Die korrekte Belieferung einer BtM-Verordnung

Bei der Belieferung eines BtM-Rezeptes ist Vieles zu beachten. In dieser Rubrik werden die folgenden Punkte erläutert:

  • Abgabebelegverfahren
  • Dokumentation in der Apotheke
  • Rezeptgültigkeit
  • Höchstmengen
  • Rabattverträge
  • Stückelungen
  • Heilungsmöglichkeiten bei BtM-Verordnungen

Das Abgabebelegverfahren

Bei einer BtM-Bestellung wird dieses bei der Lieferung in die Apotheke durch ein amtliches Formblatt begleitet.

Dieses Formblatt besteht aus vier Blättern:

  1. Abgabemeldung
  2. Empfangsbestätigung
  3. Lieferschein
  4. Lieferscheindoppel

Der Großhandel füllt alle vier Belege identisch aus, mit

  • der BtM-Nummer des Großhandels, seinem Namen und der Anschrift (bei BtM-Retouren ist die Apotheke die abgebende Firma!)
  • der BtM-Nummer, dem Namen und der Anschrift des Erwerbers
  • der PZN, der Bezeichnung des Betäubungsmittels, der Anzahl der Packungseinheiten, der Packungseinheit des BtM sowie der Darreichungsform und dem Gewicht des enthaltenen reinen Stoffes
  • dem Abgabedatum
  • der Unterschrift des Abgebenden

Die Empfangsbestätigung und der Lieferschein werden der Apotheke zusammen mit dem BtM überstellt. Der Lieferscheindoppel verbleibt solange beim abgebenden Großhandel, bis dieser die unterschriebene Empfangsbestätigung von der Apotheke zurück erhalten hat. Dann kann der Lieferscheindoppel vernichtet werden. Die Abgabemeldung wird innerhalb einer Woche nach dem Abgabedatum der Bundesopiumstelle zugesandt.

Der Lieferschein wird in der Apotheke und die Empfangsbestätigung beim Großhandel für drei Jahre archiviert.

Dokumentation in der Apotheke

Nach § 17 BtMG ist jeder Inhaber einer Erlaubnis zum Verkehr mit Betäubungsmitteln verpflichtet, getrennt für jede Betriebsstätte und jedes Betäubungsmittel fortlaufend Aufzeichnungen über jeden Zugang und jeden Abgang sowie den aktuellen Bestand eines BtM zu führen.

Die Dokumentation kann in der Apotheke auf Dokumenationskarteikarten, in Betäubungsmittelbüchern oder auch elektronisch erfolgen. Bei der elektronischen Datenverarbeitung muss sichergestellt sein, dass die gespeicherten Angaben in der Reihenfolge der amtlichen Formblätter druckbar sind.

Abb.: Karteikarte zur Dokumentation der Betäubungsmittelbestände

 

Abb.: Karteikarte zur Dokumentation der Betäubungsmittelbestände

 

Aufgezeichnet werden müssen:

  • Datum des Zu- oder Abgangs
  • Bezeichnung des Stoffes oder des Arzneimittels
  • zugegangene bzw. abgegangenen Menge sowie der Bestand
  • Stoffe in Gramm oder Milligramm
  • abgeteilte Zubereitungen in Stückzahl, flüssige Zubereitungen evtl. auch in Millilitern
  • Name und Anschrift des Lieferanten
  • Name und Anschrift des Empfängers
  • bei Verschreibungen Name des Arztes und seine Anschrift
  • Nummer des BtM-Rezeptes oder BtM-Anforderungsscheines

Wichtig!

Am Ende eines jeden Monats muss der Apothekenleiter bei Bestandsänderungen die Bestände prüfen und das Ergebnis auf der Karteikarte mit seinem Namenszeichen bestätigen.

Die BtM-Dokumentationen sind 3 Jahre aufzubewahren!

Zusammen mit den Betäubungsmittelkarteien, -büchern oder EDV-Ausdrucken sind jeweils der Teil I des BtM-Rezeptes sowie die Lieferscheine der Betäubungsmittel, nach Erwerbsdaten geordnet, für drei Jahre aufzubewahren.

Die Rezeptgültigkeit

Ein ausgefülltes BtM-Rezept darf nur bis zum 8. Tag inkl. Verschreibungsdatum durch eine Apotheke beliefert werden (die Frist darf nur bei ggf. erforderlicher Einfuhr eines in Deutschland nicht zugelassenen Arzneimittels überschritten werden).

