Lästige Biester im Spätsommer?

Bei vielen Menschen dürfte die Gedankenkette: Spätsommer – Grillen – Pflaumenkuchen – Wespen Sinn ergeben. Nicht nur empfinden die meisten die Fluginsekten als lästig, viele haben sogar Angst vor ihnen. Doch sind Wespen nicht die einzigen stechenden Arthropoden, die uns im Spätsommer lästig werden. Auch Mücken, Zecken, Hornissen, Bremsen und manchmal sogar Bienen werden argwöhnisch betrachtet. Ein Plädoyer für stechende Insekten.

Der Spätsommer ist für viele Deutsche eine der schönsten Jahreszeiten. Nicht nur machen hier die meisten Urlaub, auch Freizeitaktivitäten in Garten, Park und wilder Natur wie z. B. Joggen, Fahrradfahren, Reiten, Wanderungen, Picknicken und Grillen stehen hoch im Kurs. Wenn doch nur die ganzen stechenden Tiere nicht wären. Wespen greifen einen beim Essen und Sport an, Hornissen sind extrem gefährlich, Zecken übertragen schlimme Krankheiten und Bremsen stechen ohne Vorwarnung. So lassen es einen zumindest gängige Vorurteile glauben. Doch was ist dran?

Viele Nützlinge, aber auch ein paar Schädlinge

Um zunächst einmal mit den Vorurteilen aufzuräumen: So schlimm sind die meisten gar nicht. Es gibt aber einige kleine Tierchen, die dem Menschen gefährlich werden können. Dazu gehören beispielsweise Zecken. Nicht nur übertragen die heimischen Zecken bekanntermaßen die nicht zu unterschätzende Lyme-Borreliose, auch Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist stetig auf dem Vormarsch. Die größeren Verwandten der hier heimischen Zecken (Ixodes ricinus), die sogenannten Hyalomma-Zecken, die seit einigen Jahren immer häufiger auch in Deutschland zu finden sind, bringen zudem weitere Erkrankungen wie das Krim-Kongo-Fieber mit. Hier ist also ein geeigneter Schutz vor den Parasiten ratsam und oft auch notwendig.

Wespen und Hornissen wiederum genießen zu Unrecht einen schlechten Ruf. In der Tat handelt es sich bei Hornissen um eine Gattung innerhalb der Echten Wespen, die nur eine heimische Art umfasst. Insgesamt gibt es weltweit über 60 verschiedene Arten Echter Wespen, in Deutschland und Europa sind 11 davon zu finden. Den meisten Wespenarten, die sich oftmals von Nektar oder anderen Insekten wie Blattläusen ernähren, sind Steak und Pflaumenkuchen egal – zumindest die meiste Zeit des Jahres. Erst nach dem Schlüpfen ihrer Brut benötigen die Fluginsekten große Mengen an Nahrung – die sie im Zweifel auf leichtem Wege erbeuten möchten. Dies ist auch die Zeit, in der Wespen leichter reizbar sind – manch einer kann das bestimmt nachvollziehen. Hektische Bewegungen, Schlagen nach den Insekten oder das Anpusten der Wespe kann dann zu schnellen Vergeltungsschlägen führen. Wer sich ruhig verhält, hat aber meist nichts zu befürchten. Ein unerwünschter Besuch durch Wespen auf der Terrasse oder auf dem Balkon kann leicht vermieden werden: Dazu legt man eine sogenannte Ablenkfütterung aus, z. B. einen aufgeschnittenen alten Apfel. Hier können sich die Wespen dann bedienen und werden dies auch tun, da sie dazu nicht an unzähligen Menschen vorbeifliegen müssen. Auch werden an diversen Stellen immer wieder abschreckende Gerüche zum Einsatz empfohlen. Dazu zählen z. B. Kaffee, Citronella, Kupfer und Weihrauch.

Bienen sind von allen stachelbewehrten Fluginsekten die vermutlich zahmsten. Sie stechen nur im äußersten Notfall, nach intensiver Provokation (etwa wenn ihrem Nest geschadet wird) und sind ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes handzahm – mit viel Geduld kann man Bienen nämlich teilweise sogar streicheln. Außerdem sind sie die wohl bekanntesten Pflanzenbestäuber und somit verantwortlich für einen nicht unbeträchtlichen Teil der Nahrungsmittelproduktion.

