KI in Patientenanfragen: Veränderungen in der Beratungspraxis

Auf dem NZW-Kongress in Hamburg (30.01.–01.02.2026) stellte Referentin Dr. Anke Ernst Erfahrungen aus der Beratungspraxis des Krebsinformationsdienstes zum Umgang mit KI-gestützten Gesundheitsinformationen vor. Grundlage waren qualitative Einzelfallbeobachtungen aus realen Anfragen, bei denen Ratsuchende bereits Antworten aus Systemen wie ChatGPT oder vergleichbaren Angeboten erhalten hatten – oder diese sogar Anlass der Kontaktaufnahme waren.

Dabei zeigte sich, dass KI-Informationen häufig nicht ausreichend eingeordnet werden konnten. Zwar wirkten viele Antworten zunächst plausibel und strukturiert, in der praktischen Anwendung führten sie jedoch teilweise zu Verunsicherung. In einigen Fällen verstärkten sie Ängste, etwa durch das Nennen schwerwiegender Krankheitsverläufe ohne individuelle Risikoeinordnung. In anderen Situationen entstand Misstrauen gegenüber ärztlichen Empfehlungen, wenn KI-Aussagen von Therapieentscheidungen abwichen oder medizinische Inhalte stark verallgemeinert wurden. Betroffene suchten anschließend gezielt fachliche Beratung, um die erhaltenen Informationen überprüfen und bewerten zu lassen.

Parallel dazu verändert sich das Informationsverhalten deutlich: KI-Anwendungen werden zunehmend als erste Informationsquelle genutzt – noch vor Arztgespräch, Praxiswebseite oder klassischen Gesundheitsportalen. Die Beratungssituation verschiebt sich dadurch: Gespräche beginnen häufiger nicht mehr mit einer offenen Fragestellung, sondern mit konkreten, bereits vorformulierten Hypothesen oder Befürchtungen, die aus KI-Antworten abgeleitet wurden.

Für die Praxis ergeben sich daraus neue Anforderungen. Medizinisches Fachpersonal muss Inhalte stärker einordnen, Erwartungshaltungen klären und Fehlinterpretationen strukturiert aufgreifen. Die kommunikative Aufgabe erweitert sich damit von der reinen Informationsvermittlung hin zur Bewertung bereits vorhandener Informationen. Gleichzeitig entstehen auch Chancen: Gespräche können fokussierter verlaufen, da Patientinnen und Patienten besser vorbereitet sind und gezieltere Fragen stellen.

Die zentrale Erkenntnis des Vortrags: KI ersetzt persönliche Beratung nicht, sondern verändert ihren Ausgangspunkt. Die fachliche und individuelle Einordnung durch medizinische Expertinnen und Experten bleibt entscheidend, insbesondere bei komplexen oder therapiebezogenen Entscheidungen.

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