sondern weiterhin verschreibungspflichtig und sollte nur unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Für Apotheken heißt das, Patientinnen und Patienten aufmerksam zuzuhören und sie darauf hinzuweisen, dass auch bei einer faktischen Selbstmedikation eine ärztliche Begleitung unerlässlich ist. Zudem kommt der umfassenden Beratung und Aufklärung durch die Apotheke eine entscheidende Rolle zu, um eine sichere und verantwortungsbewusste Anwendung zu unterstützen.