Interview
Was bedeutet die Legalisierung von Cannabis für die Apotheken?

Ein Bericht aus der Praxis
Seit dem 1. April ist das Cannabisgesetz in Kraft. Dronabinol und Medizinalcannabis fallen somit nicht mehr unter die Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes.
Verschreibungen müssen nun auf Muster-16- bzw. E-Rezepten erfolgen. Während sich für Apotheken der bürokratische Aufwand verringert haben dürfte, fällt auch der BtM-Zuschlag weg.
Ist das neue Gesetz also eine Erleichterung oder doch der gleiche Aufwand für weniger Geld? DAP hat mit Dr. Stephanie Spahn, Inhaberin der Fähren-Apotheke, gesprochen, um zu erfahren, was sich in der Praxis bisher konkret verändert hat.
DAP: Frau Dr. Spahn, seit wann bieten Sie in der Fähren-Apotheke die Abgabe von medizinischem Cannabis an?
Dr. Stephanie Spahn: Im Januar 2023 haben wir angefangen, uns auf die Abgabe von medizinischem Cannabis in größerem Rahmen vorzubereiten. Im März 2023 sind wir dann mit unserem Online-Shop www.cannalivery.com ins Netz gegangen. Wir, das sind mein Bruder, Michael Thiebes, und ich und natürlich unser Team, das mit der Zeit immer größer geworden ist und für das wir ständig auf der Suche nach Verstärkung sind, da die Nachfrage nach medizinischem Cannabis weiterhin zunimmt.
DAP: Seit dem 1. April hat sich in Ihrer Apotheke sicherlich einiges in Bezug auf Medizinalcannabis verändert. Haben Sie sich im Vorfeld auf das neue Gesetz vorbereitet?
Dr. Stephanie Spahn: Ja, es hat sich auf jeden Fall einiges geändert. Die wohl größte Veränderung ist, dass die Nachfrage stark gestiegen ist, da für die Ärzte und Ärztinnen die Hürde, medizinisches Cannabis zu verschreiben, gesunken ist. Wir haben versucht, uns darauf vorzubereiten, indem wir unsere Lagerkapazität erhöht und uns personell breiter aufgestellt haben.
DAP: Würden Sie die Entlassung von Medizinalcannabis aus der Betäubungsmittelpflicht insgesamt als eine Erleichterung für die Apotheken ansehen?
Dr. Stephanie Spahn: Auf jeden Fall! Die größte Erleichterung ist, dass die Dokumentationen wegfallen. Wenn wir aktuell weiter alle Zu- und Abgänge dokumentieren müssten, könnten wir vermutlich mindestens eine Person den ganzen Tag damit beschäftigen. Außerdem ist es sowohl für uns als auch für die Patienten und Patientinnen natürlich eine Erleichterung, dass die Rezepte nun nicht mehr nur 7 Tage, sondern bis zu 3 Monate gültig sind. Das war früher teilweise ein Problem, da jedes Rezept vor der Gesetzesänderung auf dem Postweg zu uns gekommen ist. Je nachdem, wie schnell die Patienten und Patientinnen ihr Rezept vom Arzt bekommen haben und der Postweg gedauert hat, war das Rezept bei der Ankunft schon nicht mehr gültig und musste dann wieder neu angefordert werden. Der bürokratische Aufwand ist durch die Entlassung aus der Betäubungsmittelpflicht also insgesamt deutlich reduziert.
DAP: Bekommen Sie viele Rezepte von Telemedizin-Anbietern?
Dr. Stephanie Spahn: Ja, mittlerweile kommt ein großer Teil von Telemedizin-Anbietern. Die Anbieter standen pünktlich zur Gesetzesänderung in den Startlöchern und sind wohl auch mit der größte Faktor für die gesteigerte Nachfrage nach medizinischem Cannabis. Aber auch die Ärzte und Ärztinnen vor Ort sind seit der Gesetzesänderung offener für Cannabis-Verordnungen und wir sind für unsere lokalen Ärzte und Ärztinnen diesbezüglich der erste Ansprechpartner.
DAP: Mit welchen Herausforderungen haben Sie in der Apotheke seit der Gesetzesänderung besonders zu kämpfen?
Dr. Stephanie Spahn: Für meinen Bruder und mich war von Anfang an klar, dass sich unsere Apotheke immer durch besonders guten Service und pharmazeutische Beratung auf höchstem Niveau auszeichnen soll. Wir betreiben seit 2020 drei lokale Apotheken in Niederkassel, in denen wir dieses Motto leben, und unser Ziel war von Anfang an, wenn wir uns auf medizinisches Cannabis spezialisieren, sollen das auch in diesem Bereich weiterhin unsere Qualitätsmerkmale sein. Durch die Gesetzesänderung ist die Nachfrage sehr schnell durch die Decke geschossen, unser Team konnten wir aber aufgrund der aktuellen Personallage nicht so schnell vergrößern. Das hat uns natürlich an unsere Grenzen gebracht und die größte Herausforderung war dabei, weiterhin einen erstklassigen Service für jeden Einzelnen anzubieten und dabei die Masse an Nachfragen zu bewältigen. Trotzdem würde ich sagen, dass wir das zusammen mit unserem engagierten Team weitestgehend geschafft haben.
DAP: Wie stehen Sie dem neuen Gesetz gegenüber? Hätten Sie Anpassungen vorgenommen?
Dr. Stephanie Spahn: In Bezug auf medizinisches Cannabis stehe ich der Gesetzesänderung positiv gegenüber. Ich bin froh, dass medizinisches Cannabis den Patienten und Patientinnen dadurch, dass die Verschreibung für die Ärzte und Ärztinnen leichter geworden ist, einfacher zugänglich gemacht wurde. Hinter jedem Patienten und jeder Patientin steckt eine Geschichte und wir bekommen natürlich in der Apotheke viele Krankheitsgeschichten unserer Kunden und Kundinnen mit. Es ist immer wieder schön zu hören, wenn sich die Lebensqualität eines Menschen durch die Anwendung von medizinischem Cannabis deutlich verbessert.