Apotheker können von der Substitution bzw. der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel absehen, wenn dem im konkreten Einzelfall – aus Sicht des Apothekers – pharmazeutische Bedenken (ApBetrO § 17 Abs. 5) entgegenstehen.
Zytostatika
Zytostatika werden in erster Linie zur Behandlung von Krebserkrankungen, teilweise auch bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen, eingesetzt. Es handelt sich dabei um Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen, z.B. indem die DNA-Replikation unterbunden wird. Damit bremsen sie auch das Wachstum von Tumorgewebe, welches besonders empfindlich gegenüber Zytostatika ist.
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Neben den klassischen Zytostatika werden heute in der Behandlung von Tumorerkrankungen auch Hormone oder Hormonantagonisten eingesetzt. Sie sind keine Zytostatika im eigentlichen Sinn, können aber das Tumorwachstum bremsen, sofern dieses hormonabhängig ist. Dies trifft insbesondere auf Prostata- , Mamma- und Korpuskarzinome des Uterus häufig zu. Das Wachstum von Mammakarzinomen wird z.B. durch das Sexualhormon Estrogen beeinflusst. Durch den Einsatz von Antiestrogenen und sog. Aromatasehemmern kann der Estrogenspiegel gesenkt und das Tumorwachstum somit vermindert werden.
„Pharmazeutische Bedenken“ bei Zytostatika
Zytostatika gehören laut der Leitlinie „Gute Substitutionspraxis“ der DPhG zu den Arzneimitteln, bei denen eine Substitution kritisch sein kann. Dies liegt insbesondere in der komplexen Therapie von Krebserkrankungen begründet.
Krebspatienten müssen in der Regel über lange Zeiträume eine oft sehr belastende Therapie mit regelmäßiger Einnahme von (meist mehreren) Medikamenten einhalten. Bei Zytostatika müssen außerdem häufig strenge Regeln bezüglich der Einnahme beachtet werden, da die Bioverfügbarkeit vieler Wirkstoffe z.B. durch die Einnahme bestimmter Lebensmittel stark beeinflusst wird. Zytostatika sind somit Arzneimittel, über deren Einnahme der Patient sehr ausführlich beraten werden muss. Die Sicherstellung der Compliance ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, bei der nicht zuletzt die Beratungskompetenz des Apothekers gefragt ist.
Eine Substitution von Arzneimitteln kann in dieser Situation schnell zu zusätzlichen Unsicherheiten und damit zu einer Verschlechterung der Patienten-Compliance führen. Dabei ist zu bedenken, dass es sich bei Krebspatienten überwiegend um ältere, oft multimorbide, Menschen handelt, für die diese Problematik ganz besonders zutrifft. Auch eine psychische Labilität trifft auf Krebspatienten häufig zu.
Zytostatika
| Um die Patienten-Compliance unter den schwierigen Bedingungen einer Krebstherapie zu sichern, sollten Medikamentenwechsel vermieden werden. |
Weiterführende Literaturhinweise bzw. Stellungnahmen von Fachgesellschaften o.ä.
Zytostatika – beratungsintensive Arzneistoffe
(PZ 47/2009)
»Es sind die erklärungsbedürftigsten Produkte, die ich kenne«, sagte der Leitlinienbeauftragte der Deutschen Gesellschaft für onkologische Pharmazie, Jürgen Barth vom Universitätsklinikum Gießen, auf dem onkologisch-pharmazeutischen Fachkongress NZW Süd in Ravensburg.
Auch der Chefapotheker des Universitätsklinikums Tübingen Hans-Peter Lipp, betonte die speziellen Risiken der oral verfügbaren Zytostatika und zielgerichteten Substanzen. Auf dem 17. onkologisch-pharmazeutischen Fachkongress NZW in Hamburg ging er, wie auch Barth in Ravensburg, auf die speziellen Herausforderungen bei der Beratung der Patienten ein. »Bei der Abgabe müssen Apotheker nicht nur im Rahmen der Plausibilitätskontrolle erhebliche Sachkunde beweisen«, sagte Lipp. […] Zur Sicherheit sollte der Apotheker unabhängig vom Zytostatikum prinzipiell den Patienten befragen, ob er vom Arzt in die Einnahmemodalitäten unterwiesen worden ist und diese verstanden hat.
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Pharmazeutische Betreuung von Krebspatienten
(Pharm. Unserer Zeit 2/2006)
Krebspatienten stellen eine besonders betreuungsbedürftige Patientengruppe dar. Sie sind mit einer komplexen Arzneimitteltherapie konfrontiert. […] Hinzu kommt möglicherweise eine Dauermedikation gegen andere chronische Erkrankungen. Aufgrund dieser Tatsache, aber auch aufgrund der Toxizität der Therapie, kann es somit leicht zu arzneimittelbezogenen Problemen kommen. […] Ein weiterer Aspekt, der Krebspatienten zu einer Gruppe macht, die von einer Pharmazeutischen Betreuung profitieren kann, ist der hohe Informationsbedarf, was ihre Erkrankung, die Chemotherapie aber auch supportive und komplementär-onkologische Therapiemöglichkeiten angeht.
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