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Sodbrennen und saures Aufstoßen – fast jeder hat diese unangenehmen, mitunter sogar schmerzhaften Symptome schon einmal erlebt und weiß, wie störend und belastend diese Beschwerden sein können. Es ist daher verständlich, dass die Menschen, bei denen diese Symptome stärker ausgeprägt sind und immer wiederkehren, einen hohen Leidensdruck haben. Sie wissen nicht, was sie essen sollen, die Symptome können so dominant sein, dass sie den gesamten Tag belasten oder sogar zu Schlafstörungen führen. Viele Betroffene wenden sich zunächst an die Apotheke – mit dem klaren Wunsch nach schneller und wirksamer Hilfe. Bislang konnte das Apotheken-Team ausschließlich bei leichterer Ausprägung der Beschwerden medikamentöse Hilfe anbieten.

Seit 1. August 2009 haben sich die therapeutischen Möglichkeiten in der Selbstmedikation um die Arzneimittelklasse der Protonenpumpeninhibitoren (PPI) erweitert. Im Folgenden möchten wir die Themen Ursachen, Auslöser und Therapie von säurebedingten Magenproblemen genauer unter die Lupe nehmen und folgende Punkte detailliert besprechen:

Ergänzend zu diesen Informationen haben wir für Sie drei exemplarische Beratungsgespräche erarbeitet. Diese sollen Ihnen als Anregung für Ihre individuelle Beratung dienen. Zudem möchten wir Sie motivieren, die erweiterten Möglichkeiten in der Selbstmedikation zu nutzen und jetzt noch individueller, also exakt auf die Probleme Ihrer Patienten abgestimmt, zu beraten. Außerdem haben wir Fragen zusammengestellt, mit deren Hilfe Sie Ihr Wissen prüfen können. Ob Sie nun eine Lerngruppe bilden und sich das Wissen gemeinsam erarbeiten oder sich das Thema im Selbststudium erschließen: Wir wünschen Ihnen viel Freude bei Wissensauffrischung und Beratung. Ihre Patienten werden Ihren kompetenten Rat und Ihre nützliche Hilfe zu schätzen wissen!

Ca. 40 % der erwachsenen Deutschen leiden regelmäßig oder gelegentlich an Sodbrennen. Für viele Betroffene ist die Apotheke die erste Anlaufstelle. Dies bedeutet: Etwa jeder 3. Patient in Ihrer Apotheke kennt dieses Gesundheitsproblem und Sie werden fast täglich damit konfrontiert. Doch nicht jeder Betroffene fragt gezielt nach einem Mittel gegen Sodbrennen und saures Aufstoßen. Viele Patienten können ihre Beschwerden nur diffus beschreiben. Dies stellt besondere Ansprüche an das Beratungsgespräch.

Allen Kunden ist gemeinsam, dass sie sich eine schnelle und wirksame medikamentöse Hilfe wünschen. Für Sie bedeutet dies, fundierte Kenntnisse über die Ursache, den Verlauf und unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten von Sodbrennen zu besitzen. Vor allem die kürzlich aus der Verschreibungspflicht entlassenen Protonenpumpeninhibitoren, kurz PPI genannt, werden eine zunehmend wichtigere Rolle in der Selbstmedikation spielen. Welche Fragen Sie stellen und welche möglichen Alarmsymptome Sie beachten müssen, wird Gegenstand der nächsten Kapitel sein.

Säurebedingte Magenbeschwerden äußern sich durch 2 Leitsymptome:

  • Schmerzen bzw. Brennen hinter dem Brustbein, die bis in den Hals bzw. die Kehle ausstrahlen können
  • Saures Aufstoßen

Oft gehen säurebedingte Magenprobleme auch mit Magendruck und Magenschmerzen einher. Außerdem können weitere Symptome wie z. B. chronischer Husten, chronische Kehlkopfentzündung, Asthma und Zahnerosionen auftreten – in allen diesen Fällen spricht man von einer extraösophagealen Manifestation.

