Retax-Falle „Heilfürsorgeverordnungen mit Ausnahme von Hilfsmitteln sind immer gebührenpflichtig“

Ein Mitglied des DAP-Retax-Forums berichtet uns von einer aktuellen Retaxvariante, die vielen Apotheken noch nicht bekannt sein dürfte: Die Heilfürsorge der Bundespolizei (früher Bundesgrenzschutz) retaxierte 5 Euro nicht einbehaltene Zuzahlung, obwohl das Rezept erkennbar durch den Arzt (per EDV) freigemacht worden war!


Als Begründung wurden §§ (§3 Abs. 1-3) des Arzneilieferungsvertrages zwischen dem Bundesministerium des Inneren (BMI) und dem Deutschen Apothekerverband (DAV) genannt, die bestimmen, dass ein Rezept zu Lasten dieses Kostenträgers nur dann korrekt ausgestellt ist (und daher auch nur dann beliefert und abgerechnet werden kann), wenn dieses als gebührenpflichtig gekennzeichnet ist!


Der betroffene Kollege wurde noch extra darauf hingewiesen, dass Änderungen durch die Apotheke nur mit Unterschrift des Apothekers gültig seien, wenn er also dieses Kreuz bei "Gebühr frei" geändert hätte, dieses nur mit seiner Unterschrift gültig sei!


Das Rezeptimage kam über das Rechenzentrum ohne Angabe einer Einspruchsstelle (z. B. beim BMI zurück), für den betroffenen Kollegen ist somit nicht ersichtlich, wer denn für einen Einspruch zuständig ist!


Da der Apotheke bekannt ist, dass nach den meisten Lieferverträgen für die Apotheke nur dann eine Prüfpflicht für den Zuzahlungsstatus besteht, wenn entweder kein Statusfeld oder beide angekreuzt sind, bat der betroffene Apotheker um Beantwortung folgender Fragen:


-  Sind jetzt alle Rezepte der Heilfürsorge BPol grundsätzlich zuzahlungspflichtig, egal welche Kennzeichnung der Arzt eindruckt?

-  Gibt es für diesen Kostenträger keine Befreiungstatbestände, und muss die Apotheke diese Rezepte immer auf gebührenpflichtig ändern (mit Unterschrift), damit sie überhaupt gültig werden bzw. sind?


Was unser Forumsmoderator geantwortet hat, lesen Sie hier:

So unglaublich sich das anhört, aber das stimmt tatsächlich. 
Die Heilfürsorge der Bundespolizei ist keine GKV-Kasse und im Arzneiliefervertrag mit dem DAV steht tatsächlich, dass
- es keine Zuzahlungsbefreiungen bei Arzneimitteln gibt
- Rezepte laut §3 (2) nur "ordnungsgemäß" und damit erstattungsfähig sind, wenn diese als gebührenpflichtig gekennzeichnet sind.

Und in §3 (3) fehlende Angaben nach Abs. 2 können bei der Abgabe vom Apotheker geheilt werden; Änderungen sind vom Apotheker abzuzeichnen...

Eine weitere Besonderheit der Heilfürsorge-Abrechnung:
Bei Hilfsmittelrezepten fällt hingegen generell KEINE Zuzahlung an.



Kaum zu glauben, aber die Konsequenzen für die Umsetzung in der Apothekenpraxis hat unser Forumsmitglied leider richtig beschrieben.


Weitere Informationen finden Sie in Kap. 1.31 „Die Arzneimittel-Richtlinien-Prüfpflicht-Falle“ im Buch „Retaxfallen“ des Deutschen Apotheker Verlags.
http://www.deutscher-apotheker-verlag.de/titel/57425.html
Keine Kommentare
Kommentare sind nur für registrierte Mitglieder des DAP Retax-Forums zu sehen.

Um die Kommentare zu lesen, nutzen Sie bitte zur Anmeldung das nachfolgende Formular.

Noch nicht im DAP Retax-Forum registriert? Jetzt hier registrieren!
Schreiben auch Sie einen Kommentar zu diesem Thema:
Aktuelle Fortbildungen
Machen Sie mit und sichern Sie sich hier Ihre Fortbildungs-Punkte!
» Osteoporose 3 Punkte
» Hautschutz bei
Krebstherapien
1 Punkt
» Orale
Kontrazeptiva
3 Punkte
» Fußpilz 3 Punkte
» Nagelpilz bei
Diabetikern
3 Punkte
» Blasen­entzündung 2 Punkte
» Mikronährstoffe 6 Punkte



Tägliche Informationen rund um Retaxierungen, Rabattverträge, Substitution und Pharmazeutische Bedenken.

Hier anmelden

Retax-Newsletter-Archiv

Archiv der veröffentlichten Retax-Newsletter

Informations- und Erfahrungs­austausch für Apotheker im geschützten Bereich

Präqualifizierungsstellen

Hier finden Sie eine Übersicht der vom GKV-Spitzenverband zugelassenen apotheken­relevanten Präqualifizierungs­stellen.