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Lieferengpässe bei BtM

Bei Betäubungs­mitteln Aus­tausch zwischen verschiedenen Herstellern vermeiden

Liefer­eng­pässe beein­trächtigen die Ver­sorgung erheblich. Besonders kritisch sind Eng­pässe bei Betäubungs­mitteln (BtM), da hier strenge Aus­tausch­regeln gelten. Patientinnen und Patienten, die BtM wie Methylphenidat (MPH) benötigen, reagieren empfindlich auf Änderungen ihrer Medikation, weshalb ein Schutz ihrer Therapie vorteilhaft ist. Trotzdem erlaubt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) den Aus­tausch von ver­zögert frei­setzenden MPH-Präparaten, sofern sie gleiche Anteile an schnell und verzögert frei­setzendem Wirk­stoff auf­weisen.1

Sensible Patienten­gruppen und die Not­wendig­keit der Konsistenz

Von ADHS Betroffene zeigen oft eine geringe Therapie­adhärenz, was das Risiko von Therapie­unter­brechungen erhöht.2,3,4 Aus den genannten und anderen Gründen kann ein bei der Ver­ordnung gesetztes Aut-idem-Kreuz den Aus­tausch verhindern. Auch Apotheken können aufgrund Pharma­zeutischer Bedenken die Substitution eines Medikaments aus­schließen, wenn im Beratungs­gespräch klar wird, dass ein Arznei­mittel­wechsel die Therapie gefährdet. Häufige Um­stellungen und veränderte Wahr­nehmungen der Wirkung können das Vertrauen in die Medikation mindern und die Adhärenz verringern. Daher sollte bei BtM der Arznei­mittel­aus­tausch bei kritischen Indikationen vermieden werden.2,3,4

Markt­stabilität und Produktions­kapazitäten

Schwankungen im Absatz und regulatorische Vorgaben machen die Absatz­planung seitens der Hersteller heraus­fordernd. Strenge Produktions- und Qualitäts­kontrollen sowie lang­fristige Planungen sind erforderlich, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Medikamente zu gewähr­leisten. Dabei kann der Liefer­eng­pass eines Herstellers den gesamten ADHS-Markt destabilisieren.

Planungs­sicherheit für zuver­lässige Produzenten

Um den Markt­bedarf zuver­lässig zu decken, ist größere Planungs­sicherheit für Produzenten entscheidend. Nur so können sie Ressourcen bereit­stellen und Produktions­abläufe effizient koordinieren. Wünschens­wert wäre, dass auch MPH-Präparate mit gleichen Anteilen an schnell und verzögert frei­setzendem Wirk­stoff von der Substitution ausge­schlossen werden. Da der Großteil der ADHS-Patientinnen und -Patienten mit einer ebensolchen Zusammen­setzung therapiert wird, könnte dies eine planbare Produktion und Sicher­stellung der Markt­versorgung gewähr­leisten.5


1 https://www.g-ba.de/downloads/40-268-10327/2024-03-21_AM-RL-VII_Methylphenidat_TrG.pdf
2 Charach A, Fernandez R. Enhancing ADHD medication adherence: challenges and opportunities. Curr Psychiatry Rep 2013; 15(7): 371
3 Parkin R, Nicholas FM, Hayden JC. A systematic review of interventions to enhance adherence and persistence with ADHD pharmacotherapy. J Psychiatr Res 2022; 152: 201–218
4 Ahmed R, Aslani P. Attention-deficit/hyperactivity disorder: an update on medication adherence and persistence in children, adolescents and adults. Expert Rev Pharmacoecon Outcomes Res 2013; 13(6): 791–815
5 Artikel des DAP vom 27.06.2024 „Methylphenidat kommt auf die Substitutionsausschlussliste“