Wirk­stoffe von Medika­menten als Wimpern­wachs­tums­förderer

Wirk­stoffe in Medika­menten, die ur­sprüng­lich zur Behand­lung von Leiden wie erhöhtem Augen­innen­druck, Krebs­erkrankungen oder auch nach Organ­trans­plantationen einge­setzt werden, bieten auf­grund ihrer Neben­wirkung, das Wimpern­wachstum zu fördern, eine viel­ver­sprechende Grund­lage für wimpern­wachstums­fördernde Mittel in der Kosmetik­industrie.

Lange Wimpern sind heutzutage ein Schönheits­ideal, wurden jedoch früher unter dem Begriff „Trichomegalie“ mit bestimmten Erkrankungen oder medika­mentösen Behandlungen in Zusammen­hang gebracht.1 Eine Trichomegalie der Wimpern entsteht durch eine Ver­längerung der Phase des kontinu­ierlichen Wachstums (Anagen­phase), vor der Übergangs­phase (Katagenphase) und Ruhe­phase (Telogen­phase), oder durch eine verstärkte Differen­zierung der Follikel.

Prostaglandin-Analoga sind beispiels­weise Arznei­mittel zur Reduzierung des Augen­innen­drucks und regen bei Wimpern­follikeln den Switch von der Ruhe- in die Wachstums­phase sowie eine Verlängerung dieser Phase an. Die verlängernde, verdickende und verdunkelnde Wirkung bei Wimpern durch Prostaglandin-Analoga konnte bereits in Studien im Zusammen­hang mit abnormalem Haar­aus­fall und unzu­reichender Haar­dichte ohne ein­deutig fest­stell­baren Grund gezeigt werden.

EGFR-Inhibitoren, die normalerweise in der Krebs­behandlung zum Einsatz kommen, führen jedoch eben­falls durch eine Blockade der Aktivierung der Übergangs­phase und eine verstärkte Differen­zierung zu Trichomegalie. So konnte in mehreren Studien bei Krebs­patientinnen und -patienten, die mit EGFR-Inhibitoren behandelt wurden, eine Verlängerung der Wimpern fest­ge­stellt werden. Ebenfalls die Aktivierung der Übergangs­phase hemmt Interferon-alpha, welches zur Behandlung der chronischen Hepatitis und dem kutanen Melanom einge­setzt wird.

Orale Calcineurin-Inhibitoren, die häufig zur Ver­hinderung der Ab­stoßung von Organ­trans­plantaten einge­setzt werden, bewirken durch Aufhebung der Hemmung der Follikelstammzellen den Übergang von der Ruhe- in die Wachstums­phase. In mehreren Fall­berichten wurde dokumentiert, dass Calcineurin-Inhibitoren zu einer über­mäßigen Wimpern­verlängerung führten.

Die Entdeckung der Trichomegalie-fördernden Medikamente hat nicht nur das Verständnis der Regulations­mechanismen vertieft, sondern auch die Entwicklung neuer Wimpern­wachstums­förderer für die Kosmetik­industrie voran­getrieben.
 


1 Hutchison et al. (2021). Eyelash trichomegaly: a systematic review of acquired andcongenital aetiologies of lengthened lashes. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.17877