Arzneimittelneuheiten 2026: welche Wirkstoffe auf den Markt kommen könnten

Nachdem wir im News­letter zuletzt die Arznei­mittel­innovationen des Jahres 2025 beleuchtet haben, richtet sich der Blick nun auf das Jahr 2026. Für die kommenden Monate zeichnet sich eine breite Palette potenzieller Neu­ein­führungen ab. Einige Wirk­stoffe haben bereits eine EU-Zulassung, andere verfügen über eine Empfehlung des EMA-Aus­schusses für Human­arznei­mittel oder befinden sich kurz vor der Einreichung des Zulassungs­antrags. Besonders weit fort­ge­schritten sind Präparate, die schon zuge­lassen wurden – und damit zu den aus­sichts­reichsten Kandidaten für eine baldige Markt­ein­führung gehören.

Zu diesen zählen Sunlenca® und Yeytuo®, die beide den anti­viralen Wirk­stoff Lenacapavir enthalten. Während Sunlenca® zur Behandlung multi­resistenter HIV-1-Infektionen einge­setzt wird, ist Yeytuo® für die HIV-Präexpositions­prophylaxe (HIV-PrEP) zuge­lassen und zeichnet sich durch eine nur halb­jährliche subkutane Erhaltungs­dosis aus. Lenacapavir weist dabei einen neu­artigen Wirk­mechanismus auf: Der Wirk­stoff bindet an die Monomere des HIV-Kapsids und stört so dessen Struktur, wodurch die Virus­replikation unter­bunden wird.

Ein weiterer bedeutender Neu­zugang ist Zuranolon (Zurzuvae®), das als erste in der EU zuge­lassene Therapie bei postpartaler Depression verfügbar ist. Zuranolon ist ein synthetisches Analogon von Allopregnanolon und wirkt vermut­lich über eine positive allosterische Modulation von GABAA-Rezeptoren, wodurch es die neuronale Aktivität beeinflusst. Mit Brensocatib (Brinsupri™) folgt zudem die erste zuge­lassene Substanz zur Behandlung nicht zystischer Bronchiektasen. Ergänzt wird die Liste potenzieller Markt­ein­führungen durch Clascoteron (Winlevi®) für die Behandlung von Akne sowie durch den bispezifischen HER2-Anti­körper Zanidatamab (Ziihera®), der bei bestimmten biliären Karzinomen vorge­sehen ist. Eben­falls relevant ist Teplizumab (Teizeild™), das im Stadium 2 des Typ-1-Diabetes einge­setzt werden soll, um das Fort­schreiten zur Mani­festation zu verzögern. Der Anti­körper richtet sich gegen das CD3-Protein auf T-Lymphozyten und soll sowohl auto­reaktive Zellen dämpfen als auch regulierende Zell­populationen stärken.

Noch im Prüfverfahren befinden sich mehrere weitere Kandidaten: Blarcamesin für die Alzheimer-Behandlung, Ensifentrin bei COPD und Obicetrapib als neuer CETP-Hemmer zur Lipid­senkung. Ob und wann diese Sub­stanzen auf den Markt kommen, wird sich insbe­sondere im Frühjahr 2026 entscheiden.
 


Quelle:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bunte-mischung-zu-erwarten-161315/

Bild: KI-generiert