Die meisten Arten der Passionsblume kommen aus Südamerika. Eine der wenigen Ausnahmen und die medizinisch interessanteste Art stammt Nordamerika – Passiflora incarnata. Die Passionsblume verdankt ihren Namen dem komplexen Aufbau ihrer Blüte. In den farbigen Blütenblättern sahen fromme Missionare die Verkörperung der Leidesgeschichte Christi. (Passiflora – lat. von pati „erdulden, erleiden“; passio „das Leiden“; incarnata – „die Fleisch gewordene“). Aufgrund ihrer interessanten Kultur- und Medizingeschichte und ihrer vielseitigen Wirksamkeit wurde die Passionsblume zur Arzneipflanze des Jahres 2011 gekürt.

Abb.: Passiflora, Quelle: Pascoe

Die Wurzeln wurden bereits in der Volksmedizin der Ureinwohner innerlich und äußerlich als Heilmittel verwendet. Doch erst die Spanier nutzten gezielt die beruhigende Wirkung der krautigen Pflanzenteile.

Hochdosierter (425 mg) Passionsblumenkraut-Trockenextrakt wird zur Behandlung von nervöser Unruhe, innerer Anspannung, Ruhelosigkeit und nervösen Einschlafstörungen eingesetzt. In stressbelasteten Situationen wie vor Prüfungen, vor Operationen oder auch vor Flugreisen wirkt er beruhigend.

Der beruhigende, angstlösende Effekt von Passiflora incarnata ist vermutlich den in der Pflanze enthaltenen Flanvonoiden zu verdanken. Passionblumenkraut-Extrakt beeinflusst positiv die beruhigende, entspannende Wirkung des Neurotransmitters GABA.

Merke: Die Passionsblume verstärkt die Wirkung von GABA und wirkt

  • angstlindernd
  • beruhigend
  • entspannend

Wissenschaftliche Empfehlungen und Ergebnisse

Forschungsergebnisse aus klinischen Studien belegen das traditionelle Wissen über die Wirksamkeit von Passionsblume zur Behandlung von nervöser Unruhe und Angst:

  • Gemäß dem Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel der European Medicines Agency (Europäische Arzneimittel-Agentur) 2014 werden Arzneimittel auf der Basis der Passionsblume traditionell zur Linderung leichter Symptome von psychischem Stress und zur Schlafförderung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren angewendet.11
  • In der Monographie der Kommission E (1990) wird die Verwendung von Passiflora-incarnata-Kraut zur Behandlung von nervöser Unruhe empfohlen.12
  • Laut der ESCOP-Monographie (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) 2003 wird es erfolgreich bei Anspannung, Ruhelosigkeit und Einschlafstörungen angewandt.13

Vergleichbarkeit mit dem Benzodiazepin Oxazepam bei leichten Angststörungen

Passionsblumenblumenkraut-Extrakt wurde im Rahmen einer klinischen Studie mit der Wirksamkeit von Oxazepam verglichen: Das Ergebnis war, dass bei Patienten mit leichten generalisierten Angststörungen der Passionsblumenkraut-Extrakt eine ähnliche Wirkung wie Oxazepam erzielte, bei gleichzeitigem Erhalt der Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag.14

Aufgrund der guten Verträglichkeit und der vergleichbaren Wirkung könnte der pflanzliche Passionsblumenkraut-Extrakt bei dieser Indikation demnach eine gute Alternative zu Benzodiazepinen sein ohne eine Gefahr der Abhängigkeit. Damit eignet sich der pflanzliche Extrakt auch zur Langzeitanwendung. Da außerdem keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bekannt sind, können die Extrakte sowohl als Monotherapeutikum als auch in Kombination mit anderen Heilpflanzen eingenommen werden.