Apotheker können von der Substitution bzw. der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel absehen, wenn dem im konkreten Einzelfall – aus Sicht des Apothekers – pharmazeutische Bedenken (ApBetrO § 17 Abs. 5) entgegenstehen.
Schilddrüsenhormone
Als Schilddrüsenhormone werden die von der Schilddrüse (lat. Glandula thyreoidea) gebildeten Hormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (Tetraiodthyronin, T4) bezeichnet. Dabei handelt es sich um lebensnotwendige Hormone, die eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel und für das Zellwachstum spielen. Die Schilddrüsenhormone sorgen vor allem dafür, dass die Nahrung in den Körperzellen zu Energie umgesetzt wird. Sie bestimmen auch, wie viel Energie umgesetzt wird und mit welcher Geschwindigkeit. Damit hängt der Grundumsatz des Körpers direkt mit dem Blutspiegel an Schilddrüsenhormonen zusammen. Da die Schilddrüsenhormone den Energiestoffwechsel aller Körperzellen beeinflussen, ist die Funktion eines jeden Körperorgans – ob Magen-Darm-Trakt, Herz, Nervensystem, Knochen, Haut, Haare, Muskulatur oder Keimdrüsen – von diesen Hormonen abhängig.
Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
Eine häufige Erkrankung der Schilddrüse ist die Hypothyreose (Unterfunktion). Diese führt zu einem Mangel an Schilddrüsenhormonen, der zahlreiche Beschwerden verursachen kann. Die Ursachen der Unterfunktion können sehr verschiedenartig sein. Unter anderem kann ein Mangel an Jod zu einer Hypothyreose führen, da für die Bildung der Schilddrüsenhormone Jod benötigt wird.
Typische Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind Gewichtszunahme, Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen, Trägheit, Verstopfung und brüchige Haare und Nägel. Oft bildet sich bei einer Schilddrüsenunterfunktion ein sog. Kropf (Struma), der eine krankhafte Vergrößerung der Schilddrüse darstellt. Die Schilddrüse versucht, die geringe Hormonbildung durch eine Vermehrung der hormonproduzierenden Zellen auszugleichen und nimmt daher an Volumen zu.
Die Therapie einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt durch eine Hormonersatzbehandlung mit Schilddrüsenhormonen. Dadurch wird der Hormonspiegel im Blut normalisiert. Auch eine Kropfbildung kann in vielen Fällen mit Ersatzhormonen behandelt werden. Ist der Kropf sehr groß, muss er jedoch operativ entfernt werden.
Austauschbarkeit von Schilddrüsenhormonen
Die Austauschbarkeit von Schilddrüsenhormonen wird kontrovers diskutiert.
Bei Schilddrüsenhormonen wie Levothyroxin wird die individuell benötigte Dosis durch engmaschige TSH-Kontrollen bestimmt.
Da Studien gezeigt haben, dass die Bioverfügbarkeit von Levothyroxin-Präparaten unterschiedlich sein kann, wird eine Kontrolle des TSH-Spiegels auch im Falle eines Präparate-Wechsels empfohlen (Quelle: Ärzte Zeitung, siehe Link unten). Angesichts der geringen Preisunterschiede vergleichbarer Präparate wird eine mögliche Ersparnis dadurch stark relativiert.
Allerdings ist die Resorption von Levothyroxin ganz erheblich von der Nahrungsaufnahme abhängig. Daher wird mitunter auch die Meinung vertreten, dass ein Unterschied in der Bioverfügbarkeit demgegenüber als nicht so gravierend einzustufen ist.
Letztlich ist immer auch die individuelle Situation des Patienten zu berücksichtigen. Erhält der Patient nicht sein gewohntes Präparat, auf das er gut eingestellt ist, kann dies z. B. die Compliance gefährden. In diesem Fall kann eine Substitution durch Geltendmachung pharmazeutischer Bedenken verhindert werden.
» Vorgehen bei „pharmazeutischen Bedenken“
Weiterführende Literaturhinweise bzw. Stellungnahmen von Fachgesellschaften o. ä.
Präparate-Hopping ist bei Thyroxin nicht ohne – und spart nichts
Ärzte Zeitung, 01.08.2007
Mit der Einführung des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes müssen Apotheken seit April rabattierte Arzneimittel abgeben - sofern die Krankenkasse des Patienten einen Rabattvertrag mit dem Hersteller abgeschlossen hat. Bei Levothyroxin etwa kann das Patienten Probleme machen. Denn die Bioverfügbarkeit von Levothyroxin-Präparaten ist unterschiedlich. Und die therapeutische Breite ist gering.
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