Schlange(n) stehen für Heilung
Sola dosis venenum facit

Vielen ist es nicht bewusst, doch auch in Deutschland gibt es einige heimische Schlangen, darunter unter anderem die Kreuzotter, die Ringelnatter oder auch das Maskottchen der Apotheken weltweit: die Äskulapnatter. Die in Deutschland heimischen Arten sind zum Teil sogar giftig – wobei normalerweise nicht von einer Lebensgefahr ausgegangen werden muss. Schlangengift wird bereits seit langem auch in der Medizin eingesetzt. Wie es dazu kam und wofür Schlangengifte eingesetzt werden, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Zurückgehend auf den griechischen Gott der Heilung, Asklepios, ist die Äskulapnatter an fast jeder Apotheke Deutschlands im großen Apotheken-A zu sehen. Bereits in der Antike galt die Schlange als Symbol für Heilung und Gesundheit – und das, obwohl sie damals vor allem den Tod brachte. Spätestens seit den 1950ern wird Schlangengift jedoch auch von der Schulmedizin eingesetzt, sei es als Arzneistoff, der strukturverwandt zu einem Schlangengift ist, oder zur Entwicklung eines Antidots. Eines der ersten Arzneimittel, die mithilfe von Schlangengift entwickelt wurden, war der ACE-Hemmer Captopril. Die Leitsubstanz der ACE-Hemmer wurde dabei einem ACE-hemmend wirkenden Peptid aus dem Gift der Jararaca-Lanzenotter nachempfunden. Einer anderen Lanzenotter entstammt das Batroxobin, das in der Diagnostik von Blutgerinnungsstörungen eingesetzt wird.
Schlangengift in der Antidotherstellung
Schlangengifte finden auch in der Herstellung von Antidoten Anwendung. Dabei werden durch Impfung von Tieren Immunglobuline gewonnen, die im Falle eines Schlangenbisses verabreicht werden können. Da in Deutschland allerdings nur die Kreuzotter und stellenweise die Aspisviper verbreitet sind, deren Bisse für gewöhnlich nicht lebensbedrohlich sind, wird das Schlangengift-Immunserum „Europa“ aufgrund des hohen Risikos für einen anaphylaktischen Schock eher selten verabreicht.
Die Dosis macht das Gift
Viele Leitsubstanzen der klassischen Arzneistoffe entspringen der Natur oder sind zumindest durch diese inspiriert. Wie schon bei Paracelsus gilt dabei: „Sola dosis venenum facit“ – allein die Dosis macht das Gift.