Darmkrebsmonat März – warum Vorsorge Leben retten kann

Der März steht traditionell im Zeichen der Darmkrebs­prävention. Für Apotheken bietet sich damit eine wichtige Gelegen­heit, Versicherte gezielt und evidenz­basiert zur Teil­nahme an der Früh­erkennung zu motivieren. Das kolorektale Karzinom gehört in Deutsch­land zu den häufigsten malignen Erkrankungen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts werden jährlich rund 55.000 bis 60.000 Neu­erkrankungen diagnostiziert. Das Erkrankungs­risiko steigt deutlich ab dem 50. Lebens­jahr. Wird der Darmkrebs im Früh­stadium erkannt, liegen die 5-Jahres-Überlebens­raten bei über 90 %, während sich die Prognose in fortge­schrittenen Stadien erheblich ver­schlechtert. Diese Zahlen unter­streichen die hohe Relevanz der strukturierten Früh­erkennung.

In Deutschland beginnt die organisierte Darmkrebsfrüherkennung in der Regel mit 50 Jahren; seit 2025 gelten für Frauen und Männer die gleichen Angebote mit Wahlmöglichkeit zwischen Stuhltest und Koloskopie. Daten zeigen, dass durch eine einmalige Vorsorgekoloskopie innerhalb von 10 Jahren etwa 3 von 4 sonst zu erwartenden Darmkrebsfällen entweder früh entdeckt oder ganz verhindert werden können.

Der Darmkrebsmonat März bietet Apotheken die Chance, Versicherte aktiv auf die Bedeutung der Vorsorge anzusprechen, denn die meisten Erkrankungen werden nach dem 50. Lebensjahr diagnostiziert. Früh erkannt ist Darmkrebs in vielen Fällen heilbar, im besten Fall lässt sich die Entstehung durch die Entfernung von Vorstufen verhindern.

Aktuelle Vorsorgeangebote und Altersgrenzen

Im Rahmen des gesetzlichen Krebsfrüherkennungsprogramms haben Versicherte ab dem 50. Lebensjahr Anspruch auf eine Darmspiegelung (Koloskopie) zur Früherkennung von Darmkrebs. Während der Untersuchung können Darmpolypen, die als potenzielle Vorstufen eines kolorektalen Karzinoms gelten, direkt entfernt werden. Fällt der Befund unauffällig aus, ist eine erneute Vorsorgekoloskopie nach 10 Jahren vorgesehen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, im Abstand von 2 Jahren einen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl durchführen zu lassen. Ergibt sich dabei ein auffälliges Ergebnis, wird in der Regel eine Koloskopie zur weiteren Abklärung empfohlen. Für Personen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko, beispielsweise aufgrund familiärer Vorbelastung, gelten darüber hinaus besondere Vorsorgeempfehlungen.1

Wirksamkeit der Vorsorge – Zahlen für die Beratung

Die Evidenz zur Wirksamkeit der Vorsorge ist überzeugend. Die Darmspiegelung gilt als Goldstandard, da sie diagnostische und therapeutische Möglichkeiten kombiniert und adenomatöse Vorstufen unmittelbar entfernt werden können. Daten aus der randomisierten NordICC-Studie2, veröffentlicht im New England Journal of Medicine im Jahr 2022, zeigen, dass bei Personen, die tatsächlich an einer Vorsorgekoloskopie teilnahmen, innerhalb von 10 Jahren 40 % der zu erwartenden Darmkrebsfälle frühzeitig diagnostiziert und weitere 34 % durch die Entfernung von Vorstufen verhindert wurden. Insgesamt lassen sich damit rund drei Viertel der ohne Screening zu erwartenden Fälle entweder früh erkennen oder vollständig vermeiden. Auch bevölkerungsbasierte Analysen aus Deutschland belegen eine signifikante Reduktion von Inzidenz und Mortalität durch die Teilnahme am Screeningprogramm. Ein regelmäßig durchgeführter immunologischer Stuhltest kann bei hoher Adhärenz eine nahezu vergleichbare Schutzwirkung entfalten. Für die Apotheke bedeutet dies: Jede vermittelte Vorsorgeuntersuchung erhöht die Chance beträchtlich, Darmkrebs in einem heilbaren Stadium zu diagnostizieren oder durch Polypektomie gar nicht erst entstehen zu lassen. Zahlen der Krebsinformationsdienste und Kassen zeigen, dass die Teilnahmeraten am Screening weiterhin steigerungsfähig sind und damit ein relevantes Präventionspotenzial ungenutzt bleibt.

Apotheken können im Darmkrebsmonat März einen wichtigen Beitrag leisten, die Teilnahme am Früherkennungsprogramm zu erhöhen und vermeidbare Darmkrebsfälle zu verhindern:

Kundinnen und Kunden aktiv ansprechen:

  • Ab 50 ist Vorsorge keine Option, sondern eine zentrale Chance zur Krebsvermeidung – Wahl zwischen Stuhltest und Darmspiegelung aktiv ansprechen.
  • Hinweis geben, dass durch eine einzige Koloskopie bereits 3 von 4 Darmkrebsfällen in den folgenden 10 Jahren verhindert oder früh entdeckt werden können.
  • Kundinnen und Kunden mit familiärer Vorbelastung motivieren, frühzeitig Hausärztin oder Hausarzt auf ein angepasstes Vorgehen anzusprechen.
  • Stuhltests verständlich erklären (korrekte Probenabnahme, regelmäßige Wiederholung) und bei positivem Befund zur umgehenden Koloskopie raten.

 


1 Robert Koch-Institut: Krebs in Deutschland, aktuelle Ausgabe, https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Neuigkeiten-und-Presse/Meldungen/Archiv/2025-12-16_Krebs-in-D.html
2 NordICC-Studie, New England Journal of Medicine 2022, https://spj.science.org/doi/10.1002/cac2.12642

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