Beispiele:

Das Ausstellungsdatum ist der erste Tag, Sonn-und Feiertage werden mitgezählt.

Höchstmengen

Innerhalb von 30 Tagen darf der Arzt für einen Patienten maximal bis zu zwei der unter § 2 Abs. 1 BtMVV, Buchstabe a aufgeführten Betäubungsmittel bis zu der genannten Höchstmenge verschreiben. Sobald die Höchstmenge in diesem Zeitraum überschritten wird, ist das Rezept vom Arzt entsprechend § 2 Abs .2 Satz 2 BtMVV mit dem Buchstaben "A" zu kennzeichnen. Betäubungsmittelrechtlich ist allerdings z. B. wegen Sicherstellung der Therapie im Urlaub o. ä. keine Begrenzung der Reichdauer des BtM-Rezeptes vorgesehen. Die BtMVV lässt die Möglichkeit einer ökonomischen Verschreibungsweise zu. Eine Verschreibung bis zu der in der BtMVV festgesetzten Höchstmenge ist – unter Wahrung der Sicherheit und Kontrolle des BtM-Verkehrs – grundsätzlich auch für mehr als 30 Tage möglich (für Verschreibungen von Substitutionsmitteln gelten Sonderregelungen).

Wichtig!

Die Höchstmengen gelten auch bei Verordnung auf mehreren Rezepten für einen Patienten bzw. bei Verordnung verschiedener Fertigarzneimittel mit gleichem Wirkstoff.

Für Zahnärzte und Tierärzte gelten abweichende Höchstmengen (siehe BtMVV §§ 3 und 4).

Hier können die aktuellen BtM-Verschreibungshöchstmengen, die ein Arzt einem Patienten innerhalb von 30 Tagen verordnen darf, heruntergeladen werden:

BtM-Austausch aufgrund von Rabattverträgen

Auch Betäubungsmittel müssen aufgrund von Rabattverträgen der Kassen durch gleichwertige Präparate ausgetauscht  werden.

 Dabei müssen die Präparate übereinstimmen in:

  • Wirkstoff
  • Wirkstärke
  • Packungsgröße, bei BtM genaue Stückzahl, gleicher Normbereich reicht nicht aus
  • Darreichungsform, gleich oder austauschbar
  • Zulassung für ein gleiches Anwendungsgebiet
  • Pflastersysteme müssen neben der Freisetzungsrate auch in der Wirkstoffbeladung übereinstimmen!

Stückelung/Mehrfachverordnung von BtM

Auch für Betäubungsmittel ist der § 6 Rahmenvertrag, der die Abgabe wirtschaftlicher Einzelmengen regelt, bindend.

Rahmenvertrag § 6 Abs. 2 - Mehrfachverordnungen unterhalb der größten Messzahl

Rahmenvertrag § 6 Abs. 2

Entspricht die nach Stückzahl verordnete Menge, die keinem N-Bereich nach der geltenden Packungsgrößenverordnung zugeordnet werden kann, keiner im Handel befindlichen Packungsgröße, so sind, nach wirtschaftlicher Auswahl aus den zulässigen Packungsgrößen, verschreibungspflichtige Arzneimittel bis zur verordneten menge abzugeben.

Auch für BtM ist eine Abgabe nur retaxsicher, wenn

  • die gestückelte Menge keinem Normbereich zugeordnet werden kann
  • keine Packungsgröße der verordneten Menge im Handel ist.

Rahmenvertrag § 6 Abs. 3 - Mehrfachverordnungen oberhalb der größten Messzahl

Rahmenvertrag § 6 Abs. 3

Überschreitet die nach Stückzahl verordnete Menge die größte für das Fertigarzneimittel festgelegte Messzahl, ist nur die nach geltender Packungsgrößenverordnung aufgrund der Messzahl bestimmte größte Packung oder ein Vielfaches dieser Packung, jedoch nicht mehr als die verordnete Menge abzugeben. Ein Vielfaches der größten Packung darf nur abgegeben werden, soweit der Vertragsarzt durch einen besonderen Vermerk auf die Abgabe der verordneten Menge hingewiesen hat.

Auch für BtM ist eine Abgabe nur retaxsicher, wenn

  • es sich um vielfache Mengen der größten Messzahl handelt,
  • der Arzt die Menge mit einem besonderen Vermerk gekennzeichnet hat (Ausnahme einige Regionallieferverträge)

Einen Überblick über die Abgabemöglichkeiten nach Rahmenvertrag § 6 bietet die Arbeitshilfe Nr. 14a.