Sodbrennen und saures Aufstoßen können ganz spontan auftreten, überwiegend werden sie jedoch nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel, Medikamenten oder Getränke ausgelöst, da nach dem Essen die Säureproduktion des Magens angeregt wird. Insofern ist es prinzipiell nicht ungewöhnlich, wenn hin und wieder, z. B. nach einer üppigeren Mahlzeit, etwas Speisebrei oder Magensäure zurück in die Speiseröhre gelangt. Dieser Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre wird „Reflux“genannt. Treten die Leitsymptome Sodbrennen und saures Aufstoßen regelmäßig und häufiger als 2x pro Woche auf, spricht man von gastroösophagealer Refluxkrankheit oder GERD (= Gastro Esophageal Reflux Disease). 

Die menschliche Verdauung ist ein komplexer Prozess, an dem vielfältige Organe beteiligt sind.

 Anatomie des Verdauungstraktes

Der Verdauungstrakt beginnt in der Mundhöhle und reicht bis zum Darmausgang. Er ist vollständig mit Schleimhaut ausgekleidet.

Funktion der Verdauungsorgane und Ablauf der Verdauung

Die Hauptfunktion des Verdauungsapparates besteht in der Aufschließung der Nahrung in ihre Bestandteile und deren Aufnahme ins Blut. Die Verdauung beginnt bereits in der Mundhöhle. Hier wird die Nahrung durch das Kauen vorwiegend mechanisch zerkleinert und mit Speichel vermischt. Anschließend gelangt die zerkleinerte Nahrung in die Speiseröhre – einen Muskelschlauch, dessen wellenartige Kontraktionen sie in den Magen befördert.

Am Übergang von der Speiseröhre in den Magen befindet sich ein Schließmuskel, der untere Ösophagussphinkter. Sobald die Nahrung in den unteren Teil der Speiseröhre gelangt ist, öffnet sich der Sphinkter. Die Nahrung kommt in den Magen – einen Muskelsack mit 1 bis 1,5 l Fassungsvermögen, der mehrere Funktionen erfüllt. Er produziert den sauren Magensaft, der sich im Magenfundus (Magengewölbe) und Magencorpus (Magenkörper) mit dem Nahrungsbrei (Chymus) vermischt, ihn chemisch verändert sowie physikalisch (z. B. durch Kontraktion der Magenwand) zerkleinert. Durch den Pylorus („Pförtner“) wird die Nahrung portionsweise in den Zwölffingerdarm (Duodenum) abgegeben. Hier findet die Vorverdauung und Aufspaltung der Eiweiße (Proteine) statt.

Hierfür wird der Nahrungsbrei mit Gallenflüssigkeit aus der Leber und Pankreassekret (hauptsächlich Bicarbonat und Verdauungsenzyme) aus der Bauchspeicheldrüse versetzt. Auf diese Weise wird der saure Mageninhalt neutralisiert und in die einzelnen Bestandteile, d. h. in Kohlenhydrate, Fette und Proteine aufgespalten. Anschließend werden die Nährstoffbausteine in den Darmzotten des Dünndarms ins Blut resorbiert; unverdaute Reste wandern weiter in den Dickdarm, wo dem Speisebrei die restliche Flüssigkeit entzogen und die nicht verdauten Nahrungsbestandteile angedickt werden. Die letzte Station ist der Mastdarm – die unverdaulichen Reste werden über den Kot ausgeschieden.

Die Produktion des Magensaftes

Der gesamte Magen ist – wie die anderen Organe des Verdauungstraktes auch – durch eine Schleimhaut aus Zylinderepithel ausgekleidet. In der Magenschleimhaut oder Mukosa befinden sich verschiedene Drüsenzellen, die unterschiedlichste, für die Verdauung essenziell wichtige Stoffe sezernieren: Epithel- und Nebenzellen produzieren Schleim bzw. Bicarbonat, ein alkalisches Sekret, das eine wichtige Schutzfunktion gegenüber dem aggressiven Magensaft ausübt. Pepsinogen wird in den Hauptzellen und Gastrin in den G-Zellen hergestellt. In den Belegzellen erfolgt die Produktion der Salzsäure (HCl), dem Hauptbestandteil des Magensaftes. Außerdem wird dort der Intrinsic-Faktor sezerniert.

