Aimovig®: Fertigpen zur Migräneprophylaxe

Worauf Sie bei der Abgabe hinweisen sollten

Aimovig® (Wirkstoff: Erenumab) ist ein rekombinanter, voll­ständig humaner monoklonaler IgG2-Anti­körper, der gezielt den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) blockiert. Das Arznei­mittel ist zur Migräne­prophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migräne­tagen pro Monat zugelassen.

Die Anwendung erfolgt durch die Patientinnen und Patienten selbst als subkutane Injektion alle 4 Wochen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass es hierbei immer wieder zu Anwendungs­problemen kommt. Bei der Abgabe sollte daher auf die Besonder­heiten bei der Applikation hin­ge­wiesen werden, um gemeldete Anwendungs­fehler zu vermeiden.

Häufige Reklamationen – meist Anwendungs­fehler

Bei der Arzneimittelkommission gingen in den Jahren 2018 bis 2025 mehr als 200 Meldungen zu vermeintlichen Defekten des Aimovig®-Pens ein. Beanstandet wurden u. a. ein nicht auslösender Startmechanismus, unvollständige Entleerung mit Verdacht auf Unterdosierung sowie das Austreten der Injektionslösung auf die Haut.

Der pharmazeutische Unternehmer Novartis konnte in allen untersuchten Fällen jedoch keinen technischen Defekt feststellen. Die Ursachen lagen überwiegend in Anwendungsfehlern. Umso wichtiger ist eine strukturierte Einweisung bei der Abgabe.

Wichtige Beratungshinweise für die Praxis

  • Temperierung
    Da der Pen gekühlt gelagert wird, sollte er etwa 30 Minuten vor der Injektion bei Raumtemperatur liegen.
  • Nicht schütteln
    Der Pen darf vor der Anwendung nicht geschüttelt werden.
  • Injektionsstellen
    Geeignet sind Oberarm, Bauchregion und Oberschenkel.
  • Vorbereitung
    Die Injektionsstelle wird mit einem Alkoholtupfer gereinigt. Erst danach darf die Schutzkappe entfernt werden.
  • Zeitfenster beachten
    Nach Entfernen der Kappe muss die Injektion innerhalb von 5 Minuten erfolgen. Andernfalls kann die Lösung antrocknen und die Kanüle verstopfen – ein häufiger Grund für Reklamationen.

Richtige Anwendung des Pens

Während der Injektion sollte die Haut entweder gespreizt oder sanft zusammengedrückt werden. Der Pen wird anschließend im 90-Grad-Winkel auf die Haut aufgesetzt. Wichtig ist, ihn so fest aufzudrücken, bis kein weiteres Nachgeben mehr möglich ist – nur dann ist die Sicherheitshülse vollständig eingedrückt.

Erst jetzt wird der Startknopf betätigt. Ein Klicksignal zeigt den Beginn der Injektion an. Der Daumen kann anschließend vom Knopf genommen werden, der Pen muss jedoch weiterhin für etwa 15 Sekunden fest auf die Haut gedrückt werden.

Ein häufiger Fehler besteht darin, dass der Pen nicht ausreichend auf die Haut gepresst wird. In diesem Fall wird die Sicherheitshülse nicht vollständig aktiviert und der Injektionsmechanismus nicht ausgelöst. Erst wenn sich die Farbe im Sichtfenster von klar zu gelb verändert und gegebenenfalls ein weiteres Klickgeräusch zu hören ist, darf der Pen von der Haut entfernt werden. Die Nadel zieht sich anschließend automatisch in die Sicherheitshülse zurück.

Verdachtsmeldungen nicht vergessen

Sollten sich Patientinnen oder Patienten mit vermuteten Arzneimittelrisiken im Zusammenhang mit Aimovig® an Sie wenden, sollte eine entsprechende Dokumentation und Meldung bei der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker online unter www.arzneimittelkommission.de erfolgen.

Gut zu wissen

Aimovig® kann im Rahmen der bundesweiten Praxis­besonder­heit bereits nach dem Versagen einer konventionellen Migräne­prophylaxe verordnet werden. Dies gilt auch, wenn diese nicht ver­tragen wurde oder kontra­indiziert ist. Zu den relevanten Vergleichs­therapien zählen u. a. Beta­blocker (z. B. Metoprolol, Propranolol), Flunarizin, Topiramat, Amitriptylin sowie gegeben­en­falls Onabotulinumtoxin A.

Bildquelle: KI-generiert