Teplizumab: ein Meilenstein in der Immuntherapie bei Typ-1-Diabetes
Mit Teplizumab ist es zum ersten Mal möglich, den Verlauf des Typ-1-Diabetes bereits vor dem eigentlichen Ausbruch gezielt zu beeinflussen. Damit verschiebt sich der therapeutische Ansatz von der reinen Behandlung der Folgen hin zu einer frühen Beeinflussung der Krankheitsursache. Im Januar hat die EU-Kommission dem monoklonalen Antikörper Teplizumab (Teizeild®) der Firma Sanofi die Zulassung erteilt.
Indikation
Eingesetzt wird Teplizumab in Stadium 2 des Typ-1-Diabetes. In diesem Stadium sind bereits typische Autoantikörper im Blut nachweisbar, und die Blutzuckerwerte zeigen erste Auffälligkeiten, es besteht jedoch noch keine Insulinpflicht.
Wirkmechanismus
Teplizumab bindet an das Oberflächenantigen CD3 auf autoreaktiven T-Zellen. Dadurch wird die Anzahl dieser schädlichen, fehlgerichteten T-Zellen zeitweise vermindert und ihre Funktion gleichzeitig abgeschwächt bzw. verändert, sodass diese T-Zellen die insulinproduzierenden Betazellen weniger stark angreifen. Es kommt zu einer Verlangsamung des immunvermittelten Betazellverlusts und damit zum längeren Erhalt endogener Insulinproduktion als unter Placebo.
Die Phase-II/III-Studie (TN-10) zeigte, dass Teplizumab die Zeit bis zur klinischen Manifestation von Typ-1-Diabetes nahezu verdoppelt:
Medianzeit bis zu Stadium 3: ~49,5 Monate (Teplizumab) vs. ~24,9 Monate (Placebo).
Teplizumab kann bei Erwachsenen und Kindern ab 8 Jahren in Form einer einmal täglichen an 14 aufeinanderfolgenden Tagen verabreichten Infusion eingesetzt werden.
Typische Nebenwirkungen umfassen eine vorübergehende Lymphopenie, Leukopenie, Hautausschlag, Kopfschmerzen und ein meist mildes Zytokinfreisetzungssyndrom. Hinzu kommen potenzielle Überempfindlichkeitsreaktionen wie Serumkrankheit, Angioödem, Urtikaria, Bronchospasmus sowie ein erhöhtes Infektionsrisiko durch die immunmodulierende Wirkung auf T‑Zellen. Impfungen mit Lebend‑ und Totimpfstoffen sollten daher möglichst vor Beginn der Therapie abgeschlossen werden, da die Immunantwort unter Teplizumab abgeschwächt sein kann.
Für die Praxis bedeutet Teplizumab eine neue Rolle für die frühe Diagnostik. Nur wenn Menschen mit erhöhtem Risiko rechtzeitig erkannt werden, kann die Therapie eingesetzt werden. Könnten hier auch die Apotheken mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen unterstützen?
Gut zu wissen
Typ-1-Diabetes
Typ‑1‑Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der fehlgerichtete T-Zellen nach und nach die insulinproduzierenden Betazellen der Langerhans‑Inseln im Pankreas zerstören. Je mehr Betazellen verloren gehen, desto schlechter kann der Körper den Blutzucker regulieren – von völlig unauffällig bis hin zur manifesten Erkrankung mit Insulinpflicht.
Stadium 1: frühes Frühstadium
Im Blut findet man mindestens zwei verschiedene Inselautoantikörper (z. B. gegen Insulin, GAD‑65, IA‑2 oder ZnT8), die zeigen, dass das Immunsystem Betazellen angreift.
Die Blutzuckerwerte sind noch normal (Normoglykämie), es gibt keine typischen Diabetes‑Beschwerden – die Betroffenen fühlen sich gesund.
Stadium 2: „unsichtbarer“ Prädiabetes
Die Autoimmunreaktion schreitet fort, sodass schon zu wenig Insulin vorhanden ist und sich eine Störung des Zuckerstoffwechsels (Dysglykämie) messen lässt, etwa im Nüchternwert, im oralen Glukosetoleranztest oder im HbA1c. Die Betroffenen haben meist noch keine Symptome im Alltag.
Stadium 3: klinisch manifester Typ‑1‑Diabetes
In diesem Stadium sind so viele Betazellen zerstört, dass der Körper kaum noch eigenes Insulin produziert, der Blutzucker ist deutlich erhöht (Hyperglykämie). Typische Symptome wie starker Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Gewichtsverlust, verschwommenes Sehen treten auf. Unbehandelt droht eine diabetische Ketoazidose, weshalb eine Insulintherapie notwendig wird.
Stadium 4: langfristiger Verlauf
Nach der Diagnose und dem Beginn der Insulintherapie spricht man vom etablierten Typ‑1‑Diabetes: Der Fokus liegt auf guter Blutzuckereinstellung, Vermeidung von Unter‑ und Überzuckerungen und dem Schutz vor Spätkomplikationen (z. B. an Augen, Nieren, Nerven, Herz‑Kreislauf).