Zusammensetzung und Funktionen des Magensaftes:

Magensäure (ca. 0,5%-ige HCl)

  • spaltet Eiweiße
  • wandelt Pepsinogen in das aktive, proteinspaltende Pepsin um
  • wirkt bakterizid

Schleim

  • macht den Chymus gleitfähig
  • schützt die Mukosa vor der aggressiven Magensäure HCl

Intrinsic-Faktor (Glykoprotein)

  • dient der Vitamin B12-Aufnahme

Der Magensaft ist eine gelbliche, geruchlose Flüssigkeit, die im nüchternen Zustand einen pH-Wert von 0,8 bis 1,0 hat. Täglich werden etwa 2-3 Liter Magensaft gebildet. Im nüchternen Zustand sezerniert der Magen allerdings nur 10% des Volumens, das nach maximaler Stimulation der Magensaftproduktion produziert werden kann. Reguliert wird die Salzsäurefreisetzung durch die Hormone Gastrin, Acetylcholin und Histamin, wobei der Stimulus für die Magensaftsekretion die Aufnahme von Nahrung ist.

Säurebedingte Magenbeschwerden können ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Bei ca. 60% der Patienten haben die säurebedingten Magenprobleme funktionelle Ursachen ohne organische Störungen. Überwiegend werden sie durch äußere Lebensumstände ausgelöst:

  • Fett- und zuckerreiche Lebensmittel, schnelles und hastiges Essen sowie voluminöse Mahlzeiten steigern unmittelbar die Magensäureproduktion und beeinflussen den Muskeltonus des Sphinkters (fettreiche Nahrungsmittel senken den Druck, wohingegen eiweißreiche Nahrung den Muskeltonus eher steigert und somit vor dem Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre schützt)
  • Essen unmittelbar vor dem Schlafengehen (im Liegen ist der Rückfluss von Nahrungsbrei in die Speiseröhre erleichtert)
  • Genussmittel wie Nikotin, Alkohol und Koffein regen die Säureproduktion an und reizen teilweise zusätzlich die Magenschleimhaut
  • Stress, Hektik und seelische Belastungen steigern die Magensäureproduktion im Magen
  • Übergewicht führt – oft einhergehend mit großen, üppigen Mahlzeiten – zu einem erhöhten Druck im Bauchraum, was einen Reflux begünstigt


Organische Ursachen können sein:

  • Übermäßige Magensäureproduktion
  • Verminderte Selbstreinigung der Speiseröhre,
    d. h., die Speiseröhre wird nicht ausreichend entleert
  • Geschwächter Schließmechanismus des Sphinkters – tritt häufig mit zunehmendem Alter auf; außerdem sind bis zu 50% der Schwangeren betroffen, wobei die Schwere der Symptome im Verlauf der Schwangerschaft zunimmt
  • Hiatus-Hernie oder Zwerchfellbruch – Verlagerung eines Teils des Magens in den Brustraum


Bestimmte Medikamente können ebenfalls säurebedingte Symptome auslösen. Hierzu gehören:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR, z. B. Diclofenac, ASS, Naproxen, Ibuprofen)
  • Kortikoide
  • Kalziumantagonisten
  • Eisenpräparate

Sodbrennen ist äußerst unangenehm und kann bei schwerer Ausprägung und bei häufigem Auftreten die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Positiv ist, dass bei den meisten Patienten trotz wiederkehrender Symptome keine Schleimhautveränderungen erkennbar sind. Die Krankheit schreitet nur langsam voran und eine Krankheitsprogression ist eher die Ausnahme. Dies ist einer der Gründe, weshalb die Behandlung von Sodbrennen und saurem Aufstoßen sehr gut in der Selbstmedikation möglich ist. Maskiert die Symptomatik eine schwerwiegende Erkrankung, z. B. Krebs, geht dies meist mit erkennbaren Alarmsymptomen einher. Das Vorliegen solcher Alarmzeichen ist im Beratungsgespräch in der Apotheke durch gezieltes Nachfragen auszuschließen.

