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MTX in Rheumadosierung
Ist eine Gabe niedrig dosierter ASS problemlos möglich?
Apothekenmitarbeiter kennen das: Das Kassensystem blinkt und weist auf diverse Wechselwirkungen hin. Um Patienten nicht unnötig zu verunsichern, sollte es klare Angaben geben, wann Wechselwirkungen wirklich klinisch relevant sind und Handlungsbedarf erfordern. Zumindest bei Methotrexat (MTX) in Kombination mit niedrig dosierter ASS sollten Apotheker künftig weniger Zweifel im Alltag begleiten.

Die Wechselwirkung der Kombinationstherapie von hoch dosierter ASS mit Methotrexat ist bekannt: Sie beeinträchtigt die Nierenfunktion und verdrängt MTX aus der Plasmabindung. Allerdings wird diese Wechselwirkung bei der Kombinationstherapie von ASS + MTX erst ab Dosierungen, die 100 mg/Tag ASS überschreiten, klinisch relevant.
In den Apotheken warnen die Software- bzw. Kassensysteme die Apothekenmitarbeiter bei gleichzeitiger Verordnung von MTX und Low-Dose-ASS vor möglichen schwerwiegenden Wechselwirkungen, allerdings ohne zu berücksichtigen, dass die Dosierung beider Substanzen eine entscheidende Rolle spielt.
Nur wenn ASS nicht in thrombozytenhemmender, sondern in analgetischer Dosierung (≥ 2 g/Tag) verwendet wird, könnte die Wechselwirkung relevant werden. Das ist aber heutzutage bei nahezu keinem Patienten mehr der Fall, weil ASS in dieser Dosis als Analgetikum wegen seiner eher schlechten Verträglichkeit – zumindest in der Rheumatologie – nicht mehr verwendet wird; es stehen wesentlich besser verträgliche Analgetika zur Verfügung. Die Unbedenklichkeit der Kombination Low-Dose-ASS + MTX in Rheumadosierung wird nun mit der evidenzbasierten, systematischen Literaturrecherche von Fiehn et al. 2023 bestätigt, die sich klar und deutlich zur Komedikation positioniert. Auch in einem systematischen Review der Cochrane Database wird dies bestätigt (Colebatch N et al. Cochrane Database of Systematic Reviews 2011, Issue 11. Art. No.: CD008872).
Das Thema ist von hoher Relevanz, da MTX der Goldstandard in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis (First-Line-Therapie) und unverzichtbarer Therapiebestandteil bei Psoriasis-Arthritis, Psoriasis und weiteren entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (Off-Label-Use) ist, sowohl in der Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Antirheumatika.