Beratung
Nebenwirkungen?

Keine Angst vor Cannabis
Medizinisches Cannabis war bei seiner Zulassung in Deutschland ein Kuriosum. Ohne eigentliche klinische Studien und Langzeiterfahrungen wurde es relativ kurzfristig freigegeben. Vor diesem Hintergrund gibt es den einen oder anderen Patienten, der sich so seine Gedanken macht, ob diese – zumindest in Deutschland – junge Therapieform auch negative Folgen haben kann.
Seit rund 6 Jahren wird medizinisches Cannabis in Deutschland verordnet. Möglich gemacht hat dies das Gesetz „Cannabis als Medizin“ aus dem Jahr 2017. In den vergangenen Jahren konnten Erkenntnisse über die Verträglichkeit, Nebenwirkungen und Langzeitwirkungen gewonnen werden. Demnach werde medizinisches Cannabis üblicherweise gut vertragen, und sollten Nebenwirkungen auftreten, sind diese normalerweise harmlos und klingen mit zunehmender Toleranz mehr und mehr ab.
Zu den typischen Nebenwirkungen gehören erwartungsgemäß Mundtrockenheit, Augenrötungen, leichte Euphorie, ein erhöhter Appetit, ein verringerter Blutdruck sowie eine verringerte Aufmerksamkeit des Patienten, insbesondere in den ersten Stunden nach dem Konsum. Weniger bekannt ist eine Erhöhung der Herzfrequenz. Allen Nebenwirkungen ist dabei gemein, dass sie generell nur vorübergehend auftreten und mit der Zeit schwächer werden. Innerhalb weniger Stunden sind sie normalerweise verschwunden.
Abhängigkeitspotenzial?
Bisherige Erkenntnisse lassen vermuten, dass das Potenzial einer Cannabis-Abhängigkeit bei sachgemäßer medizinischer Nutzung minimal ist. Durch die stetige Überwachung durch den Arzt ist im Vergleich zum privaten Konsum zudem eine zusätzliche Sicherheitsstufe gegeben. Vorsicht ist lediglich bei Patienten geboten, bei denen Suchtverhalten zu erwarten ist, etwa, weil bereits eine andere Abhängigkeit bestand oder noch besteht.
Überdosierungsgefahr
Eine Überdosierung mit medizinischem Cannabis bringt normalerweise keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen mit sich. So kann es teils zu Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen kommen. In seltenen Fällen besteht das Risiko von Psychosen und Angstzuständen – dies ist aber nach aktuellem Kenntnisstand vor allem dann der Fall, wenn über lange Zeit sehr hohe Dosen verabreicht werden. Unter normaler Behandlung treten diese Nebenwirkungen Beobachtungen zufolge eigentlich nicht auf.
Noch ist vieles ungeklärt
Bis wirkliche Langzeitdaten zum medizinischen Cannabis vorliegen, wird es noch einige Zeit dauern. Die kurzfristigen Ergebnisse scheinen aber aufzuzeigen, dass Cannabis im Allgemeinen sehr gut vertragen wird und kaum bedenkliche Nebenwirkungen mit sich bringt. Vorsicht ist lediglich bei Patienten geboten, die zu Psychosen und Abhängigkeitsverhalten neigen bzw. eine genetische Prädisposition zu psychischen Erkrankungen haben.