Bei folgenden Alarmsymptomen sollte der Patient unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache (evtl. mittels Endoskopie) genau abklären zu lassen:

 

Sodbrennen und saures Aufstoßen können sehr unangenehm sein und sogar als schmerzhaft empfunden werden. Daher wünschen sich die Betroffenen eine schnelle Linderung ihrer Beschwerden. Bei geringerer Ausprägung sollten zunächst die Lebensumstände hinterfragt und gezielt beeinflusst werden; aber auch bei schwerer Symptomatik sollten eine Änderung des Lebensstils bzw. der Essgewohnheiten und eine medikamentöse Therapie Hand in Hand gehen:

Nichtmedikamentöse Therapie

  • Änderung des Lebensstils
    - Stress abbauen, Ruhepausen einbauen
    - Mahlzeiten in Ruhe einnehmen, sorgfältig kauen
    - Bei Übergewicht: abnehmen
  • Ernährung und Ernährungsgewohnheiten ändern
    - Nikotin, Alkohol, Koffein meiden
    - Zuckerhaltige Speisen und Getränke sowie fettreiche und stark gewürzte Speisen    meiden; so genannte „Säurelocker“ sind Süßigkeiten, Fettgebackenes, Hülsenfrüchte,    frisches Brot, scharfe Gewürze, Kaffee, Fruchtsäfte, kohlensäurehaltige Getränke (Soft-    drinks), Pfefferminztee
    - Mehrere kleine, statt wenige große Mahlzeiten
    - Nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen essen

Allgemeine Maßnahmen

  • Schlafen mit hochliegendem Kopf (z. B. durch Keilkissen)
  • Keine enge Kleidung (enge Hosen, Gürtel) tragen
  • Regelmäßig bewegen

Medikamentöse Therapie/Selbstmedikation
Für die medikamentöse Selbstmedikation stehen im Wesentlichen drei Arzneimittelgruppen zur Verfügung: Antazida, H2-Blocker und ganz neu die bislang den Ärzten vorbehaltene Standardtherapie mit Protonenpumpeninhibitoren (PPI).

  • Antazida

Antazida werden schon lange in der Selbstmedikation säurebedingter Magenbeschwerden eingesetzt.

Anwendung: Bei gelegentlichem Sodbrennen
Bei leichteren Beschwerden
Bei Bedarf, wenn schnelle Hilfe gewünscht ist
Wirkmechanismus: Lokal. Basische Mineralien binden bzw. neutralisieren überschüssige Magensäure direkt im Magen; sie können zudem Pepsin reversibel inaktivieren und aggressive Gallensäuren binden, die vom Dünndarm in den Magen oder sogar bis in die Speiseröhre zurückfließen können.
Schneller Wirkeintritt: Meist innerhalb weniger Minuten
Begrenzte Wirkdauer: 2-4 h
Wirkstoffe: Schichtgitterantazida (z. B. Magaldrat, Hydrotalcid), Carbonate (z. B. Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat), Aluminium- und Magnesiumhydroxid-Gemische
Verträglichkeit: Sehr gut. Auch in Schwangerschaft und Stillzeit über kurze Zeit (einige Tage) einsetzbar
Besonderer Hinweis: Können Resorption anderer Arzneimittel beeinflussen, daher sollte die Einnahme anderer Medikamente erst 2 h nach der Antazida-Einnahme erfolgen

  • H2-Blocker

H2-Blocker sind – je nach Wirkstoff und Wirkstoffgehalt – entweder apothekenpflichtig oder
verschreibungspflichtig.

Anwendung: Vor allem bei nächtlichem Sodbrennen
Einnahme vor dem Schlafengehen
Wirkmechanismus: Systemisch. Blockieren die Bindung des körpereigenen Botenstoffes Histamin an den H2-Rezeptoren und unterbinden die Produktion von Magensäure in den Belegzellen
Verzögerter Wirkeintritt: nach etwa 45–60 Minuten, ca. 12 h Säureverminderung
Wirkstoffe: Famotidin 10 mg, Ranitidin 75 mg
Weitere Wirkstoffe/höhere Dosierungen: verschreibungspflichtig
Verträglichkeit: Gut. Schwangerschaft/Stillzeit: Strenge Indikationsstellung
Hinweis: Wirken schwächer als PPI

  • PPI

Der Wirkstoff Omeprazol – der erste Vertreter der Protonenpumpenhemmer (PPI) – wurde 1989 in Deutschland als verschreibungspflichtiges Arzneimittel eingeführt und entwickelte sich seitdem zur ärztlichen Standardtherapie bzw. Therapie der Wahl bei GERD. Weltweit wurden PPI bislang in mehr als 1350 klinischen Studien geprüft und bei mehr als einer Milliarde Patienten eingesetzt. In vielen Ländern, z. B. in den USA, in Großbritannien, Schweden oder Dänemark, hat sich Omeprazol in der Selbstmedikation seit Jahren etabliert. Omeprazol ist mit einem Marktanteil von mehr als 65% der am häufigsten verwendete PPI in Deutschland und gleichzeitig Leitsubstanz der Substanzklasse.

