Kürbis bei Prostatabeschwerden

Hilft das wirklich?

„Und kam die goldene Herbstes­zeit und die Kürbisse leuchteten weit und breit …“ – nein, so ging das Gedicht nicht. Dennoch verbinden wir den Herbst automatisch mit dem großen, orange­farbenen Gemüse aus der Familie der Cucurbitaceae. Nicht nur ist Kürbis schmack­haft, mit dem aus den Vereinigten Staaten herüber­ge­schwappten Halloween-Trend sieht man auch vielerorts ausge­höhlte und geschnitzte Kürbisse als Deko-Laternen. Doch über diesen kulinarischen und deko­rativen Nutzen hinaus werden dem Kürbis heilsame Wirkungen zuge­schrieben. Ist da was dran, oder handelt es sich dabei nur um einen Halloween-Streich?

Die Prostata ist eine Drüse beim Mann, die in jungen Jahren etwa walnussgroß ist. Mit zunehmendem Alter vergrößert sie sich, meist jedoch auf gutartige Weise. Oftmals folgt irgendwann die Diagnose benigne Prostatahyperplasie (BPH). Betroffene klagen über Probleme beim Wasserlassen, da die Drüse auf die Harnröhre drückt. Helfen soll dabei der Kürbis (Cucurbita pepo) oder vielmehr seine Kerne. Diese enthalten Phytosterole, Vitamin E, Fettsäuren und auch Carotinoide. Das klingt alles in allem sehr gesund und dürfte auch der Grund sein, warum die Kerne nicht nur in Lebensmitteln genutzt, sondern auch zu arzneilichen Zwecken eingesetzt werden. Immer mal wieder gibt es dann aber auch Gegenstimmen, die die Wirksamkeit des Kürbisses anzweifeln. Ärzte warnen gar davor: Wolfgang Bühmann vom Berufsverband Deutscher Urologen gab so vor einigen Jahren zu wissen, dass hinter diesen teuren Pillen ein Riesengeschäft für die Unternehmen, aber kein Vorteil für die Patienten stecke.1

Studienlage

Zum Thema Kürbis (bzw. Kürbiskernöl) gibt es eine Vielzahl von durchgeführten Studien.2, 3, 4 Manchmal sind es Probandengruppen, die Tagebuch über ihre Beschwerden führen, manchmal werden Gruppen gegen Tamsulosin und Placebo getestet, manchmal wird gegen einen Stärkeextrakt aus Süßkartoffeln getestet. All diesen Studien ist dabei gemein, dass sie zu dem Ergebnis kommen, dass Kürbiskernöl bzw. Kürbiskerne eine signifikant positive Auswirkung auf den International Prostate Symptom Score (IPSS) haben. Beim IPSS handelt es sich um einen standardisierten Fragebogen, mit dem Beschwerden im Rahmen einer BPH erfasst werden können. Zwar könne die Wirkung nicht mit der des Tamsulosins mithalten, jedoch seien auch keine Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, retrograde Ejakulation oder Erytheme aufgetreten.

Fazit

Die Studienlage zum Kürbiskern und seinem Öl ist insgesamt gut. Eine Vielzahl von Studien weist auf eine signifikante Wirkung hin, was das Verbessern der Beschwerden im Rahmen einer BPH angeht. Jedoch sollte immer zuerst ein Arzt aufgesucht werden, wenn es zu Beschwerden beim Wasserlassen kommt, bevor zu kürbishaltigen Arzneimitteln gegriffen wird. Ist die Erkrankung abgeklärt und sieht der behandelnde Arzt einen Nutzen, so können Kürbispräparate – nicht zuletzt wegen ihrer guten Verträglichkeit – empfohlen werden.


1 Kürbis-Produkte sind bei Prostataproblemen nutzlos
https://www.welt.de/gesundheit/article13454761/Kuerbis-Produkte-sind-bei-Prostataproblemen-nutzlos.html

2 Hong et al. Effects of pumpkin seed oil and saw palmetto oil in Korean men with symptomatic benign prostatic hyperplasia
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2809240/

3 Vahlensiek et al. Effects of pumpkin seed in men with lower urinary tract symptoms due to benign prostatic hyperplasia in the one-year, randomized, placebo-controlled GRANU study
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25196580/

4 Zerafatjou et al. Pumpkin seed oil (Cucurbita pepo) versus tamsulosin for benign prostatic hyperplasia symptom relief: a single-blind randomized clinical trial
https://bmcurol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12894-021-00910-8