Apotheker können von der Substitution bzw. der Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel absehen, wenn dem im konkreten Einzelfall – aus Sicht des Apothekers – pharmazeutische Bedenken (ApBetrO § 17 Abs. 5) entgegenstehen. 

Gruppen von Antidepressiva

Es gibt eine Reihe verschiedener Substanzgruppen, die zur Behandlung von depressiven Syndromen eingesetzt werden. Hauptsächlich werden folgende Wirkstoffgruppen als Antidepressiva verwendet:


Trizyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva sind nach der dreifachen Ringstruktur der Wirkstoffe benannt. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung von Depressionen, aber auch bei weiteren Erkrankungen wie zum Beispiel bei Angststörungen und chronischen Schmerzen verwendet. Trizyklische Antidepressiva greifen in mehrere Botenstoffsysteme gleichzeitig ein. Sie hemmen die Wiederaufnahme der Neurotransmitter in die Synapsen und besitzen zusätzlich rezeptorblockierende Eigenschaften. Die Wirkung tritt verzögert nach etwa 2-4 Wochen ein. Außer ihrer Wirkung auf depressive Zielsymptome besitzen die trizyklischen Antidepressiva einen anticholinergen Effekt, wodurch ein Teil ihrer Nebenwirkungen erklärt werden kann. Häufige Nebenwirkung sind Müdigkeit, Zittern, Gewichtszunahme, Verstopfung oder Mundtrockenheit. Speziell beachtet werden müssen auch die zahlreichen Arzneimittel-Wechselwirkungen.

Wirkstoffe: Amitriptylin, Clomipramin, Dibenzepin, Desipramin, Doxepin, Imipramin, Nortriptylin, Opipramol, Trimipramin


Selektive Wiederaufnahmehemmer

Selektive Wiederaufnahmehemmer blockieren selektiv die Rezeptoren, die für die Wiederaufnahme eines bestimmten Neurotransmitters zuständig sind. Da nicht in andere Transmittersysteme eingegriffen wird, spielen auch die Nebenwirkungen im Vergleich zu den trizyklischen Antidepressiva eine geringere Rolle.


Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI = selective serotonin reuptake inhibitors)

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sind die am häufigsten angewendeten Antidepressiva. Sie haben eine stimmungsaufhellende Wirkung und werden hauptsächlich bei Depressionen eingesetzt; weitere Indikationen sind unter anderem Angst-, Panik- und Zwangsstörungen, soziale Phobie, Bulimie und posttraumatische Belastungsstörungen.

Als Nebenwirkungen werden v. a. Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und gastrointestinale Störungen wie Übelkeit und Erbrechen beschrieben.

Wirkstoffe: Citalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin, Fluvoxamin


Selektive Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI = selective serotonin/noradrenaline reuptake inhibitors):

Aus dieser Gruppe findet in erster Linie der Wirkstoff Venlafaxin Verwendung, der wie die trizyklischen Antidepressiva die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin hemmt, jedoch keine Rezeptor-Affinität besitzt. Er wirkt daher nicht anticholinerg und sedierend, sondern besitzt eine stimmungsaufhellende Wirkung.

Als Nebenwirkung kann es z. B. zu Übelkeit, Schwindel, Müdigkeit, Schlaflosigkeit und Ejakulationsstörungen kommen.

Wirkstoffe: Venlafaxin, Duloxetin


Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI = selective noradrenaline reuptake inhibitors):

Durch eine selektive Hemmung der Noradrenalin-Wiederaufnahme wird eine ähnliche antidepressive Wirkung wie bei einer gleichzeitigen Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmung erreicht. Solch ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer ist der Wirkstoff Reboxetin, der vor allem bei gehemmt-depressiven Patienten (Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit) eingesetzt wird. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen u. a. Schlaflosigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Tachykardie, Miktationsbeschwerden und Potenzstörungen.

Wirkstoffe: Reboxetin


Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer):

Die Monoaminoxidasehemmer Tranylcypromin und Moclobemid blockieren den oxidativen Abbau von Monoaminen, indem sie das Enzym Monoaminoxidase (MAO) hemmen. Dadurch nimmt die synaptische Konzentration von Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und Serotonin im Gehirn zu.

Von dem Enzym MAO gibt es zwei Unterarten A und B. Das Antidepressivum Tranylcypromin hemmt beide Formen der MAO. Dadurch ist es bei schweren Depressionen selbst dann wirksam, wenn andere Antidepressiva zuvor keine Besserung gebracht haben. Der große Nachteil ist allerdings seine schlechte Verträglichkeit, weil auch andere Botenstoffe nicht mehr abgebaut werden können. Dies betrifft vor allem die Aminosäure Tyramin. Verbleibt Tyramin in zu großen Mengen im Körper, kann der Blutdruck stark ansteigen. Daher sind unter der Einnahme dieses Antidepressivums regelmäßige Kontrollen des Blutdrucks notwendig.

Außerdem zerstört Tranylcypromin die MAO, eine Hemmung ist also nicht mehr rückgängig zu machen (irreversible Hemmung). Nach einer Therapie mit diesem Antidepressivum muss der Körper das Enzym erst wieder neu bilden. Der Aufbau kann bis zu drei Wochen dauern, weshalb Wirkungen und Nebenwirkungen von Tranylcypromin entsprechend lange anhalten.

Moclobemid wirkt gut bei Ängsten im Umgang mit Menschen (soziale Phobien) und bei schweren Depressionen. Im Gegensatz zu Tranylcypromin hemmt es nur den Untertyp MAO-A. Tyramin kann in diesem Fall noch durch MAO-B abgebaut werden.

Moclobemid blockiert die MAO lediglich, zerstört das Enzym aber nicht. Die Hemmung hebt sich nach einiger Zeit wieder auf (reversible Hemmung).

Als Nebenwirkungen sind bei beiden Substanzen v. a. Schlafstörungen, Übelkeit und Kopfschmerzen zu nennen.

Wirkstoffe: Tranylcypromin, Moclobemid

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