Impfen in der Apotheke – deutliche Ausweitung gefordert

Fünf Apotheken­gruppierungen setzen sich gemeinsam für ein erweitertes Impf­angebot in deutschen Apotheken ein. In einem Konsens­papier haben sie konkrete Vor­schläge ent­wickelt, wie Impf­lücken geschlossen und Apotheken als niedrig­schwellige Gesund­heits­anlauf­stelle gestärkt werden können. Die Botschaft an die Politik ist klar.

Fünf Apotheken­gruppierungen haben Anfang August ein gemeinsames Konsens­papier veröffentlicht, in dem sie eine deutliche Ausweitung der Impf­angebote in Apotheken fordern. Neben Influenza-Impfungen sollen künftig auch Impfungen gegen Pneumokokken, FSME, Tetanus und Hepatitis in Apotheken möglich sein. Ziel ist es, Impf­lücken zu schließen und die Rolle der Apotheken als unkompli­zierte Anlauf­stelle für Gesund­heits­leistungen zu stärken.

An der Initiative beteiligt sind AByou – die Nach­wuchs­organisation der ABDA –, der Bundes­verband der Versorgungs­apotheker, der Bundes­verband Deutscher Apotheken­kooperationen (BVDAK), der Verband innovativer Apotheken (via) sowie die Denkfabrik Apotheke. Unterstützt und begleitet wurde das Papier vom Arznei­mittel­unternehmen Pfizer Pharma GmbH.

Über 50 Millionen Impfungen fehlen

Laut den Autorinnen und Autoren bestehen in Deutsch­land erhebliche Impf­lücken, insbe­sondere bei Influenza, Pneumokokken und FSME. Auf Basis aktueller Impf­status­daten und STIKO-Empfehlungen wird der Bedarf auf rund 54 Millionen zusätzliche Impfungen geschätzt. Zwar ist der Impfschutz bei Kindern meist hoch, doch bei Erwachsenen liegen die Impf­quoten – etwa bei Influenza – weit unter den Zielen von WHO und EU. So erreichte Deutsch­land zuletzt weniger als 40 % in den Risiko­gruppen, das Ziel liegt bei 75 %.

Eine von Pfizer finanzierte Modellierung aus dem Jahr 2021 zeigt: Würden alle Apotheken bundes­weit impfen, könnten zusätz­lich rund 7,5 Millionen Impfungen pro Jahr gegen Influenza, FSME und Pneumokokken verab­reicht werden.

Derzeit impfen Apotheken nur saisonal gegen Influenza und Covid-19. Dies erschwert die Planung bezüglich Räumlich­keiten und Personal. Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, das Impf­angebot auf weitere Erkrankungen auszu­weiten und ein ange­messenes Honorar zu sichern, um wirtschaftliche Anreize zu schaffen.

Zudem soll das Impfrecht auch für ent­sprechend geschultes Fach­personal unter Auf­sicht von Apothekerinnen und Apothekern gelten – ähnlich wie es im ärztlichen Bereich möglich ist. Dazu zählen etwa medizinische Fach­ange­stellte sowie Pflege­personal. Damit könnten auch kleinere Apotheken Impfungen anbieten.

Das Konsenspapier soll nun als Diskussions­grundlage für die Gespräche mit der Politik dienen – mit dem klaren Ziel, Impfungen in Apotheken dauer­haft auszu­bauen und die Impf­quoten in Deutsch­land deutlich zu steigern.

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