Anwendung: Bei wiederkehrenden Symptomen, bei schwereren Symptomen, bei unklarem Auslöser, zur nachhaltigen Linderung der Beschwerden (> 24h)
Wirkmechanismus: Systemisch. PPI werden über den Darm aufgenommen und über das Blut weitertransportiert. Sie greifen in den Belegzellen (Parietalzellen) der Magenschleimhaut an und hemmen die Protonenpumpen. Dies sind Transmembranproteine bzw. Enzyme, die H+-Ionen (Protonen) ins Mageninnere transportieren. Dort bilden H+-und Cl--Ionen die Magensalzsäure (HCl), die für den sauren pH-Wert des Mageninhaltes verantwortlich ist.



Omeprazol ist wie die anderen PPI ein Prodrug, das erst nach Aufnahme in die Parietalzellen der Magenschleimhaut bei saurem pH-Wert in den säurefreisetzenden Canaliculi (kleine Kanäle) in den eigentlichen Wirkstoff, das Sulfenamid, umgewandelt wird.

Das Sulfenamid bewirkt über die Ausbildung von Disulfidbrückenbindungen eine irreversible und selektive Hemmung der Protonenpumpen (H+/K+-ATPase), die erst durch Neubildung wieder die Säuresekretion aufnehmen können. Dies erklärt die lange klinische Wirksamkeit von Omeprazol (24–48 h) trotz kurzer Halbwertszeit (1 h).



PPI unterbinden den letzten Schritt in der Magensäureproduktion, wobei nur aktive Protonenpumpen gehemmt werden. Bei der Behandlung des Sodbrennens gilt ein Zielwert von pH 4.
Wirkeintritt: Der Aufbau der maximalen Wirksamkeit erfolgt sukzessive über 1–3 Tage.
Wirkstoffe/ Standarddosierungen: Zur Selbstmedikation: Omeprazol 20 mg (max. 280 mg), Pantoprazol 20 mg (max. 280 mg)
Verschreibungspflichtig: Omeprazol 20, 40 mg, Esomeprazol 20 mg, Pantoprazol 20, 40 mg, Lansoprazol 30 mg, Rabeprazol 20 mg
Anwendung in der Selbstmedikation: Bei häufigen, stärkeren Symptomen
Bei unklarem Auslöser des Sodbrennens
Bei einer nicht erfolgreichen Vorbehandlung mit Antazida
Wenn keine Alarmsymptome vorliegen
Um die Beschwerden nachhaltig zu lindern
Auch als Kur bei häufigen, länger anhaltenden und wiederkehrenden Beschwerden
Anwendungsdauer: Optimale Wirkung bei mehrtägiger Anwendung (optimal sind 14 Tage)
Wirkungssteigerung innerhalb weniger Tage bis zum Maximum
Tageshöchstdosis: 1 Tablette innerhalb 24h
Maximale Anwendungsdauer in der Selbstmedikation: 14 Tage
Verträglichkeit: Sehr gut. Schwangerschaft und Stillzeit: Nur nach besonderer Nutzen/Risiko- Abwägung und Konsultation eines Arztes
Sicherheit: KPPI gibt es bereits seit den 1980er Jahren, wobei Omeprazol der am häufigsten eingesetzte PPI ist. Neben einer umfangreichen Studien- und Datenlage (1350 klinische Studien) konnten in den über 20 Jahren seit Einführung umfangreiche Erfahrungen gesammelt werden.
Nebenwirkungen: Die am häufigsten auftretenden Nebenwirkungen sind Diarrhö, Übelkeit und Kopfschmerzen; sie sind meist von leichterer Intensität und selbstlimitierend.
Wechselwirkungen: Grundsätzlich gibt es zwischen den Protonenpumpenhemmern Omeprazol und Pantoprazol keine klinisch relevanten Unterschiede hinsichtlich der Wechselwirkungen.1 Apotheker sollten die potenzielle Wechselwirkung zwischen Clopidogrel und PPIs oder anderen Arzneimitteln, die CYP2C19 inhibieren, beachten.