Heilungsmöglichkeiten von BtM-Verordnungen

Bemerkt der Arzt einen Schreibfehler oder auch einen Irrtum bevor er das Rezept dem Patienten übergibt, so kann er dies sofort ändern oder auch von einer anderen Person ändern lassen, wobei er die Änderung eigenhändig mit Datum und erneuter Unterschrfit versehen muss. Dies muss auf allen drei Teilen des BtM-Rezeptes erfolgen.

Aber auch der Apotheker hat die Möglichkeit, Fehler einer BtM-Verordnung zu beheben.

BTMVV § 12 Abs. 2

(2) Bei Verschreibungen und Verschreibungen für den Stationsbedarf, den Notfallbedarf und den Rettungsdienstbedarf, die einen für den Abgebenden erkennbaren Irrtum enthalten, unleserlich sind oder den Vorschriften nach § 9 Abs. 1 oder § 11 Abs. 1 nicht vollständig entsprechen, ist der Abgebende berechtigt, nach Rücksprache mit dem verschreibenden Arzt, Zahnarzt oder Tierarzt Änderungen vorzunehmen. Angaben nach § 9 Abs. 1 Nr. 1 oder § 11 Abs. 1 Nr. 1 können durch den Abgebenden geändert oder ergänzt werden, wenn der Überbringer der Verschreibung oder der Verschreibung für den Stationsbedarf, den Notfallbedarf und den Rettungsdienstbedarf diese Angaben nachweist oder glaubhaft versichert oder die Angaben anderweitig ersichtlich sind. Auf Verschreibungen oder Verschreibungen für den Stationsbedarf, den Notfallbedarf und den Rettungsdienstbedarf, bei denen eine Änderung nach Satz 1 nicht möglich ist, dürfen die verschriebenen Betäubungsmittel oder Teilmengen davon abgegeben werden, wenn der Überbringer glaubhaft versichert oder anderweitig ersichtlich ist, daß ein dringender Fall vorliegt, der die unverzügliche Anwendung des Betäubungsmittels erforderlich macht. In diesen Fällen hat der Apothekenleiter den Verschreibenden unverzüglich über die erfolgte Abgabe zu benachrichtigen; die erforderlichen Korrekturen auf der Verschreibung oder Verschreibung für den Stationsbedarf, den Notfallbedarf und den Rettungsdienstbedarf sind unverzüglich vorzunehmen. Änderungen und Ergänzungen nach den Sätzen 1 und 2, Rücksprachen nach den Sätzen 1 und 4 sowie Abgaben nach Satz 3 sind durch den Abgebenden auf den Teilen I und II, durch den Verschreibenden, außer im Falle des Satzes 2, auf Teil III der Verschreibung oder der Verschreibung für den Stationsbedarf, den Notfallbedarf und den Rettungsdienstbedarf zu vermerken.

Der Apotheker darf auf einem BtM-Rezept folgende Korrekturen vornehmen:

  • ohne Rücksprache mit dem Arzt: fehlerhafte Patientendaten wie Name, Vorname, Anschrift, wenn der Überbringer der Verordnung diese Angaben glaubhaft versichert oder belegt
  • mit Rücksprache des Arztes: erkennbare Irrtümer, unleserliche Passagen und Teile, die nicht den Vorschriften der BtMVV entsprechen (vgl. § 9 Abs. 1 BtMVV)

Wichtig!

Alle Änderungen durch die Apotheke müssen auf den Teilen I und II vom Apotheker geändert und mit Datum und Unterschrift abgezeichnet werden. Der Arzt muss die identischen Änderungen auf seinem Teil der Verordnung (Teil III) ebenfalls mit Datum und Unterschrift dokumentieren.

Das Ausstellungsdatums und die Unterschrift können nur durch den Arzt aufgebracht und geändert werden.

Die Betäubungsmittelabgabe auf eine ungültige, nicht ordnungsgemäß ausgestellte Verordnung stellt eine Straftat dar. Wird der Apotheke eine fehlerhafte Verordnung vorgelegt, hat sie die folgenden beiden Möglichkeiten:

  1. Die Betäubungsmittelverordnung zurückweisen und den Arzt bitten, Änderungen auf allen drei Teilen des BtM-Rezeptes mit Datum und erneuter Unterschrift vorzunehmen.
  2. Das Rezept selber korrigieren (Ausnahme: Datum und Unterschrift können nur vom Verordner persönlich korrigiert werden).