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FSME breitet sich weiter aus

Das RKI hat in seinem neunten Epidemiologischen Bulletin dieses Jahres drei neue Kreise als Risiko­gebiete für Früh­sommer-Meningoenzephalitis (FSME) ausge­wiesen. Damit gelten mittler­weile 178 Kreise als FSME-Risiko­gebiete.

Im Jahr 2022 sind die gemeldeten FSME-Infektionen um 30 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen, dabei waren vor allem nicht oder nicht ausreichend geimpfte Personen betroffen.1 Die meisten Infektionen würden sich wahrscheinlich durch eine höhere Impfquote verhindern lassen: Laut einer aktuellen Studie ist die Schutzwirkung bei Einhaltung der empfohlenen Auffrischimpfungen mit 96,6 % sehr hoch.2 Die Impfquote ist laut der Datenauswertung der KV-Impfsurveillance am RKI von 2020 jedoch dürftig und stark ausbaufähig. Während in den betroffenen Kreisen immerhin 14,1–52,4 % der Kinder einen Impfschutz aufweisen, liegt die Impfquote bei den Erwachsenen gerade einmal bei 7,5–39,1 %.1 Jedoch ist es für Erwachsene besonders wichtig, sich impfen zu lassen, wenn sie in Risikogebieten leben oder sich dort aufhalten, da die Inzidenz ab 40 Jahren ansteigt und die Verläufe mit zunehmendem Alter schwerer ausfallen.

Relevanz von Impfberatung

Die drei neu ausgewiesenen Risikogebiete sind der Landkreis Anhalt-Bitterfeld in Sachsen-Anhalt sowie die Kreise Fürstenfeldbruck und München in Bayern. Damit gibt es in den drei am stärksten betroffenen Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen insgesamt nur noch sechs Kreise, die kein FSME-Risikogebiet sind. Dazu zählen in Baden-Württemberg der Stadtkreis Heilbronn, in Bayern die Stadtkreise Augsburg und Schweinfurt und in Sachsen der Stadt- und Landkreis Leipzig sowie der Landkreis Nordsachsen. Die Impfberatung ist in diesen drei Bundesländern also besonders wichtig. Aber auch in den anderen Bundesländern sollte die Impfung bei der Beratung, v. a. bei der Reiseapothekenberatung, mitbedacht werden, da es in der Urlaubszeit jedes Jahr viele Menschen in ein FSME-Risikogebiet zieht. Ein Ansatz zur Erhöhung der Impfquote könnte sein, die Impfung auch in Apotheken anbieten zu können.


1 RKI: Epidemiologisches Bulletin 9/2023, online abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/Ausgaben/09_23.html, Stand 02.03.2023
2 Nygren TM et al. Tick-borne encephalitis vaccine effectiveness and barriers to vaccination in Germany. Scientific Reports 2022; 12(1): 11706. DOI: 10.1038/s41598-022-15447-5