Bärlauch-Saison – Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen und Herbstzeitlosen

Seit einigen Wochen ist es wieder so weit: die Bärlauch-Saison ist gekommen. Bärlauch ist eine mit Schnittlauch, Zwiebel und Knoblauch verwandte Pflanzenart, die als Wildgemüse gerne gesammelt und anschließend verarbeitet wird. Der Bärlauch hat im März und April Saison und wird vor der Blüte gesammelt.
Verwechslungsgefahr?!
Wenn man Bärlauch sammeln möchte, sollte man sicher sein, dass es sich dabei auch wirklich um Bärlauch handelt. Denn man kann ihn leicht mit den Maiglöckchen verwechseln, die 2014 zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurden. Auch die ebenfalls giftige Herbstzeitlose (Giftpflanze des Jahres 2010) hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Bärlauch. Wie kann man also sicher sein, dass es sich um den schmackhaften Bärlauch und nicht etwa um eine der beiden giftigen Pflanzen handelt?
Wichtig ist, dass man sich der Unterschiede zwischen den drei Pflanzen bewusst ist, dann kann man diese ganz einfach vor Ort bestimmen.
Charakteristischer Geruch
Der Bärlauch wächst in schattigen und nährstoffreichen Auwäldern und tritt oft großflächig auf. Er bildet eine Zwiebel aus, sodass es wichtig ist, beim Pflücken immer ein Blatt pro Pflanze stehen zu lassen, damit genügend Kraft für das erneute Wachstum im nächsten Jahr bleibt. Da der Bärlauch einen unverkennbaren Geruch nach Knoblauch hat, der ausströmt, wenn man die Blätter zwischen den Fingern zerreibt, kann man dies leicht als Erkennungsmerkmal heranziehen. Das funktioniert aber nur bei der ersten Pflanze, da danach der Geruch so intensiv wird, dass quasi alles nach Knoblauch riecht. Wachsen neben Bärlauch auch Maiglöckchen, kann dies so zu Verwechslungen führen.
Auf die Blätter achten!
Um eine Verwechslung zu vermeiden, sollten zusätzliche Erkennungsmerkmale herangezogen werden. Ein weiteres Unterscheidungskriterium der drei Pflanzen ist das Blattwachstum: Bei Bärlauch wächst ein Blatt an einem Stiel aus dem Boden, während bei Maiglöckchen zwei Blätter an einem Stiel wachsen und diesen umfassen. Bei Herbstzeitlosen hingegen wachsen mehrere Blätter an einer Rosette.
Auch die Blätter an sich weisen Unterschiede auf: Bärlauch hat zarte, empfindliche, breit-ovale Blätter, die auf der Unterseite matt sind. Der Stängel ist dreikantig und hohl. Maiglöckchen bilden zwar auch breit-ovale Blätter aus, diese sind an der Unterseite aber glänzend. Die Blätter der Herbstzeitlosen sind länglich-oval und hellgrün glänzend.
Bärlauch blüht in der Regel zwischen April und Juni, Maiglöckchen zwischen Mai und Juni und die Herbstzeitlosen im September und Oktober. Sobald der Bärlauch blüht, verliert er an Geschmack und wird faserig, sodass die Bärlauch-Saison mit dessen Blüte endet.
Unterscheidungskriterien von Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlosen
| Bärlauch | Maiglöckchen | Herbstzeitlose | |
|---|---|---|---|
| Blattwachstum | Wachsen direkt aus dem Stängel | Zwei Blätter wachsen stängelumfassend aus dem gleichen Stängel | Wachsen ungestielt aus einer Rosette |
| Blattform | Breit-oval | Breit-oval | Länglich-oval |
| Blattunterseite | Matt | Glänzend | Glänzend |
| Blütezeit | April bis Juni | Mai bis Juni | September bis Oktober |
| Standort | Schattige und nährstoffreiche Auwälder | In trockenen bis feuchten, lichten Laubwäldern (vorwiegend Buchenwälder) und Wiesen | Frische bis feuchte, nährstoffreiche Wiesen sowie in lichten Auwäldern |
Warum eigentlich Bärlauch?
Bärlauch hat seinen Namen in der Tat von den Bären erhalten, die ihn nach dem Winterschlaf gerne fressen. Und das zu Recht: Bärlauch schmeckt nicht nur gut, ihm werden auch heilsame Wirkungen nachgesagt. Seine Inhaltsstoffe können demnach antibakteriell und antiviral sein, es wird jedoch auch eine potenziell krebsvorbeugende Wirkung untersucht.1 Aber selbst, wenn das nicht zutreffen sollte – als Lebensmittel ist der Bärlauch definitiv gesund. So enthält er pro 100 g ca. die dreifache Menge Vitamin C von Orangen und darüber hinaus Vitamin A, B1 und B6 sowie Mineralstoffe, Magnesium und Calcium. Wer also zweifelsfrei Bärlauch ernten kann, dem sei er ausdrücklich empfohlen.
1 Lai et al. Diallyl sulfide, diallyl disulfide and diallyl trisulfide affect drug resistant gene expression in colo 205 human colon cancer cells in vitro and in vivo