Die zuvor bereits erwähnten Hornissen gehören entgegen dem gängigen Glauben zu den eher harmlosen Wespen. Zwar sind Hornissen in direkter Umgebung ihres Nests territorial und ihre Stiche äußerst schmerzhaft, fern ihrer Brutstätte sind Hornissen aber meist harmlos – sofern man nicht nach ihnen schlägt oder hektisch reagiert.

Bremsen und Mücken lassen sich weitestgehend in eine Kategorie zusammenfassen: Beide sind Insekten, die Blut saugen. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass Bremsen tagaktiv und Mücken eher dämmerungs- bzw. nachtaktiv sind. Auch ist die Schmerzintensität bei Bremsenstichen oftmals deutlich höher.

Abwehr und Akuthilfe aus der Natur

Natürliche Repellents sind in den meisten Apotheken bekannt. So werden ätherische Öle, Geraniol, Citronellöl oder auch Teebaumöl zum Vertreiben von lästigen Blutsaugern verwendet. Auch Duftkerzen mit den gleichen Inhaltsstoffen werden immer wieder angeboten, jedoch ist hier die Wirkung umstritten. Eingesetzt werden die natürlichen Inhaltsstoffe vor allem gegen Zecken und Mücken. Über die Abwehr von Bremsen gibt es keine Erkenntnisse. Da aber zumindest für DEET (Diethyltoluamid) Vermutungen vorliegen, dass es Bremsen vertreiben kann, und die natürlichen Inhaltsstoffe oft an DEET gemessen werden, kann davon ausgegangen werden, dass es auch hier eine Wirkung geben könnte. Der Einsatz natürlicher Repellents hat übrigens auch den Vorteil, dass keine Gewässerbelastung entsteht – besonders beim Baden in natürlichen Gewässern besteht bei klassischen Abwehrmitteln oft das Risiko, wichtige und nützliche Lebewesen im Wasser abzutöten.

Sollte doch einmal ein Insekt stechen oder beißen, stehen diverse Mittel zur Auswahl. Angefangen bei kühlenden Gelen auf Basis von Aloe vera über anthroposophische Mittel mit Arnika und Urtica urens bis hin zu homöopathischen Mitteln wie beispielsweise Cantharis, Ledum oder auch Apis ist die Auswahl groß. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die verschiedenen Produkte zu kombinieren – etwa ein anthroposophisches Gel zusammen mit homöopathischen Globuli. Beim Einsatz mehrerer homöopathischer Arzneimittel sollte nur bedacht werden, dass nicht mehr als 3 gleichzeitig angewendet werden.

Wer ganz auf Arzneimittel mit Wirkstoff verzichten will, kann zudem zu physikalischer Wärme greifen. Hierzu gibt es einige Hitzestifte und mittlerweile auch Handyzubehör im Handel. Die Geräte erwärmen die betroffene Stelle für einen kurzen Moment über 40 Grad Celsius, was die Fremdproteine aus Mücken-, Wespen- oder auch Bremsensekreten zerstört, sodass es zu einer geringer ausgeprägten oder gar keiner Reaktion an der Einstichstelle kommt. Wichtig ist hier der zeitnahe Einsatz der Hitzeapplikatoren, damit die Immunreaktion des Körpers gar nicht erst ins Rollen kommt.

Fazit

Nicht alle Insekten oder Spinnentiere sind so gefährlich, wie angenommen wird. Wespen, Hornissen und Bienen bedürfen normalerweise einer Provokation, um zuzustechen. Anders sieht es bei Mücken, Zecken und Bremsen aus: Sie haben es auf Blut abgesehen – zur eigenen Ernährung und zur Ernährung der Brut. Da sie Krankheiten übertragen können, sollten Vorkehrungen getroffen werden. Vor diesen Blutsaugern kann man sich aber, auch auf natürliche Art und Weise, gut schützen.