Ingwer und das Immunsystem

Kaum fallen die ersten Blätter, geht sie schon wieder los: die Erkältungssaison. Viele Menschen möchten ihr Immunsystem zunächst mit Hausmitteln stärken, bevor sie zu oftmals synthetischen Arzneimitteln greifen. Einer der bekanntesten Vertreter der natürlichen Hausmittel ist die Wurzel des Ingwers (Zingiber officinale). Doch was ist dran?
Pünktlich zur Erkältungszeit wächst bei vielen Menschen der Wunsch, etwas für ihr Immunsystem zu tun. Neben Vitaminen und Spurenelementen stehen dafür in der Apotheke auch pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel zur Auswahl. Eine Heilpflanze, die besonders oft im Gespräch ist, ist Ingwer. Doch kann Ingwer wirklich das Immunsystem stärken und somit Infekten vorbeugen?
Ingwer – scharfe Wurzel mit starker Wirkung?
Ob als Tee, als Kapsel gegen Übelkeit oder als Tropfen – Ingwer steht bei vielen Indikationen hoch im Kurs. Sogar als Begleitmedikation zur Chemotherapie werden mittlerweile gerne Nahrungsergänzungsmittel mit Ingwer eingesetzt. Insbesondere in der Erkältungszeit wird Ingwer auch gerne als Tee verwendet – nicht zuletzt, um das Immunsystem zu stärken. Aber kann Ingwer das überhaupt leisten oder handelt es sich dabei um einen Irrglauben?
Die Hauptinhaltsstoffe des Ingwers sind 6-Gingerol, ätherische Öle und Harzsäuren. Das 6-Gingerol gibt dem Ingwer seine charakteristische Schärfe. Es ist auch das 6-Gingerol, das laut einer Studie der TU München eine immunsystemanregende Wirkung entfalten kann.1 In der Studie wurde der Einfluss von Zitronensäure, Aspartam, Natriumglutamat, Salz, 6-Gingerol und zweier Inhaltsstoffe des Szechuanpfeffers auf die Speichelzusammensetzung getestet. Dabei wurde herausgefunden, dass 6-Gingerol die Aktivität des Enzyms, das für die Produktion von Hypothiocyanat verantwortlich ist, auf das Dreifache steigert. Hypothiocyanat ist einer der Stoffe im Speichel, die fungizid und antimikrobiell wirken. Oft wird Ingwer auch in Kombination mit Zitronensaft verwendet. Beim Zitronensaft zeigte sich in der Untersuchung, dass die Konzentration von Lysozym im Speichel bis auf das Zehnfache anstieg. Lysozym wirkt bakterizid, indem es die Zellwände von Bakterien zerstört. In Untersuchungen zeigte sich, dass dieser Anstieg ausreicht, um das Wachstum grampositiver Bakterien fast komplett zu unterbinden.1 Somit kann auf eine immunstärkende Wirkung, zumindest was Mund- und Rachenschleimhäute angeht, geschlossen werden.
1 Bader et al.: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli, Journal of Agricultural and Food Chemistry 6/2018. DOI: 10.1021/acs.jafc.8b02092