Diese Wechselwirkung könnte zu einer Verminderung der klinischen Aktivität von Clopidogrel führen.2 Patienten sollten Clopidogrel weiterhin wie verordnet einnehmen.2 Wenn die Anwendung eines gastroprotektiven Arzneimittels angezeigt ist, sollte berücksichtigt werden, dass andere magensäurevermindernde Arzneimittel, wie H2-Blocker oder Antazida, die thrombozytenaggregationshemmende Wirkung von Clopidogrel nicht beeinträchtigen.2

Omeprazol kann wie andere PPI aufgrund der Anhebung des Magen-pH-Wertes die Bioverfügbarkeit von Azol-Antimykotika wie Itraconazol und Ketoconazol vermindern.3 Bei den nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist insbesondere zu beachten, dass Omeprazol nicht gleichzeitig mit Johanniskraut gegeben werden sollte, da die Wirkung von Omeprazol gemindert wird, da Johanniskraut ein potenter Induktor von CYP2C19 ist.4

Darüber hinaus sind zahlreiche Wechselwirkungen mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln (Diazepam, Digoxin, Warfarin) zu beachten, die über das gleiche Enzymsystem in der Leber (CYP2C19) abgebaut werden.3

Bei der gleichzeitigen Gabe von Antazida (z. B. Maaloxan) ist zu beachten, dass ein zeitlicher Abstand von 2 Stunden eingehalten wird, da Antazida die Resorption von Arzneimitteln generell beeinträchtigen können.4
Gegenanzeigen: Atazanavir, Clarithromycin bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen sowie in Kombination mit Terfenadin, Astemizol, Carbamazepin
Studienlage: Omeprazol ist der am besten dokumentierte PPI und deshalb Leitsubstanz. Es gibt verschiedene auf Omeprazol basierende Präparate, die sich in ihrer Galenik, nicht jedoch in ihrer medizinischen Wirksamkeit unterscheiden.

Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit ergaben:
80% der Probanden nach erster Einnahme bereits mit deutlich verminderten Symptomen,
50% sogar beschwerdefrei, hervorragende Sicherheit5

Bei Patienten mit Refluxösophagitis zeigte Omeprazol (20 mg/Tag) nach 8 Wochen eine Heilungsrate von 90% und war vergleichbar wirksam wie Pantoprazol (40 mg/Tag)6.

Langzeitwirkung7: In einer Studie mit 649 Teilnehmern und einer 14-tägigen Anwendung von Omeprazol konnte gezeigt werden, dass 43% der Probanden über einen Zeitraum von 3 Monaten frei von Sodbrennen waren.

  • Zusammenfassung

PPI eröffnen einen ganz neuen Weg für die Selbstmedikation von Sodbrennen und saurem Aufstoßen. Dabei handelt es sich um eine Therapie, die durch die Unterbindung des letzten Schrittes in der Magensäureproduktion das Übel an der Wurzel packt. Omeprazol ist der meistverwendete und am besten untersuchte PPI, der sich durch eine einfache Anwendung und gute Verträglichkeit auszeichnet.

Omeprazol 20 mg (z. B. Omeloxan) ist das ideale Präparat zur wirkungsvollen und nachhaltigen Beschwerdelinderung bei stärkeren und/oder regelmäßig wiederkehrenden säurebedingten Magenbeschwerden.



1 Wirkstoff aktuell – Pantoprazol (03/2007) – www.akdä.de
2 Rote Hand Brief Clopidogrel (Juli 2009). www.akdä.de
3 Fachinformation Omeloxan (Omeprazol), Stand 09/2009
4 Martin E. Protonenpumpenhemmer in der Apotheke. Pharmazie in unserer Zeit 2005;
   34: 228-235
5 Allgood LD et al. Comparison of prisolec OTC™(omeprazole magnesium 20•6 mg)
   to placebo for 14 days in the tratment of requent heartburn.
   J Clin Pharm Ther 2005; 30 (2): 105-112
6 Mössner J et al. A double-blind study of pantoprazole and omeprazole in the
   treatment of reflux oesophagitis: a multicentre trial Aliment Pharmacol Ther 9: 321-326
7 Fendrick AM et al. Self-Selection and Use Patterns of Over-the-Counter
   Omeprazole for Frequent Heartburn. Clin Gastroenterol Hepatol 2004; 2 (1): 17-21


 





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