Vögel füttern für die Psyche

Wie der Umgang mit Wildtieren uns beeinflusst
Wenn man ans Vogelfüttern denkt, haben viele sicherlich zuerst ältere Personen im Park vor Augen, die Enten mit Brot füttern. Während diese Szene meist eher mitleidig betrachtet wird, konnten nun Erkenntnisse gewonnen werden, dass das Füttern von Tieren allen Menschen – und nicht nur Rentnerinnen und Rentnern – guttut.
Sicherlich haben es die allermeisten schon einmal in ihrem Leben gemacht: ein Wildtier gefüttert. Sei es ein Vogel im Park, das Eichhörnchen im Garten oder Fische in einem Teich. Irgendwie scheint es dem Menschen in die Wiege gelegt worden zu sein, sich um Tiere aller Art zu kümmern. Forscherinnen und Forscher um Dr. Ashley Dayer vom Department of Fish and Wildlife Conservation an der Universität Virginia Tech, USA, fanden nun einen Zusammenhang zwischen dem Füttern von Wildtieren und der geistigen Gesundheit der Fütternden. Ursache war der Aufruf mehrerer staatlicher Behörden, Wildvögel zur Vorbeugung der Verbreitung von Vogelgrippe und Covid-19 nicht mehr zu füttern. Daraufhin ließen sich offenbar Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere in urbanen Gebieten mit hoher persönlicher Isolationsrate, feststellen. Besonders in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie sei es förderlich, Interaktionen mit der Außenwelt, hier also Wildtieren, zu haben.
Untersuchung über Zugverhalten
Ebenfalls Teil der Untersuchung war das Futtersuchverhalten der Vögel, die auf Anraten der US-Behörden nicht mehr gefüttert wurden. Hier zeigte sich, dass Vögel, die nicht gefüttert wurden, ihr Futter in größeren Radien suchten, was in Pandemiezeiten zu einem Verbreiten von Krankheiten beitragen kann. Daher sollten vor der Aussprache von Empfehlungen die Auswirkung des Nichtfütterns auf die Krankheitsverbreitung mit einbezogen werden.
Vogelfutter ist nicht gleich Vogelfutter
Das eingangs erwähnte Bild von einer älteren Person, die Enten mit Brot füttert, ist übrigens irreführend. Tatsächlich sollten wilde Vögel nicht mit Brot und besonders nicht mit Weißbrot gefüttert werden. Davon können die Tiere krank werden und schlimmstenfalls sogar sterben. Hierfür gibt es entweder spezielle Wasservogelmischungen und für jene, die keine Mischung kaufen wollen, die Option, Haferflocken und Obst- und Gemüsestücke zu füttern. Diese sollten natürlich schnabelgerecht zugeschnitten sein.
Quelle: Dayer et al. Birds are not the only ones impacted by guidance to cease bird feeding. People and Nature 2023; DOI: https://doi.org/10.1002/pan3.10566