Chiasamen – ein „Superfood“?

Chiasamen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und werden oft als „Superfood“ oder Wundermittel dargestellt und sind insbesondere in der veganen Küche beliebt. Doch werden sie ihrem Ruf auch gerecht?

Chiasamen werden aus der Chiapflanze (Salvia hispanica) gewonnen, einer einjährigen krautigen Pflanze, die zur Familie der Lippenblütler gehört und ursprünglich aus Mittelamerika (südliches Mexiko bis Ecuador) stammt. Mittlerweile wird Chia neben Zentralmexiko und Guatemala auch in Bolivien, Kolumbien, Peru, Argentinien, im Süden der USA und in Australien kultiviert.

Chia war schon in vorspanischer Zeit in Mexiko eine wichtige Nahrungspflanze, wurde aber auch zu medizinischen Zwecken und zur Ölgewinnung genutzt. Die Chiasamen werden roh oder getrocknet gegessen und gehören zu den Ölsaaten und Pseudogetreiden, sind also glutenfrei. In Europa wurden Chiasamen nicht traditionell in nennenswerten Mengen konsumiert, weshalb sie in der EU als neuartige Lebensmittelzutat unter die Novel-Food-Verordnung fallen und zulassungspflichtig sind. Laut Zulassung muss auf der Verpackung gekennzeichnet sein, dass maximal 15 g Chiasamen pro Tag aufgenommen werden dürfen. Gesundheitsversprechen sind in Bezug auf Chiasamen nicht erlaubt.

Chiasamen mit wertvollen Inhaltsstoffen

Chiasamen enthalten viele wertvolle Inhaltsstoffe wie verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und antioxidativ wirkende sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Sie zeichnen sich außerdem dadurch aus, dass sie einen höheren Eiweißgehalt als Getreide haben. Zusätzlich liefern Chiasamen Nahrungsfasern (auch als Ballaststoffe bezeichnet) und hochwertige mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Chiasamen haben aber auch noch eine besondere Eigenschaft: In Flüssigkeit eingelegt quellen sie und bilden ein Gel, weshalb sie in der Lebensmittelindustrie auch als Verdickungsmittel, Emulgator und Stabilisator eingesetzt werden. Aufgrund der quellenden Eigenschaft sollte die tägliche Aufnahme von 15 g Chiasamen nicht überschritten und beim Verzehr der Samen auf eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr geachtet werden.

Heimische Alternative

Die Inhaltsstoffe machen Chiasamen also tatsächlich zu einem wertvollen Nahrungsmittel, das eine ausgewogene Ernährung bereichern kann. Allerdings sind Chiasamen nicht nur recht teuer, sondern sie haben in der Regel auch lange Transportwege hinter sich, die der Umwelt zuliebe sicherlich auch berücksichtigt werden sollten. Wem also Klimaschutz wichtig ist, der sollte besser auf eine heimische Alternative zurückgreifen: Leinsamen sind mit Chiasamen vergleichbar, was Nährstoffgehalt und Wirkung auf die Verdauung angeht.